Der Psallierchor im ehemaligen Kloster Tegernsee
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Die kostbaren Fresken und die hohen Fenster geben dem Psallierchor ein besonderes Ambiente. Die Bücherregale wurden abgebaut. Die Kreissparkasse hat die Bücher verkauft.

Nach jahrelangem Dornröschenschlaf

Endlich eine Nutzung in Sicht? Psallierchor soll zum Leben erwachen

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Mehr als zehn Jahre sind vergangen, seit die Kreissparkasse 1,5 Millionen Euro für den Psallierchor bezahlte. Der Kauf brachte viel Ärger ein, der Raum wurde nie genutzt. Doch es gibt Bestrebungen, das zu ändern.

Tegernsee – Es war im Jahr 2010, als Ex-Kreissparkassenchef Georg Bromme meinte, ein ganz besonderes Präsent für die Landkreis-Bevölkerung gefunden zu haben. Anlässlich des 175-jährigen Bestehens des Geldinstitutes erwarb er von Herzog Max in Bayern für 1,5 Millionen Euro ein „immerwährendes Nutzungsrecht“ für den Psallierchor im ehemaligen Kloster Tegernsee. Der mit kostbaren Fresken und Stuck verzierte Raum diente bis dahin als Bibliothek und sollte zum Raum für besondere Veranstaltungen werden. Stattdessen machte er als Teil der Sponsoring-Affäre Schlagzeilen, die die Kreissparkasse und den ganzen Landkreis heftig erschütterten.

Veranstaltungen sind nicht möglich, weil ein zweiter Fluchtweg fehlt

Immer wieder hat die Kreissparkasse, jetzt unter der Führung von Martin Mihalovits, in den vergangenen zehn Jahren versucht, den Psallierchor an die Kirche zu verkaufen. Historisch ist der 150 Quadratmeter große Raum ein Kleinod. 1429 erbaut, gehörte er einst zur Klosterkirche St. Quirinus. Hier, im hinter dem Altar gelegenen Raum, sangen Benediktinermönche ihre Psalmen. 1825 ließ Bayerns erster König Max I. Joseph den Chor mit einer Bretterwand abtrennen. Das Ambiente mit den hohen Fenstern ist ein ganz besonderes. Aber Veranstaltungen dürfen dort nicht stattfinden, weil ein zweiter Fluchtweg fehlt. Es gibt nur einen Zugang durchs Gymnasium. Eine Versorgung mit Strom und Wasser besteht nicht.

Kreissparkassen-Chef: „Wir wollen eine sinnvolle Nutzung hinbekommen“

Die Verhandlungen zwischen Ordinariat und Kreissparkasse drehten sich jahrelang im Kreis. Längst ist klar: Die Kirche wird der Kreissparkasse für den Psallierchor niemals auch nur annähernd 1,5 Millionen Euro zahlen. Zumal es nur ums Nutzungsrecht geht, nicht um das Eigentum am Gebäude. Das Dach etwa gehört der herzoglichen Familie. Kreissparkassen-Chef Mihalovits ist jetzt auch nur noch eines wichtig: „Wir wollen eine sinnvolle Nutzung hinbekommen.“ Was die Kirche zahle, sei dabei zweitrangig. In jüngster Zeit sei man in dieser Sache „ein paar Schrittchen“ vorangekommen. Als Nutzer kommt für Mihalovits nur die Kirche in Frage. Obwohl er schon Anfragen von Interessenten „mit den verrücktesten Ideen“ hatte. „Aber das ist außerhalb des Vorstellbaren.“

Pfarrer Waldschütz wünscht sich eine Nutzung als Schulpastoral

Sehr konkrete Ideen hat Pfarrer Walter Waldschütz für die Nutzung des Psallierchors entwickelt. Er will ihn als Schulpastoral des Gymnasiums nutzen. An einigen Tagen im Jahr könnten dort auch Führungen oder besondere Veranstaltungen für die Öffentlichkeit stattfinden.

Lesen Sie hier: Wo sind die Bücher aus dem Tegernseer Kloster?

Dass diese Gedanken wieder Auftrieb haben, ist Christian Boiger zu verdanken, beim Landratsamt zuständig für die Denkmalpflege. Er betrachte es als seine Aufgabe, Prozesse nicht nur zu beobachten, sondern auch anzustoßen, meint der Architekt.

Denkmalpfleger sucht aktiv nach einer Lösung

Um den Psallierchor, diesen Teil des historisch so einzigartigen Klostergebäudes, aus dem Dornröschenschlaf zu wecken, suchte er nach einer Lösung, um endlich den geforderten Fluchtweg zu schaffen. Er fand sie in der oberen gotischen Sakristei der Kirche St.Quirinus. Nur eine Bretterwand trennt sie vom Psallierchor. „Ich möchte zulassen, dass in diese Bretterwand eine Öffnung kommt“, erklärt Boiger. Inzwischen ist ein Architekt beauftragt, ein Vorentwurf liegt vor. Durch die Öffnung in der Wand wird vom Psallierchor ein Zugang zu einem Treppenhaus geschaffen, der zum Innenhof des Schlosses führt.

Wann dieser Plan umgesetzt werden kann, ist noch offen. „Aber wir haben doch wenigstens Hoffnung“, meint Boiger, der bestrebt ist, den gordischen Knoten nach und nach zu lösen. Auch Monsignore Waldschütz sieht sich dem Ziel deutlich näher.

Die Verhandlungen zwischen Kreissparkasse und Kirche dauern schon Jahre an

Allerdings dürfte auch die nächste Verhandlungsrunde nicht einfach sein. Wenn der bauliche Plan steht, will Waldschütz die Umsetzung seines Nutzungskonzepts beim Ordinariat beantragen. Und da wird es erneut ums Geld gehen. Die Schaffung des Fluchtwegs will finanziert werden, der Psallierchor braucht zudem Heizung und Stromversorgung. Und er muss auf Dauer unterhalten werden. Waldschütz hofft, dass die Einigung glückt: „Das wäre wirklich eine schöne Sache.“

jm

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