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Filter gegen Klimawandel: (v.l.) Veranstalter Peter Targatsch freut sich über die Öko-Unterstützung durch Maximilian Heiler von E.ON und Finn Möller von der Klimaschutz-Firma Arktik.

Wie soll das gehen?

Tegernseelauf 2014 wird klimaneutral

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Tegernsee - 5000 Läufer und eine Menge Aufwand. Der Tegernseelauf schleudert 300 Tonnen CO2 in die Atmosphäre. Diesmal soll es netto keine einzige sein - durch Wasserfilter in Kenia.

CO2-Ausstoß schadet dem Klima. Das ist bekannt. "Wir alle stoßen CO2 aus", sagt Finn Möller,  Geschäftsführer von Arktik. Das Hamburger Unternehmen spart für Firmen und Privatpersonen CO2 gegen Honorar. So auch für E.ON. Der Energieversorger sponsert den Tegernseelauf, in dem Rahmen stellte er bei einer Pressekonferenz am Donnerstag im Tegernseer Hotel Das Tegernsee ein besonderes Schmankerl vor: E.ON macht den Tegernseelauf CO2-neutral.

Ein ganz schöner Aufwand könnte man jetzt meinen. Soll man den Läufern das Autofahren verbieten und sie zwingen mit der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) zu kommen? Will E.ON alle per Elektromobil abholen, das nur mit Öko-Strom betankt wird? Oder schnallt man jedem Läufer Solarzellen auf den Buckel? Natürlich nicht.

Eine direkte Einsparung vor Ort sei kaum umsetzbar, sagt Maximilian Müller von E.ON. Ein bisschen versuchen das die Veranstalter und Sponsoren trotzdem. Das Begleitfahrzeug zum Lauf ist ein Elektroauto. "Wie schon letztes Jahr gibt es billigere Tickets für die BOB", freut sich Laufveranstalter Peter Targatsch. Das war's so ziemlich. Tropfen auf den heißen Stein.

Was diese Läufer an CO2 ausstoßen, wird in Kenia wieder eingespart.

Nein, an den 300 Tonnen - eine grobe Schätzung von E.ON und Arktik, in der übrigens nur die Läufer, nicht aber das Publikum mit einbezogen werden - wird wenig zur rütteln sein. Die haut so ein Megaevent eben raus. Aber die 300 Tonnen sollen kompensiert werden. Heißt: Jedes Gramm klimaschädliches Gas, das durch die Lauf-Veranstaltung in die Atmosphäre geschleudert wird, wird an anderer Stelle wieder eingespart - in diesem Fall in Kenia.

Und zwar durch Wasserfilter. Einen davon hat Klimaexperte Möller mitgebracht. Es ist ein Plastiktrichter mit einem Schlauch dran. In dem Schlauch ist ein Nanofilter. Laut Möller filtert dieser sämtliche gefährliche Stoffe aus dem Wasser, auch Bakterien, sogar Viren. Die Filter werden an Haushalte in Kenia verteilt. Die Kenianer müssen dann ihr Wasser nicht mehr über dem Holzfeuer abkochen - und so wird CO2 gespart. 18.000 Liter schafft so ein Ding. Dann muss der Filter gereinigt werden.

Was ein Filter kostet, kann Möller nicht sagen. Arktik rechnet in Tonnen CO2. Eine Tonne Einsparung durch dieses Projekt namens Lifestraw - auf Deutsch Lebensstrohhalm - koste etwa 20 Euro. Das bedeutet, E.ON gibt rund 6000 Euro aus, damit die Läufer am Tegernsee mit gutem Gewissen klimafreundlich sporteln können.

"Das Projekt hilft nicht nur dem Klimaschutz, sondern hat auch eine soziale Komponente", sagt Targatsch. Fast ein Entwicklungshilfeprojekt, sagt auch Möller. Es sei eines der hochwertigen Klimaschutz-Projekte, besonders effizient und nachhaltig. Lifestraw hat den hohen GoldStandard, der vom WWF mitentwickelt wurde.

Und abgesehen vom guten Gewissen, rettet der Tegernseelauf jetzt das globale Klima? Der Verbrauch als solcher sei nicht zu vermeiden, sagt Möller. "Wichtig ist, dass wir uns darüber Gedanken machen." Er selbst ist nicht mit dem Auto, sondern mit der Bahn von Hamburg an den See gekommen. Aber auch die stößt CO2 aus. "Wir wissen, dass der Mensch den Klimawandel verursacht und dass dieser nur negative Folgen hat und haben wird", sagt er. Das einzige, was der Mensch an diesem Punk noch entscheiden könne, ist, wie negativ, wie gravierend sich der Klimawandel letztendlich auswirkt.

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