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Verzwick te Lage: Der Psallierchor (2) war einst Teil von St. Quirinus (1). Zum Komplex gehören das Bräustüberl (3), die Brauerei (4), das Gymnasium (5 und 6), der Gasthof Schlossbrennerei (7) und Privaträume der herzoglichen Familie sowie (8) die Malzerei der Brauerei.

Psallierchor: Eigentlich will Kirche kaufen, aber...

Was bedeutet eigentlich „immerwährendes“ Nutzungsrecht?

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Satte 1,5 Millionen Euro war Ex-Kreissparkassenchef Georg Bromme 2010 das „immerwährende Nutzungsrecht“ für den Tegernseer Psallierchor wert. Nur keiner weiß, was der Terminus genau bedeutet...

Tegernsee – „Ein mühsamer Job ist das“, bekennt Monsignore Walter Waldschütz. Der Tegernseer Pfarrer verhandelt schon seit Jahren, um den Psallierchor, einst Teil der Kirche St. Quirinus, in den Schoß der Kirche zurückzuholen. Noch immer ohne Ergebnis. Das liegt auch daran, dass der Psallierchor, ein 150 Quadratmeter großer Raum, inmitten eines Komplexes liegt, der zum Teil der Kirche und zum Teil dem herzoglichen Haus gehört. Das Dach über dem Psallierchor zum Beispiel befindet sich im Besitz der Brauerei. Wäre es undicht, würde das herunterrinnende Wasser die kostbaren Fresken des Chors ruinieren. Unter dem Psallierchor liegt das herzogliche Privatarchiv und darunter die Gruft. Bei den Verhandlungen geht es also auch um Eigentumsrechte. Ein sensibles Thema, das die Kirche und das herzogliche Haus zu erörtern haben. Derzeit könne er zu den Verhandlungen nichts sagen, so Waldschütz: „Das ist ein schwebendes Verfahren.“ Er hoffe auf neue Gespräche im Frühjahr.

Eines ist klar: Die Kirche will einen ordnungsgemäßen Kauf. Den hat Ex-Sparkassenchef Georg Bromme nicht getätigt. Er erwarb von der herzoglichen Familie 2010 lediglich ein „immerwährendes Nutzungsrecht“ für den Raum, der damals als Bibliothek diente. Die Frage, was genau unter einem solchen Nutzungsrecht zu verstehen ist, können auch Juristen schwer beantworten. Unstrittig scheint allerdings, dass der Inhaber des Nutzungsrechts auf dem Schaden sitzen bliebe, sollte es durchs Dach regnen. Auch darum würde die Kirche den Gebäudeteil gern insgesamt kaufen, mit Dach.

Der Psallierchor, bislang ohne Heizung, Strom und Licht, hat aber noch weitere Tücken. Derzeit ist er nur vom Gymnasium aus erreichbar. Um ihn nutzen zu dürfen, müsste ein zweiter Fluchtweg geschaffen werden. Das wäre grundsätzlich über die Sakristei von St. Quirinus möglich. Aber das Landesamt für Denkmalpflege hat Bedenken angemeldet. Für den Bau des Fluchtweges müsste die Kreissparkasse sorgen. Ohne wäre der Raum für die Kirche wertlos.

Zum Stand der Verhandlungen äußern sich derzeit weder das Erzbischöfliche Ordinariat noch die Kreissparkasse Miesbach. Das bisher letzte Gespräch zwischen Vertretern des Geldinstitutes und Generalvikar Peter Beer hat Ende Oktober stattgefunden. „Aus unserer Sicht gibt es keine neuen Erkenntnisse“, sagt Bernhard Kellner, Pressesprecher des Erzbischöflichen Ordinariats. Peter Friedrich Sieben, Pressesprecher der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee, lässt lediglich verlauten, die Bank stehe weiter mit der Kirche in Verbindung. Nähere Auskünfte zu den Kaufverhandlungen erteile er zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

Außer Frage stehen zwei Dinge: Als Käufer des Psallierchors kommt nur die Kirche in Frage – und die Kreissparkasse muss verkaufen. Brommes finanzielles Engagement für den Chor gilt bekanntlich als „unsachgemäßes Sponsoring“, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen noch. Um den von Bromme angerichteten Schaden zu begrenzen, soll die Bank das damals investierte Geld zurückholen. Ein Nutzungskonzept für den Psallierchor hat Waldschütz längst erstellt: Es könnten dort Vespern und Andachten stattfinden, vor allem auch für die Schüler des Gymnasiums.

Lesen Sie auch: Sponsoring-Affäre - ein Ende der Ermittlungen zeichnet sich ab

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