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Nach der Insolvenz

Schlossbrennerei Tegernsee: neuer Pächter, alter Wirt

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Tegernsee - Die Tegernseer Schlossbrennerei hat einen neuen Pächter: den Schwiegervater von Wirt Guido Stocker. Stocker und sein gesamtes Team machen mit viel Elan weiter.   

Finanziell gab’s eine Schieflage, die Tegernseer Schlossbrennerei musste Insolvenz anmelden. Aber Wirt Guido Stocker (47) macht mit Leidenschaft und Einsatz weiter. Den Rücken stärken ihm sein Team, die Gäste – und die Familie. Sein Schwiegervater Karl Klaus Nötzberger hat den Betrieb als neuer Pächter übernommen.

 Es sind gute Tage für Guido Stocker und sein 18-köpfiges Team. Bei Sonnenschein ist der Wirtsgarten in Traumlage direkt am See gut besetzt, das Geschäft floriert. Und die Zukunft ist gesichert: Karl Klaus Nötzberger hat den Betrieb als neuer Pächter des Herzoglichen Brauhauses Tegernsee übernommen. Führen wird ihn weiterhin sein Schwiegersohn Stocker. Wie berichtet, war das Gasthaus nach schwierigen Zeiten in die Insolvenz geschlittert. Das Amtsgericht Wolfrathausen setzte am 1. Juni Rechtsanwältin Anke Keller als Insolvenzverwalterin ein. Damalige Pächterin war Stockers Ehefrau Julia. Inzwischen hat ihr Vater Karl Klaus Nötzberger für seine Gesellschaft cook&smile einen neuen Pachtvertrag mit dem Herzoglichen Brauhaus unterzeichnet. 

„Es gab lange Verhandlungen“, berichtet Keller. Sie freue sich über deren guten Abschluss und wünsche den Wirtsleuten viel Glück. Die Verantwortung für den Betrieb ist Keller damit wieder los. Das Insolvenzverfahren selbst führt die Rechtsanwältin zu Ende. Wirt Stocker kann aufatmen – und legt sich weiterhin ins Zeug. Stehvermögen hat er auch in schwierigen Zeiten bewiesen. Als die Insolvenzverwalterin übernahm, riet ihm ein Rechtsanwalt, er möge sich doch einfach in die Sonne legen und gar nichts mehr tun. „Aber einfach so abhauen, das wäre für mich nie in Frage gekommen“, sagt Stocker. So bekamen die Gäste die finanzielle Schieflage nie zu spüren. Die Schlossbrennerei blieb durchgehend geöffnet, der Wirt mit ungebrochenem Einsatz an Bord. Ganz besonders freut sich Stocker über die Treue der einheimischen Gäste: „Die sind auch in wackligen Zeiten gekommen und waren wirklich sehr nett.“ 

Das habe ihn motiviert, nicht hinzuwerfen. Ebenso wie seine Mannschaft, die sehr engagiert arbeite. Vom Objekt ist auch der Österreicher Nötzberger überzeugt: „Einen schöneren Platz kann es doch gar nicht geben.“ Nötzberger ist kein Gastronom, sondern Architekt. Der Betrieb trägt dennoch seine Handschrift. Denn am aufwendigen Umbau des früheren Schlosskellers in die jetzige Schlossbrennerei hat Nötzberger stark mitgewirkt. 

Finanziert wurde der Umbau vom Herzoglichen Brauhaus. Ein Jahr lang führte Stocker da schon als Wirt die Regie. Im Jahr 2012 war der gelernte Koch und Kellner von Erding an den Tegernsee gekommen. Aufmerksam geworden war er, „weil das Tegernseer Bier so gut schmeckt“, sagt Stocker. Als Christian Wagner, Geschäftsführer des Brauhauses, ihm an einem sonnigen Tag das geschichtsträchtige Gasthaus direkt am See zeigte, verliebte er sich sofort. Und Stocker machte auch guten Umsatz. Die alten Räume des Schlosskellers erwiesen sich aber als Hemmschuh. „Wenn man bei der Vorbesprechung für eine Hochzeit die Leute von der Terrasse in die Wirtsstube geführt hat, fiel denen von Stufe zu Stufe das Gesicht runter“, berichtet Stocker. 

Er überzeugte das Brauhaus davon, in einen kompletten Umbau zu investieren. Jetzt punktet das Gasthaus mit einem edlen Ambiente. „Und wir haben jetzt auch viele Hochzeitsfeiern“, sagt Stocker. Aber der Anfang war hart. Gleich nach der Wiedereröffnung verdarb ihm das Juni-Hochwasser 2013 das Geschäft. Es lief zwar nur wenig Wasser in die gerade renovierten Wirtsstuben, aber die Gäste blieben aus. „Da hatten wir schnell ein Delta von 50 000 Euro“, sagt Stocker. 

Er habe auch Fehler gemacht, räumt er ein Jetzt setzt der Wirt seine Energie in die Zukunft. Die bayerische Küche will er hochhalten, zum Beispiel mit Enten-Wochen. Die Freude daran liegt in der Familie: Auch Stockers Mutter war eine leidenschaftliche Wirtin. Und er überlegt sich immer wieder Aktionen, um Gäste bei der Stange zu halten. Irgendwie, sinniert sein Schwiegervater, seien die Berufe Architekt und Wirt doch verwandt: „Man muss den Geschmack treffen. Das ist mühsam.“

Rubriklistenbild: © tp

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