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Joppe und Hut: Anselm Prester lebt zwar auf der ostfriesischen Insel Langeoog, steht aber zu seinen Wurzeln am Tegernsee. Hier vor einem seiner Werke, das einen Clown zeigt.

Er lebt auf der ostfriesischen Insel Langeoog

Von einem Künstler, der immer Tegernseer blieb

Tegerneer Tal/Langeoog - Anselm Prester ist als einfühlsamer Inselmaler bekannt. Mit seiner Malschule auf Langeoog gilt er als erfolgreicher Mal- und Zeichenlehrer. Und er selbst? Sieht sich als Tegernseer Künstler.

Zwar lebt Anselm Prester, den man gemeinhin unter seiner Signatur „Anselm“ kennt, seit 1965 auf der ostfriesischen Insel Langeoog. Der Liebe wegen. So lernte Anselm seine Renate, die damals in der Hotelfachschule Speiser ihre Ausbildung machte, 1962 in einem Tegernseer Tanzcafé kennen. Aber fühlen tut sich Anselm, der 1943 in Tegernsee zur Welt kam und hier aufwuchs, immer noch als „Doiger und Hiesiger“: „Man bleibt Tegernseer ein Leben lang“, sagt er mit Blick nicht nur auf die familiären und freundschaftlichen Verbindungen ins Tegernseer Tal, sondern vor allem auf seinen künstlerischen Werdegang. Denn auch sein Vater, ebenfalls mit Vornamen Anselm, war ein bekannter Maler – vor allem wegen seiner Landschafts- und Berggemälde, die im Stil der Münchner Schule entstanden und in 1950er Jahren stark nachgefragt wurden. 

Die Familie lebte oben am Riederstein. Dort, im väterlichen Atelier, wurde Anselm groß: „Ich schaute dem Vater immer beim Malen zu und war fasziniert zu sehen, wie ein Bild wächst“, erinnert er sich. Schon in jungen Jahren erhielt Anselm Zeichenunterricht – täglich eine Stunde lang. Der Vater sei da recht streng gewesen. Bevor der kleine Anselm einen Stift in die Hand bekam, ging es um die Schulung des Auges. Als Bergführer und Naturfreak nahm Anselm senior den Junior mit auf seine ausgedehnten Touren und fragte immer wieder: „Wo ist der Schatten?“, „Wo ist die Sonne?“, „Welche Farben hat der Schatten?“. „In der Tegernseer Landschaft wurden meine Sinne geschärft und freilich auch geprägt“, sagt Anselm. Erst als Acht- oder Neunjähriger durfte er zeichnen: „Immer wieder einen Blumentopf, bis dann auch die Technik saß.“ Später hat Anselm alles mit Stift und einem Zeichenblock festgehalten, nie mit einem Fotoapparat. Gemalt hat er alles, was er sah, was ihn bewegte und mit dem er sich innerlich verbunden fühlte. 

Dieses emotional Unmittelbare findet sich auch heute noch in seinen Arbeiten, die nicht nur das Meer, die Dünen, den Strand und den Himmel zu den unterschiedlichsten Stimmungen zeigen, sondern auch Menschen oder Tiere. Eine Zeit lang war Anselm fasziniert von Tänzern, Clowns wie Charlie Rivel, Pantomimen wie Samy Molcho oder dem Dirigent Herbert von Karajan, deren Ausdruck er präzise auf Leinwand oder Papier bannte. Anselm arbeitet mit Bleistift, Öl, Sepia, Aquarell und Pastell. In seiner Malschule in seinem „Atelier am Meer“ lehrt er seit 36 Jahren vor allem die Pastell-Technik: „Keiner zeichnet gern ewig die gleich Blumenvase“, lacht er. „Pastell hingegen ist eine super Maltechnik, die schnell zu Erfolgserlebnissen führt, so dass die Schüler auch dranbleiben.“ Durch den direkten Hautkontakt mit dem Material würde man schnell ein Gefühl für die Technik entwickeln. So entstehen in den dreitägigen Kursen meist drei ansehnliche Bilder – von Motiven, die die Schüler unmittelbar beeindrucken, also in der Regel von Insellandschaften. Aber freilich erklärt Anselm auch die Sache mit dem Licht und dem Schatten und dessen Farben – meist anhand eines Apfel- oder eines Blumentopf-Stilllebens. So wie er es einst selbst gelernt hat. „Den Blick auf die Dinge gilt es zu üben, ebenso wie das Malen mit dem ganzen Arm. Dass das Handgelenk dabei weich ist, ist das A und O“, erklärt Anselm. 

Manche seiner Schüler kommen seit 40 Jahren in das „Atelier am Meer“, gerne auch zur Kreativwoche, die einmal im Jahr stattfindet und die regelmäßig schon zwei Jahre im Voraus ausgebucht ist, weil dann spezielle Themen bearbeitet werden. 36 Kurswochen lehrt Anselm pro Jahr. Die restliche Zeit ist er in seiner alten, Immer-noch-Heimat am Tegernsee oder auf Mallorca, wo er ebenfalls ein kleines Atelier hat. Kurse geben will der berühmteste Mallehrer Deutschlands hier nicht. Aber er arbeitet an Tegernsee-Bildern, wie einst, als er in die Fußstapfen seines Vaters trat. Sie zeigen den See, das Tegernseer Paraplui und die Landschaft, der er sich auch nach 50 Jahren zugehörig fühlt. Auch wenn er sich der Insel Langeoog verbunden fühle, Ostfriese wollte er keiner werden. Denn wie gesagt: „Tegernseer bleibt man ein Leben lang.“

Von Alexandra Korimorth 

Im Fernsehen ist am Donnerstag, 18. Februar, um 18.15 Uhr auf NDR unter dem Titel „„Typisch! Der Inselmaler“ ein halbstündiges Portrait über den Tegernseer auf Langeoog zu sehen.

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