17. Internationales Bergfilm-Festival Tegernsee 2019
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Die Besten des 17. Bergfilm-Festivals Tegernsee: Bürgermeister Johannes Hagn (l.) und Festivalleiter Michael Pause (r.) gratulieren mit Jurymitgliedern den Preisträgern 2019.
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Für die Preisträger gab es auf dem Weg zur Bühne viel Applaus vom Publikum - darunter Landtagspräsidentin Ilse Aigner (vorne r.).
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Der Barocksaal war auch zur Schlussfeier voll besetzt.
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Stellvertretend für die Filmemacher von „This Mountain Life“ nahm Javier Barayazarra (2.v.r.), Präsident der International Alliance for Mountain Film, den Hauptpreis entgegen. 
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Für Dominik und Julian Weigand aus Rosenheim  gab es den Nachwuchspreis.
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Die Preisträger des Bergfilm-Festivals Tegernsee 2019: Geschichten von Mut und Demut

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Die Preisträger 2019 stehen fest: Am Samstagabend sind beim 17. Internationalen Bergfilm-Festival in Tegernsee die besten Filme ausgezeichnet worden. Die Macher nutzten die Chance auch für Plädoyers gegen die Zerstörung der Natur.

Tegernsee – Der Winter bildete die Klammer um das 17. Tegernseer Bergfilm-Festival, das am heutigen Sonntag zu Ende geht. Mit dem eindrucksvollen Portrait des skiverrückten Steirers Toni Sponar in „Endless Winter“ war es am Mittwoch im Barocksaal eröffnet worden. An selber Stelle wurde am Samstagabend bei der Schlussfeier „This Mountain Life (Die Magie der Berge)“ mit dem Hauptpreis, dem Großen Preis der Stadt Tegernsee, ausgezeichnet.

Die Dokumentation folgt einer Bergtour auf Tourenski von Vancouver nach Alaska. Eine zum Großteil von den Protagonistinnen selbst gedrehte Mutter-Tochter-Geschichte darüber, „was Menschen in der Bergwelt suchen und zum Teil auch finden“, wie Dagmar Steigenberger die Gedanken der fünfköpfigen Jury formulierte. 

Großer Preis des Bergfilm-Festivals geht an „This Mountain Life“

2300 Kilometer legen Tania und Martina Halik in sechs Monaten in atemberaubend schöner, aber auch lebensbedrohlich wilder Natur zu Fuß zurück. Berührende Einblender zeigen Bergepisoden von der Suche nach von Lawinen verschütteten Freunden oder einer mit wehendem Habit langlaufenden Nonne. „Viele Leute fühlen sich viel zu früh alt. Ich glaube man wird alt, sobald man beginnt, keinen Sport mehr zu treiben“, erzählt Martina Halik im Film von der Tour, zu deren Ende sie 60. Geburtstag feiert. Auch das eine Parallele zum Auftakt-Streifen und dem 85-jährigen Freerider Sponar.

Stellvertretend für die Filmemacher von „This Mountain Life“, die Festival-Direktor Michael Pause bei Dreharbeiten wähnte, da keinerlei Kontakt gelang, nahm Javier Barayazarra, Präsident der in Tegernsee tagenden International Alliance for Mountain Film, den mit 3000 Euro dotierten Hauptpreis aus den Händen von Bürgermeister Johannes Hagn entgegen.

Das Gros der Preisträger war persönlich in den Barocksaal gekommen. Aus Neuseeland und Belgien kamen Videobotschaften, die Pause darüber nachdenken ließen, ob man ob deren fantasievoller Gestaltung nicht auch eine entsprechende Kategorie einführen sollte. Vor allem die Crew von „The Pathan Project“ begeisterte mit ihrem fantasievollen Gruß, der die perfekte Fortführung ihres preisgekrönten Films zum „Erlebnisraum Berg“ bildete, bei dem ein Quartett von Kletterern aus Frankreich, Belgien und Argentinien die Erstbesteigung in einem bisher noch nicht zugänglichen Tal in Pakistan auf unkonventionelle Weise erzählt.

