Präsentation: Tegernseer Klosterbücher
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Kulturerbe gerettet: (v.l.) Kirchenhistoriker Roland Götz, Hans-Herbert Perlinger vom Gauverein und Bürgermeister Johannes Hagn präsentieren die Bücher.

Psallierchor-Bücher im Tegernseer Museum

Historische Werke vor Versteigerung bewahrt

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Tegernsee - Seit Montag sind die 69 Psallierchorbände mit Klosterbezug im Tegernseer Tal Museum zu sehen – und verraten dabei so einiges über die Lehrtätigkeit der Mönche.

Pater Heinrich Donaubauer hat Philosophie, Dogmatik und Kirchenrecht unterrichtet. Nicht etwa vor kurzem im Tegernseer Gymnasium, sehr wohl aber in den selben Räumen: Donaubauer war vor über 200 Jahren Mönchsausbilder am Tegernseer Kloster. Die Lehrbücher, die er damals verwendete, sind jetzt im Museum Tegernseer Tal zu sehen.

Sie sind Teil der insgesamt 69 Bände, die Hans-Herbert Perlinger, Vorsitzender des Altertums-Gauvereins Tegernsee und Kirchenhistoriker Roland Götz aus dem Psallierchor-Fundus gerettet haben. Wie berichtet, hatte die Kreissparkasse die Bücher samt der restlichen Bibliothek bereits im Frühjahr vergangenen Jahres nach Berlin transportieren lassen. Dort sollten sie alle möglichst schnell unter den Hammer kommen. Dank einer hohen vierstelligen Spende von Unternehmer Thomas Strüngmann konnte der Verein die Bücher zurückkaufen.

Die 69 Bände stammen aus der Tegernseer Klosterbibliothek. Schon allein deshalb haben sie eine gewisse historische Bedeutung fürs Tal, sagt Historiker Götz. Die restlichen Bücher im Psallierchor stammten dagegen von der herzoglichen Familie. Mit der Tegernseer Region hatten sie daher wenig zu tun. Wie die Klosterbücher nach der Säkularisierung um 1803 ihren Weg in die herzogliche Bibliothek schafften, bleibt allerdings ein Rätsel. Eigentlich hätten sie mit allen anderen Werken in Staatsbesitz übergehen und nach München transportiert werden sollen. Irgendwie wurden sie wohl damals übersehen und der Herzog hat sie in seine Bibliothek gestellt. Das ist zumindest eine Theorie.

Jetzt jedenfalls stehen sie endlich der Öffentlichkeit zur Verfügung. Inhaltlich sind die Werke aus Neuzeit, Barock und Aufklärung weniger interessant, sagt Götz. Es sind vielmehr die handschriftlichen Einträge der Tegernseer Mönche, die den Kirchenhistoriker in Verzückung versetzen. Da erfährt man zum Beispiel, dass besagter Mönchsausbilder Pater Heinrich vom großen Gelehrten und Wissenschaftler Michael Lory – ebenfalls ein Tegernseer Mönch – mit einer Sammlung seiner eigenen Werke beschenkt wurde. Die verwendete Heinrich Donaubauer wohl wieder für seinen eigenen Unterricht. Götz kann anhand der Bücher feststellen: „Tegernsee war Ende des 18. Jahrhunderts voll auf dem Stand der damals aktuellen Wissenschaft.“

Ein ausführlicher Vortrag

über die historische Bedeutung der Klosterbücher von Kirchenhistoriker Roland Götz findet am Samstag, 7. März, um 9.30 Uhr und um 11 Uhr im Tegernseer Museum statt. Das Museum bittet um Voranmeldung unter  0174/ 99 199 98.

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