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Pilger am Start: (v.l.) Lara Hilger, Stefanie Quaderer, Lehrerin Ulrike Weizbauer, Johanna Matschi, Lukas Beck, Franziska Krax, Lena Scheuchl, Sophie Walz, Anna-Luisa Pfluger, Sophia Stache und Lehrerin Claudia Maier. Nicht auf dem Foto sind Dominik Werner und Franziska Hagn, die das Foto gemacht hat.

250 Kilometer in zehn Tagen - "Ihr werdet mich weinen sehen"

Tegernseer Gymnasiasten wandern den Jakobsweg

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Tegernsee – Sie wollen ganz allein eine Tour quer durch Portugal und Spanien auf die Beine stellen - einen Selbsterfahrungstrip à la Hape Kerkeling. Nur das nötige Kleingeld fehlt dem Pilgerteam noch.

Den ersten Übungsmarsch haben sie schon hinter sich. Vom Gymnasium aus einmal um den See – 21 Kilometer mit vollgepackten Rucksäcken. In Rottach war die Laune gut, auch noch in Wiessee. „In Gmund haben uns alle die Füße wehgetan. In Tegernsee waren wir heilfroh, endlich heimzukommen“, erzählt Lena Scheuchl. Die 16-Jährige aus Rottach-Egern kümmert sich um das Sponsoring für die Tour. 

Heterogene Gruppe, eine Leidenschaft

Elf Schüler – neun Mädels, zwei Burschen – haben sich für das Abenteuer gemeldet. Von 11. bis 21. Mai wollen sie von Porto in Portugal 250 Kilometer bis zum spanischen Santiago de Compostela marschieren. Und zwar auf dem spätestens seit Hape Kerkeling berühmten Jakobsweg. Treffend heißt das Seminar auch: „Wir sind dann mal weg“. Die meisten Schüler kannten sich vorher nur vom Sehen, kommen alle aus verschiedenen Klassen. Aber eine Sache haben alle gemeinsam: „Wir lieben Reisen“, sagt Lena. 

Gewaltmarsch quer durch Portugal und Spanien: Was haben sich die Lehrer dabei gedacht?

Das ganze läuft als Projektseminar. Bei einem P-Seminar lernen angehende Abiturienten: Selbstständig planen, mit Geld umgehen, sich präsentieren und gemeinsam ein Projekt durchziehen. Kurz: P-Seminare sollen die verkopften Gymnasiasten auf die praktischen Aspekte des Lebens vorbereiten. 

Was könnte da besser passen als ein Gewaltmarsch quer durch Portugal und Spanien, haben sich wohl auch die beiden Seminarleiterinnen Ulrike Weizbauer (Religion) und Claudia Maier (Spanisch) gedacht. Von den Lehrerinnen stammen die Rahmenbedingungen. Der Rest liegt bei den Schülern. „Den Flug haben wir schon gebucht“, berichtet Lena. Die Gymnasiasten fliegen mit der Billigfluglinie von Memmingen aus nach Porto. Von da geht’s zu Fuß weiter. 250 Kilometer in zehn Tagen, also mindestens 25 Kilometer pro Tag. Ein straffes Programm. 

250 Kilomter - zehn Tage: "Motivation kann nur die Gruppe leisten"

„Die Tour um den See haben wir in vier Stunden geschafft. Auf dem Jakobsweg haben wir für jeden Abschnitt einen Tag Zeit.“ Wenn alles schiefläuft, erlauben sich die Pilgerer auch mal, den Bus zu nehmen. „Das ist gestattet. Auch wenn man nicht den ganzen Weg zu Fuß geht, ist der Pilgergedanke erfüllt.“ Und wenn mal jemand schlapp macht? Da muss die Gruppe ran, sagt Lena. Frei nach dem Motto: Jeder motiviert jeden – jeden Tag neu. Lena: „Nur zusammen können wir es schaffen, dass wir jeden Tag wieder aufstehen und weitergehen.“ 

Geteiltes Leid: "Jeder soll die gleiche Arbeit leisten"

Die Organisation teilen sich die Schüler. Die Idee: „Jeder soll den gleichen Anteil an Arbeit leisten.“ Franziska Krax kümmert sich zum Beispiel um die Busverbindungen. Und Lena Scheuchl ist eben für die Finanzen verantwortlich. Für einen kleinen Teil der Ausrüstung hat sie schon das Modelabel „Bergans“ an Land gezogen. Die schicken T-Shirts. Auch Sport Schlichtner aus Rottach hilft. 

Der Trip selbst ist noch nicht finanziert. Verbilligung erhoffen sich die Schüler von einem Pilgerpass, den die Kirchengemeinde Rohrdorf spendet. Inklusive Flug rechnen sie trotzdem mit 600 Euro pro Person und hoffen auf Unterstützer. 

Haben die Tegernseer Gymnasiasten nicht selbst genug Geld?

Aber, mal ehrlich, Tegernseer Gymnasiasten haben doch alle Geld, oder? Lena: „Das stimmt einfach nicht. Ich mag diesen Ruf nicht.“ Viele Schüler kommen nicht mal aus dem Tal. „Meine Familie hat sich auch nicht in Rottach eingekauft. Wir leben seit Generationen hier.“ Und erst wenn die Finanzierung steht, kann’s losgehen. 

Auch ein Bursche gibt zu: "Ihr werdet mich weinen sehen"

Vorher haben sich die Gymnasiasten mit einem Kinobesuch eingestimmt, der für ein gesundes Maß an Realismus sorgte: Die Kerkeling-Verfilmung von „Ich bin dann mal weg“. Nachdenkliche Gesichter verließen da den Saal. „Ich werde die erste sein, die heult“, sagt nicht nur eine. Einer der Burschen gibt zu: „Ihr werdet mich weinen sehen.“ Auch Lena ist sich sicher, „dass ich irgendwann austicke“.

Wer den Trip unterstützen möchte, 

spendet an: Gymnasium Tegernsee. Verwendungszweck: Spende P-Seminar Jakobsweg. IBAN: DE97711525700000038398. BIC: BYLADEM1MIB. Bank: Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee.

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