Emotionale Plädoyers gegen die Zerstörung der Natur

Was die Jury besonders lobte, war die vielfältige Herangehensweise an das Genre. „Iceberg Nations“ ist eines der Beispiele dafür. „Komplexe Dinge brauchen einfache Erklärungen“, legte Macher Fernando Martin Borlan dar, warum er auf ein abgebrochenes Stück Eisberg eine Flagge pflanzte und sich Gedanken über Hymnen, Einreisegenehmigungen und Verteidigung machte. In sehr ruhigen, detailverliebten und kraftvollen Aufnahmen begleiteten seine Landsleute Aner Etxebarria Moral und Pablo Vidal Santos in „Bayandalai“ bei 50 Grad unter Null und entsprechenden technischen Herausforderungen einen der letzten Nomaden und seine Rentiere in der Taiga. Es sei enorm wichtig, mit solchen Filmen wertvolle Kulturschätze für die nachfolgenden Generationen zu bewahren, betonten die Preisträger in einer emotionalen Rede über unsere Zerstörung der Natur.

Auch Jane Dyson betonte in ihren Dankesworten per Videoclip aus Melbourne, wie wichtig es sei, dass die Menschen in dem von ihr gezeigten Film über eine starke, gebildete Frau in einem abgelegenen Dorf im indischen Himalaja ihre Geschichte erzählen könnten von „einer sehr zerbrechlichen, von der Zentrifugalkraft der Moderne bedrohten Welt“, wie es die Jury formulierte. Den Kontrastpunkt zu Filmen über entfernte Gegenden und extreme Abenteuer setzten Dominik und Julian Weigand aus Rosenheim mit „Höhenmeter“, bei dem sie zwei Rosenheimer Holzbau-Studenten begleiten, wie sie alte Forsthütten renovieren, weil sie sich verpflichtet fühlen, das alte Kulturgut zu erhalten.

Auch das passte zum Grußwort von Landtagspräsidentin Ilse Aigner, die den Bergfilm als wichtiges Instrument darstellte, um „zu zeigen, welch unglaublichen Schatz wir haben“. Dabei zitierte sie UN-Generalsekretär Kofi Annan, dass man auf dem Berg wirklich demütig werde.

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Emmy-nominierter Naturfilmer Rolf Steinmann aus Fischbachau erklärt, warum Dokus immer auch unterhalten müssen

Die Auszeichnungen beim 17. Internationalen Bergfilm-Festival Tegernsee

Großer Preis der Stadt Tegernsee: „This Mountain Life (Die Magie der Berge)“ von Grant Baldwin und Jenny Rustemeyer, Kanada

Erlebnisraum Berg (Deutscher Alpenverein): „The Pathan Project“ von Guillaume Broust, Belgien

Naturraum Berg – Bergzeit-Preis für den besten Naturfilm: „Iceberg Nations“ von Fernando Martin Borlan, Spanien (zu sehen auf Vimeo)

Lebensraum Berg: „Spirit“ von Jane Dyson und Ross Harrison, Australien (zu sehen auf der Produktions-Homepage)

Otto-Guggenbichler-Preis für den besten Nachwuchsfilm: „Höhenmeter“ von Dominik und Julian Weigand, Rosenheim

Bayern2-Publikumspreis (ermittelt aus etwa 10 000 Stimmzetteln): „The Ascent of Everest“ von Antonello Padovcano, Italien

Kinder- und Jugendfilm-Publikumspreis Kleiner Preis des Bergfilm-Festivals (von monte mare): „Auf höchstem Niveau – Lebensretter am Berg“ von Birgit Wuthe, Deutschland

Der besondere Film: „Riafn“ von Hannes Lang, Deutschland

Preis für bemerkenswerteste Kameraleistung (Rotary Club Tegernsee): „Bayandalai – Lord of the Taiga“ von Aner Etxebarria Moral und Pablo Vidal Santos

Lobende Erwähnung der Jury: „Marcher pour Genna (Auf dem Pilgerweg zum Weihnachtsfest)“ von Frederic Furnelle und Olivier Bourget, Belgien, und „Ani, le monache di Yaqen gar (Die Nonnen von Yaqen gar)“ von Eloise Barbieri, Italien.

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