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Die Schwaighofbucht verlandet. Ein natürlicher Prozess, den man nicht stören sollte, findet die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal. 

SGT tritt dem Bürgerbegehren entgegen

Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal will Schwaighofbucht der Natur überlassen

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Per Bürgerbegehren will der Verein „Rettet den Tegernsee“ die Entschlammung der Schwaighofbucht durchsetzen, damit sie als Badestrand taugt. Jetzt hält die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal dagegen. 

Update vom 21. Februar, 14.05 Uhr:

Die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) hat sich in Sachen Schwaighofbucht positioniert: Sie hat sich dafür ausgesprochen, auf eine Beseitigung des Schlamms zu verzichten und das Seeufer dort stattdessen der Natur zu überlassen. Der Verein musste sich daraufhin einige Anfeindungen gefallen lassen. Der Vorwurf: Die SGT habe von der Materie keine Ahnung, man spiele sich zu Unrecht als Experten auf.

Vorsitzende Angela Brogsitter-Finck sieht sich daher zu einer Klarstellung veranlasst: Die Schutzgemeinschaft habe sich mit ihrer Stellungnahme lediglich der Meinung von Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz angeschlossen, weil ihr deren Argumente zur Schwaighofbucht „am einleuchtendsten und praktikabelsten erschienen“, macht Brogsitter-Finck deutlich. „Wir selbst sind da nicht die großen Experten“, räumt die Vorsitzende ein.

Ursprünglicher Artikel vom 20. Februar:

Tegernsee Seit etlichen Jahren schon prangert der Verein „Rettet den Tegernsee“ mit Andreas Scherzer an der Spitze den Zustand der Schwaighofbucht an. Wie berichtet, hat der Verein Ende Januar ein Bürgerbegehren gestartet. Die Fragestellung lautet: „Sind Sie dafür, dass die Stadt Tegernsee alles rechtlich Zulässige unternimmt, damit die zum Teil lebensgefährliche Verschlammung der Schwaighofbucht zwischen dem Anwesen Schwaighofstraße 2 im Norden und der Mündung der Rottach in den Tegernsee beseitigt, und das Baden im See wieder möglich wird?“

Schutzgemeinschaft für Schilf-Ruhezone

Das mediale Echo war beträchtlich, was Scherzer freut. Für die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) war es der Anstoß, sich ebenfalls mit dem Thema zu befassen. Ihr Fazit ist jedoch ein völlig anderes: Die SGT tritt der Forderung, die verschlammte Bucht badetauglich zu machen, klar entgegen. „Dem extrem touristisch genutzten See würde eine kleine Schilf-Ruhezone sehr gut zu Gesicht stehen und auch von Vorteil für die dort lebenden Wasservögel sein“, meint der SGT-Vorstand im aktuellen Newsletter an Mitglieder und Freunde. An allen Alpenseen komme es seit Ende der Eiszeit durch Zuflüsse natürlicherweise zur Verlandung: „Den Schlamm zu entfernen, kommt einer Sisyphusarbeit gleich.“ Die hohen Kosten dafür seien dem Steuerzahler nicht zuzumuten. „Deshalb sollte man das Seeufer in der Schwaighofbucht der Natur überlassen“, fordert die SGT. Im Zeichen des fortschreitenden Klimawandels sei diese ökologische Lösung die vernünftigste und zweckmäßigste.

„Deutliche Abgrenzung“ als Sicherheitsmaßnahme

Als Sicherheitsmaßnahme solle eine deutliche Beschilderung signalisieren: Das feuchte Schlammufer darf wegen der Unfallgefahr nicht betreten werden. Gegebenenfalls müsse die Zone von Land her deutlich abgegrenzt werden. Zudem müsse die Stadt das Füttern von Wasservögeln nicht nur verbieten, sondern auch ahnden. „Bademöglichkeiten gibt es genügend am Tegernsee. Beruhigte, naturbelassene Zonen gibt es nur wenige“, macht die SGT deutlich.

Unterdessen sammelt der Verein „Rettet den Tegernsee“ fleißig Unterschriften für das Begehren. Wie viele schon beisammen sind, kann der Vorsitzende Scherzer noch nicht sagen. Zählen werde man erst nach Fasching. Er hat jedoch keinen Zweifel, dass die Zahl am Ende für einen Entscheid reichen wird. Ob der Verein das Begehren noch vor der Kommunalwahl oder erst danach einreichen wird, sei noch offen. „Es muss sich ja auf jeden Fall der neue Stadtrat damit befassen“, meint Scherzer. Mit dem Erfolg der Aktion ist er schon jetzt zufrieden.

Verein „Rettet den Tegernsee“ will Druck aufrecht erhalten

 Sie habe der Forderung nach Maßnahmen in der Schwaighofbucht Schwung verliehen. Der Verein wolle den Druck auf jeden Fall aufrecht erhalten. Dabei ziele man im Kern nicht auf die Stadt Tegernsee, sondern aufs Umweltministerium als zuständige Behörde. Das habe nun auch mitgeteilt, es würden Möglichkeiten geprüft, den Schlamm mit dem Einsatz von Bakterien zu reduzieren. Scherzer ist zudem überzeugt, dass ausgebaggerter Schlamm nicht unbedingt als Sondermüll teuer entsorgt werden muss. Er sei mit einer Firma in Kontakt, die den Berger See bei Gelsenkirchen ausgebaggert habe. 30 000 Kubikmeter Schlamm habe das Unternehmen aus dem See geholt: „Und die Bauern haben den Schlamm auf die Felder gefahren.“

Lesen Sie auch: Bürgerbegehren zur Schwaighofbucht: Rathaus-Chef wehrt sich gegen Vorwurf der Untätigkeit

Schwaighofbucht: Lässt sich der Schlamm einfach zersetzen?

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