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Tiefgarage unterm Kurgarten: „Rückwärtsgewandte Politik“

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Von: Gerti Reichl

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Im oberen Bereich des Kurgartens müsste die Baugrube für die Erweiterung der Tiefgarage ausgehoben werden. Die vorhandenen Linden müssten dafür gefällt werden.
Im oberen Bereich des Kurgartens müsste die Baugrube für die Erweiterung der Tiefgarage ausgehoben werden. Die vorhandenen Linden müssten dafür gefällt werden. © Thomas Plettenberg

Die Fraktionen der Grünen und der SPD im Tegernseer Stadtrat haben eine umfangreiche Anfrage zur geplanten Tiefgaragen-Erweiterung im Kurgarten gestellt. Sie stellen das Vorhaben in Frage.

Tegernsee - Die Erweiterung der Tiefgarage im Kurgarten wäre für Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) ein „erster Dominostein“, um das von Autos geprägte Bild von Tegernsee zu verändern. Seit dem Beschluss des Stadtrats vom Juni 2018, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, wird das Projekt lediglich hinter den Kulissen vorangetrieben. Weitere Entscheidungen hat der Stadtrat in neuer Zusammensetzung seither nicht getroffen.

Dies nahmen die Fraktionen der Grünen und der SPD jetzt zum Anlass, eine umfangreiche Anfrage zum Sachstand der Tiefgaragen-Planung im Kurgarten zu stellen. Sie umfasste alle wesentlichen Punkte – von Anzahl der Stellplätze, über Kosten, Auswirkungen auf das Grundwasser, Situation des Zentralparkplatzes und Zeitplan, bis hin zu den Plänen der Stadt für den Horn-Parkplatz. Auch die erneute Anfrage, was mit den Linden im Kurpark passiert, wurde gestellt.

Tiefgarage für Tegernsee: Ersatz für Zentralparkplatz

Hagn gab ausführlich Antwort und verwies zunächst auf das, was der Stadtrat im Juni 2018 beschlossen hatte: Nämlich eine Machbarkeitsstudie für eine Variante mit 158 Stellplätzen. Gebaut werden soll im gesamten oberen Bereich des Kurgartens zwischen Gulbransson-Museum, Spielplatz und Medius. Die Kostenschätzung, so Hagn, habe zuletzt bei 6,3 Millionen Euro gelegen. Inzwischen gebe es auch eine Baugrunduntersuchung, die auf Anfrage auch eingesehen werden könne. 120 Parkplätze, so der Bürgermeister weiter, werden wegfallen, wenn der Zentralparkplatz voraussichtlich ab 2025 nicht mehr zur Verfügung steht. Laut Hagn würden Verhandlungen mit der Neusen GmbH & Co.KG als Verpächterin laufen, „doch es wird maximal eine Jahresverlängerung geben“, antwortet Hagn auf die Nachfrage von CSU-Stadtrat Rudolf Gritsch.

Die Tiefgarage soll zum einen den Zentralparkplatz ersetzen, und zum anderen die Dauerparker vom Horn-Parkplatz unterbringen. Nur für Geschäftskunden oder Besucher von Gastrobetrieben, also Kurzparker, sollen oberirdische Parkplätze zur Verfügung stehen. Was den Horn-Parkplatz betrifft, so verwies Hagn auf einen Stadtratsbeschluss von 2012. Damals hatte man der Erweiterung der Tiefgarage im Kurgarten Vorrang gegenüber einem Parkhaus in der Lücke an der Hauptstraße eingeräumt. Aktuell, so Hagn, seien dort 23 Plätze vermietet. Ob künftig trotzdem dort etwa eine Park-Palette gebaut wird, sei noch völlig offen, so Hagn.

Er berichtete auch, dass die Tiefgarage bereits der Stadt gehöre, das Recht zur Nutzung aber bei der Kreissparkasse liege, die die Tiefgarage einst auch errichtet hatte. 95 Stellplätze stehen dort aktuell zur Verfügung, doch etwa nur 20 für die Öffentlichkeit. Verhandlungen zu verschiedenen Themen seien am Laufen, so Hagn.

Tiefgaragen-Erweiterung in Tegernsee: Sorge um alte Linden

Dass mehrere große Linden für den Bau der Tiefgarage weichen müssen, hatte Grünen-Rat Marcus Staudacher schon einmal im Stadtrat moniert. Bauamtsleiterin Bettina Koch wusste dazu, dass das Fällen unumgänglich sei, um die Baugrube überhaupt möglich zu machen. Auch hätten Naturschutz-Fachleute die Bäume begutachtet. „Sie waren vom Zustand nicht begeistert“, berichtete Koch. Hagn fügte hinzu, dass man bei der Planung der Baugrube davon ausgehen müsse, dass Wurzeln von Bäumen beschädigt werden und daher der Versuch, sie zu erhalten, wenig Sinn mache. Es solle nicht nur eine Neupflanzung geben, „der ganze obere Kurgartenbereich soll neu überplant werden, bis hin zur Rosenstraße.“

Grünen-Rat Marcus Staudacher geht es darum, die Debatte um die Tiefgaragen-Erweiterung wieder anzufachen. „Wir glauben nämlich nicht, dass man die Verkehrsproblematik lösen kann, indem man mehr Parkplätze schafft. Das ist rückwärtsgewandte Politik“, sagt er im Nachgang zur Sitzung. Der richtige Weg wäre, den Autoverkehr zu reduzieren. „Stattdessen wollen wir extra breite Stellplätze bereitstellen, um die Akzeptanz zu erhöhen und SUVs zu fördern?“

Überdies macht Staudacher eine Rechnung auf: „Wenn wir 120 Plätze kompensieren müssen und 158 neue bauen, entstehen eigentlich nur 38 neue Plätze.“ Ein Parkhaus am Hornparkplatz, für das es eine Planung mit 117 Plätzen gebe, wäre vermutlich billiger als eine Tiefgarage und würde nicht in die Hydro-Geologie eingreifen. Vor allem aber könnten die 19, zum Teil sehr alten Linden erhalten werden. Um deren Zustand besser beurteilen zu können, habe man mit der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal inzwischen eine Expertin des Bund Naturschutz beauftragt. Eine Stellungnahme, so der Grünen-Rat, stehe noch aus.

Unterdessen wollen die Antragsteller Fakten und Argumente sammeln, um im Stadtrat „Verbündete“ zu finden – gegen eine Tiefgaragenerweiterung.

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gr

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