Das kommt sie teuer zu stehen

Vor Gericht: Rentnerin betreibt rassistischen Telefonterror

Tegernsee – Es waren beleidigende, ja fast schon rassistische Worte, die eine 69-jährige Tegernseerin gegenüber einer deutsch-griechischen Familie aus München äußerte. Das kostet.

Als Einzelhandelskauffrau ein Leben in München zu führen sei wegen des geringen Einkommens nicht einfach. Dieser Auffassung ist eine 48-jährige Deutsch-Griechin, die in der Landeshauptstadt wohnt. Ihren Standpunkt vertrat sie auch, als sie zu diesem Thema zum Interview gebeten wurde. Mit Anfeindungen gerechnet hat sie schon, aber über soziale Netzwerke. Dass bei ihr Zuhause auf dem privaten Telefon angerufen und sie beleidigt wird, ging ihr aber zu weit – beziehungsweise ihrem Sohn. Der 22-Jährige erhielt im Juli des vergangenen Jahres einen Anruf einer heute 69-jährigen Tegernseerin. Weil die sich zu mehreren Beleidigungen hinreißen ließ, saß sie nun auf der Anklagebank des Miesbacher Amtsgerichts.

Der Sohn der Münchnerin erklärte das knapp über eine Minute dauernde Telefonat: „Sie sagte, wenn es uns in Deutschland nicht gefällt, sollen wir zurück nach Griechenland gehen. Zudem meinte sie, wir seien Schmarotzer.“ Der Student kannte weder die Tegernseerin, noch war ihm die anrufende Nummer bekannt. Er zögerte keinen Moment und rief aufgebracht seine zu dem Zeitpunkt im Urlaub befindliche Mutter an. „Ich wollte ihn beruhigen, aber dann sind wir doch zu der Meinung gekommen, dass es besser ist, wenn er zur Polizei geht“, berichtet die 48-Jährige vom Telefonat mit ihrem Sohn.

In den nächsten Tagen kamen aber noch drei bis vier weitere Anrufe der 69-Jährigen. Die landeten aber allesamt auf dem Anrufbeantworter der deutsch-griechischen Familie. Darauf waren seitens der Tegernseerin Sachen zu hören wie: Die Mutter habe genug Publicity gehabt. Wenn ihr das Geld nicht reiche, solle sie zur Monaco-Flüchtlingshilfe gehen. „Ich habe in dem Interview zwar gesagt, dass man jeden Cent zwei Mal umdrehen muss“, erzählte die 48-Jährige, „aber ich bin seit über 40 Jahren in Deutschland und so etwas muss ich mir nicht bieten lassen“. Ihr Sohn fügte hinzu, „dass ich sowas einfach nur rassistisch finde“. Die Rentnerin aus Tegernsee stritt die Beleidigungen übrigens ab, ein Telefonat mit dem 22-Jährigen geführt zu haben bestritt sie aber nicht.

Für die Staatsanwältin stand aber zweifellos fest, dass die Tegernseerin den jungen Mann und seine Mutter beleidgt hat. Rechtsanwalt Wolfgang Nieberler fragte daraufhin nach einer Einstellung des Verfahrens, „da es sich nur um eine private Beleidigung handeln würde“. Koch aber entgegnete, dass es noch viel schlimmer sei, in die Privatsphäre einer Familie einzudringen, um sie zu beleidigen, als über soziale Netzwerke in der Hinsicht aktiv zu werden.

Betrug bis Diebstahl: Die 69-Jährige vom Tegernsee hat noch mehr auf dem Kerbholz

„Ich sehe auch keinen Grund, warum der junge Mann die Frau anzeigen sollte, wenn sie ihn nicht beleidigt hätte“, meinte die Staatsanwältin. Sie plädierte auf eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 30 Euro für die Rentnerin, die schon einiges auf dem Kerbholz hat. Von 1983 bis 2007 sammelte sie neun Eintragungen in ihr Bundeszentralregister. Sie reichen von Betrug über Diebstahl bis zur Untreue.

Ihr Verteidiger sah die 69-Jährige völlig schuldlos und beantragte Freispruch für seine Mandantin. „Der Ausdruck Schmarotzer ergibt in dem Fall gar keinen Sinn und wäre ohnehin am unteren Ende der Beleidigungen“, sagte Nieberler. Amtsrichter Walter Leitner sprach die Tegernseerin dennoch der Beleidigung schuldig und verhängte exakt die von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafe. „Wir haben keinen Telefonmitschnitt“, so Leitner, „doch das Gericht ist von den Beleidigungen der Angeklagten gegenüber der Familie überzeugt“. Freilich gebe es Menschen, denen es noch schlechter ginge als der Münchnerin, doch aus Wut habe sich die Tegernseerin zu der Aktion hinreißen lassen.

Philip Hamm

Rubriklistenbild: © dpa

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