Fassade Mehrfamilienhäuser Quartier Tegernsee
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So sieht die Fassade eines der Mehrfamilienhäuser aus.

Debatte im Bauausschuss Tegernsee

Grünen-Stadtrat wettert über Quartier Tegernsee: „Erster Platz in Charts der Scheußlichkeiten“

  • Gerti Reichl
    VonGerti Reichl
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Das „Quartier Tegernsee“ nimmt weiter Form an. Stadtrat Marcus Staudacher (Grüne) übte nun Kritik an dem Mega-Projekt und löste eine Debatte über die Verhinderung von Bausünden aus.

Tegernsee – Entlang der Bahnhofstraße bekommt Tegernsee bereits zu sehen, wie die drei mehrstöckigen Wohnhäuser einmal aussehen werden, die sich auf dem 7680 Quadratmeter großen Areal um das künftige Hotel in ungewöhnlicher Bohnenform gruppieren. Statt hell wirkender Holzoptik, wie auf der ersten Visualisierung 2017 präsentiert, bestimmen dunkel wirkende, braune Balkone mit dicht aneinander gereihten Industrie-Brettern das Bild. „Das Projekt hat für mich den ersten Platz in den Charts der Scheußlichkeiten sicher“, machte Marcus Staudacher seinem Unmut Luft. Er frage sich, ob es sich bei den Balkonen um Holz oder Plastik handle. Vor allem bewege ihn, wie man so etwas in Zukunft verhindern könne. „Das ist wie beim Brenner-Park in Bad Wiessee, wo man sich im Nachhinein gefragt hat, wie man so etwas verbrechen konnte.“ Die Pläne, die die Investoren vorlegen, seien doch durchweg geschönt, kritisierte Staudacher. Angesichts weiterer Negativ-Beispiele „lernen wir offenbar nichts dazu.“

Diese Visualisierung zeigte der Investor 2017.

Quartier Tegernsee: Alle Investorenpläne vom Landratsamt abgesegnet

Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) stieg ausführlich in das Thema ein und rief die Chronik des Areals, das vom Landkreis nach dem Abbruch des Krankenhauses (2002) verkauft wurde, in Erinnerung: „Die Stadt hat sich in der Vergangenheit dazu entschieden, das Grundstück nicht zu kaufen, obwohl man wusste, dass der Neubau des benachbarten Feuerwehrhauses ansteht.“ Die Finanzlage der Stadt sei damals nicht so gut gewesen wie heute, und so habe man mit einem Bebauungsplan Baurecht geschaffen.

Baurecht, das dem heutigen Investor, der Salzburger Firma Planquadrat T2 GmbH, den Bau der drei Mehrfamilienhäuser mit 85 Eigentumswohnungen sowie eines Hotels mit fünf Vollgeschossen ermöglicht. Es wird künftig als Boutique-Hotel der Marriott Autograph Collection mit 121 Zimmern nach Vier-Sterne-Standard betrieben.

Kritik am Quartier-Tegernsee-Projekt: Bürgermeister weist Schuld zurück

Immerhin wurden 21 der 85 Wohnungen nach dem Tegernseer Modell zu günstigeren Konditionen verkauft. Dass Planquadrat die Fläche maximal ausschöpft und damit viel Baumasse auf engstem Raum entsteht, ist vom Landratsamt ebenso abgesegnet wie die Tatsache, dass Besitzer der innen liegenden Wohnungen künftig auf dunkle Schluchten und direkt in Hotelzimmer gegenüber schauen werden.

„Wie bei etlichen anderen Projekten wurde das Baurecht vor zehn, 15 Jahren geschaffen“, sagte Hagn. „Verhindern können wir das künftig nur, wenn wir sagen, wir lassen das nicht zu.“ Als Beispiele für große Projekte nannte er den Westerhof oder das Almdorf. In Tegernsee-Süd habe man hingegen mit dem A-ja-Hotel verhindert, „dass eine große Fläche unter Beton verschwindet.“ Er wolle nicht die Schuld auf andere schieben, sagte Hagn, aber die Fehler am Krankenhausareal seien vor seiner Zeit als Rathauschef passiert. Es gehöre zur Demokratie, jetzt dazu zu stehen.

Bauvorhaben in Tegernsee: Stadtrat soll in Klausur überlegen, wie die Zukunft aussieht

Rudolf Gritsch (CSU) gestand, dass ihn das Thema schon lange bewege. Er gab jedoch zu bedenken, dass die Stadt schadensersatzpflichtig werden könnte, wenn sie Baurecht, das ein Investor mit dem Kauf eines Grundstücks erwerbe, im Nachhinein über Bebauungspläne reduziere. Vize-Bürgermeister Michael Bourjau (FWG) machte einen Vorschlag: „Der Stadtrat sollte in einer Klausur darüber nachdenken, wie Tegernsee in 15 Jahren aussehen soll, welche Punkte schützenswert sind und ob diese mit einem Bebauungsplan belegt werden sollten.“

Quartier Tegernsee: „Balkone sind auch Fichtenholz, frisch lasiert“

Peter Hollerauer (FWG) bat um Geduld: „Wir brauchen es nicht schön reden, sollten die Häuser aber erst bewerten, wenn sie fertig sind.“

Laut Planquadrat-Chef Thomas Hofer ist das bei den Wohnhäusern im dritten und vierten Quartal 2021 der Fall, beim Hotel im Sommer 2022. Alle Wohnungen seien verkauft. Zu den Balkonen: „Es handelt sich um Fichtenholz, frisch lasiert aus dem Werk“, so Hofer. „Als natürliches Baumaterial verändert Holz noch den Farbton und gewinnt mit der Zeit an Lebendigkeit.“

Erst kürzlich hat der Tourismusbeirat eine Stellungnahme veröffentlicht. Lesen Sie hier: Tourismusbeirat: Leidenschaftlicher Appell für Modellregion Tegernseer Tal Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Tegernsee-Newsletter.

gr

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