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Er kennt sich aus mit Kunst-Auktionen: Walter Ginhart aus Tegernsee spricht über den Rekord-Da-Vinci.

„Überrascht mich gar nicht“

Tegernseer Experte zu Rekord-da-Vinci: Darum war mit diesem Preis zu rechnen

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Für 450 Millionen Dollar wurde bei Christie‘s in New York ein Gemälde von Leonardo da Vinci ersteigert. Walter Ginhart versteigert Kunst am Tegernsee - und erklärt, warum der Preis abzusehen war.

Tegernsee – Beim Auktionshaus Christie’s in New York wurde jetzt eine Rekordsumme für ein Kunstwerk erzielt: Ein Bieter ersteigerte das Gemälde „Salvator Mundi“ von Leonardo da Vinci für unglaubliche 450 Millionen Dollar (etwa 383,6 Millionen Euro). Einer, der sich in der Kunstszene auskennt und selbst regelmäßig als Auktionator auftritt, ist Walter Ginhart (59). Er betreibt seit 2010 unter anderem ein Kunst- und Auktionshaus am Steinmetzplatz in Tegernsee. Das einzige im Landkreis Miesbach. Dort lädt der gelernte Restaurator, der auch Kunstgeschichte studiert hat, regelmäßig zu Versteigerungen ein. Wir sprachen mit ihm über den Rekord-da-Vinci.

Ein Leonardo da Vinci, der für 450 Millionen Dollar den Besitzer wechselt. Ist das nicht auch in Ihren Augen als erfahrener Auktionator ein wenig verrückt, Herr Ginhart?

Walter Ginhart: So etwas kann mich nicht mehr überraschen. Wir sprechen hier von Weltkultur, Dingen, die unwiederbringlich sind. Wenn die außerhalb großer Museen auftauchen, gibt’s Leute, die das unbedingt kaufen möchten und den Preis aus der Portokasse bezahlen. Bei diesem Gemälde war durchaus mit einem solchen Preis zu rechnen, zumal es von den Experten als eindeutiger da Vinci betitelt war. Ich glaub’, da hat jemand seine Sammlung zur Krönung geführt.

Wer das war, wird wohl ein Geheimnis bleiben, oder?

Walter Ginhart: Da hält sich der Kunstmarkt für gewöhnlich sehr bedeckt. Aus guten Gründen: Meistens wollen die Sammler schon aus Angst vor einem Diebstahl nicht in Erscheinung treten.

Grundsätzlich gefragt: Was sind das für Menschen, die Kunstwerke zu einem solchen Preis ersteigern?

Walter Ginhart: Da gibt es die privaten Käufer wie jene Prinzessin aus den Emiraten, die für ein geplantes Museum in der Wüste Kunst auf der ganzen Welt für Milliarden-Beträge kauft. Manchmal sind es aber auch große Konzerne, die Kunstobjekte als Anlage erwerben und dann wieder verkaufen. Es ist keine Seltenheit, dass gute alte Meister innerhalb von zehn Jahren drei- bis viermal den Besitzer wechseln. In dieser Zeit erfahren die Werke in der Regel eine extreme Wertsteigerung.

Wie dürfen wir uns die Auktionen in Ihrem Geschäft in Tegernsee vorstellen? Was werden hier für Preise erzielt?

Walter Ginhart: Wir liegen bei den Gemälden alter Meister häufig zwischen 125.000 und 130.000 Euro. Wenn ein Einzelobjekt über 200.000 Euro erzielt, ist das schon etwas Besonderes. Bei unserer nächsten Versteigerung am 25. November könnten wir diese Schallmauer mal wieder durchbrechen.

Mit welchem Objekt?

Walter Ginhart: Da haben wir ein echtes Highlight im Programm: das Gemälde „Paradies“ von Roelant Savery. Das ist ein Sensationsfund, den ich in einem alten Haushalt in München gemacht habe. Sein Zustand ist hervorragend. Dieses Gemälde ist mit einem relativ niedrigen Startpreis angesetzt, sollte aber qualitätsbedingt deutlich nach oben schießen. Schauen wir mal, wie sich unser Top-Altmeister entwickelt.

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