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Wird da wohl nie hineinfahren: Wiesseer Polizeiboot mit umstrittenen Archtekten-Entwurf.

Stadt setzt sich durch

Polizei-Bootshaus: Regierung gibt modernen Entwurf auf

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Wie soll das neue Bootshaus der Polizei Bad Wiessee aussehen? Wie ein Kunstobjekt oder ein Zweckbau? Jetzt steht fest: Es läuft auf eine unspektakuläre Lösung hinaus.

Tegernsee – Ende Mai hatten neue Pläne für ein Bootshaus der Wiesseer Polizei im Tegernseer Bauausschuss für Furore gesorgt. Weil die Regierung von Oberbayern gefunden hatte, dass ein Bootshaus am Tegernsee ein ganz besonderer Wurf werden sollte, hatte sie die Münchner Architektin und Städteplanerin Claudia Schreiber mit einer Überarbeitung der bereits seit 2015 genehmigten Pläne beauftragt. Doch die Vorschläge gingen im Bauausschuss nicht nur „baden“, sie wurden regelrecht zerlegt. Ein Bootshaus, das wie ein auf dem Kopf liegender Schiffsrumpf wirkt, traf ebenso wenig die Geschmäcker wie eine Art Schachtel mit schrägen Wänden. Letztere Variante konnte sich der Bauausschuss aber als Basis weiterer Überlegungen vorstellen. Die Entwürfe werden seither in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Viele hätten sich ein spektakuläres Bootshaus gut vorstellen können, warum sich der Bauausschuss so wenig damit anfreunden konnte, war so manchem Tal-Bewohner ein Rätsel.

Auch bei unseren Usern auf Facebook waren die Meinungen geteilt:

Das Staatliche Bauamt Rosenheim als Planungs- und Entscheidungsbehörde ruderte also zurück. Zur jüngsten Sitzung des Bauausschusses am Montagabend wurde dem Gremium eine neue „alte“ Version präsentiert. „Man will nun in etwa bauen, was schon genehmigt ist“, informierte Bauamtsleiterin Bettina Koch die Mitglieder. Die leicht veränderte Planung sieht nun ein 15,50 mal 7,59 Meter großes Bootshaus vor. Die genehmigte Version ist 14,50 mal 7 Meter groß. Es soll eine einfache Holzfassade mit Fenstern und ein Blechdach bekommen. Für den Bau nötig sind je drei Dalben an jeder Längsseite – also Pfähle, die die schwimmende Konstruktion stützen. Ziel sei, so Koch, die Dalben im Inneren der Bootshütte unterzubringen. Dies wohl aus optischen Gründen. Rudolf Gritsch (CSU) fand es wichtig, dass die Dalben außen nicht sichtbar sind, „wie viele es dann sind, ist mir egal.“ Peter Hollerauer (FWG) brachte seine Einstellung noch einmal klar zum Ausdruck: Er hätte das Bootshaus schon in der Vergangenheit abgelehnt. „Es ist mir einfach zu groß“, gestand Hollerauer.

Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) verteidigte die Planung: Man müsse berücksichtigen, dass das Polizeiboot auch Aufbauten habe und dass das Boot, das zwar erst im vergangenen Jahr eingeweiht wurde, auch durch ein anderes Modell ersetzt werden könne. Dies müsse man bei der Größe des Bootshauses berücksichtigen.

Gritsch fragte nach, wie es grundsätzlich mit dem Bedarfsplan der Polizei aussehe. Zu einer Grundsatzdiskussion pro oder kontra Bootshaus, die in den vergangenen Jahren immer wieder geführt worden war, kam es allerdings nicht. Der Bedarf sei unbestritten, sagte Hagn, dies habe Wiessees Polizeichef Wilhelm Sigel beim jüngsten Sicherheitsgespräch der Polizei mit allen Tal-Bürgermeistern erneut betont. Allerdings könne er nie genau sagen, wann das Boot zum Einsatz komme. „Der Bedarf eines Polizeiboots am Tegernsee ist Fakt und unumstritten“, stellte Sigel auf Nachfrage am Dienstag erneut klar.

Für den Bauausschuss bestand kein Grund, länger zu diskutieren. Er war komplett mit der vorgestellten Tekturplanung einverstanden. Dass man sich der örtlichen Gestaltungssatzung angepasst habe, begrüßte das Gremium ausdrücklich.

Am Standort ist nichts mehr zu Rütteln: Das Bootshaus soll im südlichen Bereich des Wiesseer Yachthafens, etwa 600 Meter Luftlinie von der Polizeiinspektion entfernt, auf einem Grundstück von Herzog Max in Bayern gebaut werden. Unumstritten ist auch, dass sich die Regierung von Oberbayern das Bootshaus einiges kosten lässt: Von 450 000 Euro ist die Rede. Die Kosten für die verworfene Extra-Planung der Architektin sind darin noch nicht einberechnet.

Wilhelm Sigel geht davon aus, dass das Genehmigungsverfahren nun zügig abgeschlossen wird und der Bau noch heuerbeginnen kann. Dann gehört der Vergangenheit an, was den Beamten im Einsatz bisher das Leben schwer macht: Das Polizeiboot ist in Rottach-Egern in einem ehemaligen, längst privaten Bootshaus der Schifffahrt untergebracht. Die Anfahrt dorthin raubt wertvolle Zeit für die Rettung im Notfall.

gr

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