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Missglückte Dachgestaltung: Weil das bestehende Haus niedriger ist als gedacht, passt der First des Anbau nicht unter die Regenrinne

Tegernseer Bauausschuss lehnt Genehmigung ab

In der Rosenstraße: Muss Jakob Atzls Anbau wieder weg?

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Tegernsee - Dumm gelaufen: Der Anbau am Haus des Tegernseer Ex-Stadtrats Jakob Atzl nicht unters Dach des alten Hauses. Jetzt kann es sein, dass er das ganze Trumm wieder wegreißen muss.

Das Haus von Ex-Stadtrat Jakob Atzl bekommt einen Anbau. Der passt nicht unters Dach des alten Hauses. Die Konstruktion zu genehmigen, lehnte der Bauausschuss ab – auch, um sich nicht dem Vorwurf der Spezlwirtschaft auszusetzen. Ob Atzl einen Teil abreißen muss, entscheidet das Landratsamt. 

Ein alter Plan sei fehlerhaft gewesen, erklärte Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) im Bauausschuss des Stadtrats. Demnach wäre das traditionsreiche Wohn- und Geschäftshaus der Familie Atzl in der Tegernseer Rosenstraße einen halben Meter höher als es tatsächlich ist. An diesem Plan aber orientierte sich die Skizze für den Anbau von zwei Ferienappartements. Mit der Folge, dass die Höhenverhältnisse nicht mehr stimmen. Das Dach des Anbaus schneidet das vorhandene Dach an. „Das ist ortsunüblich“, meinte Hagn. Und fiel auch der Bauaufsicht des Miesbacher Landratsamtes auf. Die Behörde stoppte die Bauarbeiten bereits am 30. August. 

Wie Landratsamts-Sprecher Birger Nemitz erklärt, hätte das Dach des Anbaus unter der Regenrinne des bestehenden Hauses anschließen sollen. Nun aber schneide der First rund 20 Zentimeter in das Altgebäude. Möglich ist jetzt zweierlei: Die ungewöhnliche Dachformation wird nachträglich als veränderte Planung abgesegnet – oder Atzl muss den Bau so ändern, dass er den Vorgaben entspricht. Dann müssten Dach und Dachstuhl weg, die Mauern neu angepasst werden. „Es ist schon die Frage, ob das verhältnismäßig ist“, meinte Hagn. 

Dass der ehemalige CSU-Stadtrat Atzl das Dach-Desaster absichtlich verursacht hat, glaubt Hagn nicht. „Das war ein Versehen.“ Eines, das Atzl viel Geld kosten könnte. „Es gibt leider keinen Bauleiter, auf den er es schieben könnte“, ließ Hagn wissen. Der Antrag brachte den Ausschuss ziemlich in die Zwickmühle. Die monierte Bauweise sei ungewöhnlich, aber kaum sichtbar, meinte Peter Hollerauer (FWG). Hagn widersprach nicht. „Aber ich kann nicht zustimmen. Ich nicht“, machte der Bürgermeister deutlich. Weil er auch CSU-Ortsvorsitzender sei und Atzl Mitglied des CSU-Ortsvorstands. Damit gelte er zwar formal nicht als persönlich befangen. Aber dem Vorwurf, man helfe sich halt untereinander, will sich Hagn nicht aussetzen. 

Aber muss Geschäftsmann Atzl, der in Ferienappartements investiert, den kleinen Anbau wegen des Dach-Malheurs wirklich kappen? Dem Ausschuss fiel die Entscheidung nicht leicht. Florian Widmann (CSU) gab schließlich den Kurs vor. Ausschlaggebend sei doch, ob die Stadt den Anbau in seiner jetzigen Form jemals genehmigt hätte, machte Widmann deutlich. Aber das hätte sie nicht. Darum lehnte der Ausschuss die der Realität angepasste Planskizze ab. Was Atzl dazu sagt, war nicht herauszufinden: Der Juwelier war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Entscheidung liegt jetzt beim Miesbacher Landratsamt als Genehmigungsbehörde. Sie hat das letzte Wort und könnte Atzl mit einer nachträglichen Genehmigung den Rückbau ersparen. 

Wie die Behörde entscheiden wird, ist noch offen. Die Unterlagen der Stadt Tegernsee aus dem Bauausschuss lägen dem Landratsamt noch nicht vor, erklärt Behörden-Sprecher Nemitz. „Sobald dies der Fall ist, prüfen wir, ob die ablehnende Haltung der Stadt – das verweigerte Einvernehmen– rechtens war.“ Atzl kann also noch hoffen, dass das Amt Milde zeigt. 

Möglichkeiten, das Malheur zu verhindern, hätte es Nemitz zufolge aber schon gegeben. Zur Lösung des Problems, so der Sprecher, hätten der Bauherr beziehungsweise die beauftragten Firmen die Mauern niedriger errichten oder auch die Dachneigung geringfügig verringern können. Der Kniestock habe immerhin eine Höhe von 2,50 Metern.

jm

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