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Ihre Villa, das "Mutterhaus", hat Hedwig Courths-Mahler der Stadt Tegernsee vermacht. Sie vermietet die dortigen Wohnungen günstig an Familien.

Hedwig Courths-Mahler und ihr Vermächtnis

Hier lebte die Königin der Liebesromane

Tegernsee - Hedwig Courths-Mahler galt als Königin der Liebesromane. Ihre letzten Jahre verbrachte sie in Tegernsee, wo sie auch begraben liegt. Sie hinterließ nicht nur ein ideelles Vermächtnis.

Von 1935 bis zu ihrem Tod 1950 lebte die erfolgreiche Autorin Hedwig Courths-Mahler in Tegernsee. Die Stadt hat beschlossen, die Erhaltungskosten für das Grab vom Verlag Bastei zu übernehmen, der noch immer ihre berühmten Liebesromane verlegt.

Ein Ehrengrab kostet die Stadt mehr als 300 Euro pro Jahr. Doch das ist es den Stadträten wert. Denn Courths-Mahler war nicht irgendwer. Die Stadt ist stolz auf ihr Erbe. Doch nicht nur ihr ideelles Vermächtnis hat bei der Entscheidung des Gremiums eine Rolle gespielt: Das Courths-Mahler-Haus, den Hof der Familie in der Schwaighofstraße 47, hat die Schriftstellerin der Stadt vermacht. Heute beherbergt das Haus Wohnungen, die die Stadt günstig an Familien vermietet. Ob ihnen wohl bekannt ist, wem sie ihre Bleibe zu verdanken haben?

Mit 17 hat Hedwig Courths-Mahler ihre ersten Liebesgeschichten verfasst. Sie wurde eine überaus erfolgreiche Autorin.

1935 zieht Courths-Mahler mit ihrer Familie an den Tegernsee. Das Haus wird von Tochter Margarethe „Mutterhof“ genannt. Allerdings beginnt in dieser idyllischen Umgebung eine schwere Zeit: Courths-Mahler weigert sich, ihre Romane der nationalsozialistischen Ideologie anzupassen, und so verhindern die Nazis Neuauflagen. Verlage kündigen Verträge. Ein Jahr nach ihrem Einzug in den „Mutterhof“ stirbt der Mann der Autorin an Krebs. Beide Schwiegersöhne bringen sich um. Der eine, weil er Jude war, der andere hatte ebenfalls Krebs. In den „Mutterhof“ ziehen Nazifamilien ein. Courths-Mahler bleiben zwei kleine Zimmer.

Schon zuvor erlebte die Schriftstellerin harte Zeiten. Als uneheliches Kind in der Nähe von Leipzig geboren, wird die junge Hedwig bald in Pflegefamilien gesteckt. Die Schule besucht die spätere Schriftstellerin nur sehr sporadisch und insgesamt nur drei Jahre. Mit 14 beginnt Hedwig zu jobben, als Krankenpflegerin und als Verkäuferin in einem Hutladen. Erst drei Jahre später versucht sie sich erstmals an Kurzgeschichten mit sentimentalem Ausgang – die prompt gedruckt wurden. Ihr erstes Gehalt: 42 Pfennige.

1889 heiratet sie den Maler Fritz Courths. Dieser ist zwar ein liebevoller Ehemann, aber meistens pleite. Hedwig muss den Haushalt samt ihrer zwei Töchter zusammenhalten. Nach Kriegsende bessert sich die Lage: Der „Mutterhof“ ist wieder frei und die Romane der Schriftstellerin werden neu aufgelegt. Fünf Jahre lebt sie noch am Tegernsee. Den „Mutterhof“ vermacht sie der Stadt. Und wird schließlich in ihrer neuen Heimat begraben. Im selben Grab fanden schließlich auch Ehemann und Künstler Fritz Courths sowie Tochter Margarethe ihre letzte Ruhe.

Ludwig Graf von Brühl

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