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Der Bildausschnitt zeigt die Bücher im Psallierchor in Tegernsee.

Immer noch kein Käufer für Räume

Psallierchor: Wertvolle Bücher waren nicht mehr drin

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Tegernsee - Für 150.000 Euro hat die Kreissparkasse dem Herzog die Bücher im Tegernseer Psallierchor abgekauft. Der Wiederverkauf erzielte jetzt nur 80.000 Euro. Eine Spurensuche.

Für die Kreissparkasse geht es um Schadensbegrenzung. Sie muss wieder zu Geld machen, was Ex-Kreissparkassenchef Georg Bromme 2010 von Herzog Max in Bayern erworben hat: das immerwährende Nutzungsrecht für den ehemaligen Psallierchor der Tegernseer Pfarrkirche (1,5 Millionen Euro) und die dort untergebrachten Bücher des Herzogs (150.000 Euro).

Wie berichtet, hat die Regierung von Oberbayern den Kauf beanstandet, der ein Präsent für den Landkreis anlässlich des 175-jährigen Bestehens der Kreissparkasse sein sollte. Um die Bücher möglichst gut zu verkaufen, ließ die Kreissparkasse den gesamten Bestand zum Berliner Auktionshaus Hauff&Auvermann bringen. 64 Werke haben einen Bezug zum Tegernseer Kloster und gingen - ohne Versteigerung - zurück in die Heimat. Thomas Strüngmann hat sie für eine vierstellige Summe erworben und dem Altertumsgauverein fürs Museum geschenkt.

Der Herzog hat Bücher entnommen und den Rest verkauft 

Auch alle anderen Bücher sind laut Kreissparkassen-Sprecher Peter Friedrich Sieben inzwischen verkauft. Insgesamt habe die Kreissparkasse für die Bücher 80.000 Euro erlöst. Bereits abgezogen ist dabei die Gebühr, die das Auktionshaus verlangt hat. Die Kreissparkasse ist mit dem erzielten Preis zufrieden. „Der Schätzwert für die Bücher lag weit unter dieser Summe“, sagt Sieben. Es habe sich als Vorteil erwiesen, das Auktionshaus einzuschalten.

Preise für historische Bücher festzulegen, sei naturgemäß sehr schwierig, verdeutlicht Kirchenhistoriker Roland Götz vom Altertumsgauverein. „Das hängt einfach davon ab, was jemand dafür bezahlen will.“ Aktuell bietet das Wiener Antiquariat Inlibris für 125.000 Euro ein Buch aus der herzoglichen Schlossbibliothek am Tegernsee an, eine historische Kostbarkeit in italienischer Sprache. Ein weiteres Werk des Autors Allessandro Sanquirico, ebenfalls aus der Schlossbibliothek, ist für 50.000 Euro zu haben. Die teuren Tafelwerke stehen allerdings schon lange zum Verkauf. Haben wollte sie bislang offenbar niemand.

Teile der Schlossbibliothek, das weiß auch die Kreissparkasse, hatte die herzogliche Familie schon vor dem Verkauf an die Bank aus den Regalen genommen und veräußert. Die Werke wurden nach den Erkenntnissen von Florian Sepp, Mitarbeiter der Bayerischen Staatsbibliothek, durch das Münchner Auktionshaus Zisska&Schauer veräußert. Sepp hat sich als Verfasser des Weblogs Geschichte Bayern in privater Mission intensiv mit der Schlossbibliothek befasst.

"Dass wertvolle Bücher versteigert wurden, wird verschwiegen"

Das Auktionshaus Zisska&Schauer hatte im Juli 2010 im Auftrag der herzoglichen Familie auch das Wertgutachten für den Verkauf der Restbibliothek an die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee erstellt. Darin wurde der Wert der Bücher mit den von Bromme bezahlten 150.000 Euro angegeben. In seinem wissenschaftlichen Blog schreibt Sepp: „Das Gutachten für die Kreissparkasse erweckt den Eindruck, dass die Bibliothek ungeschmälert verkauft würde. Dass parallel zu den Verkaufsverhandlungen besonders wertvolle Bücher versteigert wurden, wird verschwiegen.“

Unterzeichnet ist das Gutachten von Geschäftsführer Herbert Schauer, der 2013 verhaftet wurde. Er stand im Verdacht, an Bücherdiebstählen aus einer neapolitanischen Bibliothek beteiligt gewesen zu sein. Schauer wurde am 29. Mai 2014 in Neapel zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, ist aber seit Mitte Juli 2014 wieder in München. Aus dem Auktionshaus schied er aus. Es trägt nun den Namen Zisska&Lacher.

In Sachen Bücher hat die Kreissparkasse nun also 70.000 Euro draufgezahlt. Eine Kleinigkeit im Vergleich zu den 1,5 Millionen Euro, die der Psallierchor einbringen sollte. Schon seit 2012 versucht die Kreissparkasse, den Raum an die Kirche zu verkaufen. Dessen öffentliche Nutzung ist derzeit nicht möglich. Es fehlt der zweite Fluchtweg. Bislang ist es auch nicht gelungen, einen solchen zu schaffen: Das Landesamt für Denkmalpflege hatte Bedenken. Der Raum, der nach dem Abbau der Regale ziemlich trist aussieht, ist auch ohne Heizung und Stromanschluss. Die Kirche würde den Chorraum trotzdem gerne haben. Pfarrer Walter Waldschütz hat schon vor über einem Jahr ein Nutzungskonzept erstellt. Ihm dauert das Ganze viel zu lange. „Die Kirche denkt halt in Jahrhunderten“, seufzt Waldschütz. Vor allem liegen die Preisvorstellungen von Bank und Kirche zu weit auseinander. Zu den Verhandlungen gebe es nichts Neues zu berichten, sagt Kreissparkassen-Sprecher Sieben. „Aber wir sind dran.“ Im Ordinariat wartet man offenbar schon länger darauf, dass sich der Verhandlungspartner bewegt. So macht Bernhard Kellner, Pressesprecher der Erzdiözese, klar: „Gute Angebote sind willkommen.“

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