1. Startseite
  2. Lokales
  3. Tegernsee
  4. Tegernsee

Schwaighof: Das hat der neue Chef vor

Erstellt:

Von: Christina Jachert-Maier

Kommentare

Der neue Leiter des Seniorenzentrums Der Schwaighof, Alexander Herrmann, strebt die Entwicklung neuer Geschäftsfelder an. Am Anfang steht eine Bedarfsanalyse.
Der neue Leiter des Seniorenzentrums Der Schwaighof, Alexander Herrmann, strebt die Entwicklung neuer Geschäftsfelder an. Am Anfang steht eine Bedarfsanalyse. © Thomas Plettenberg

Alexander Herrmann (50) war Hotelier, bevor er vor fast 20 Jahren seine Mission im Pflegebereich fand. Jetzt hat er die Leitung des Tegernseer Seniorenzentrums Der Schwaighof übernommen – und gibt den Anstoß für neue Zukunftskonzepte.

Tegernsee – Hotelier, das hat Alexander Herrmann von der Pike auf gelernt. Im Fünf-Sterne-Bereich, wo die Gäste anspruchsvoll sind und die Chefs noch mehr. Die Arbeit machte Freude, doch was wirklich zählt, wurde dem Regensburger klar, als seine Großeltern im Jahr 2000 pflegebedürftig wurden. „Es war schlimm, den Zerfall der Persönlichkeit zu erleben, ohne zu wissen, wie man damit umgeht“, erinnert sich Herrmann. Es war eine schwere Zeit für die Familie, die sich erstmals mit dem Thema Pflege und Heim beschäftigte, aber Herrmann führte sie zu einer Entscheidung: Er beschloss, beruflich in den Pflegebereich zu wechseln: „Das habe ich nie bereut.“

Seit dem Abschied von Jürgen Pohl im Juni leitet Herrmann das vom Landkreis Miesbach getragene Seniorenzentrum Der Schwaighof in Tegernsee. Es war ein sanfter Einstieg: Bereits im Mai 2021 holte der Landkreis Herrmann an Bord, damit er sein Aufgabengebiet an der Seite Pohls in Ruhe kennenlernen kann.

BWL-Studium neben dem Job

Erfahrungen bei der Führung von Pflege-Einrichtungen hatte Herrmann bis dahin reichlich sammeln können. Auch wenn der Berufswechsel in die Pflege vor zwei Jahrzehnten schwierig war. „Es gab viele Hürden, sogar Hinkelsteine zu überwinden“, erinnert sich Herrmann. Um sie zu meistern, absolvierte er neben seinem damaligen Job ein Studium der Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Pflegemanagement. Daneben leerte der Hotelier als Praktikant in Pflegeheimen Nachttöpfe. „Damals gab es noch nicht so viele technische Hilfsmittel wie heute, da hat man das händisch gemacht.“

2005 ergab sich endlich eine Möglichkeit, beruflich wirklich in den Pflegebereich einzusteigen. Danach war Herrmann bundesweit bei großen Trägern tätig, zuletzt in einer Reha-Klinik auf der Insel Borkum. Die Offerte, die Leitung des Tegernseer Schwaighofs zu übernehmen, war für ihn ein Glücksfall. Schon länger zog es Herrmann in seine Heimat Bayern zurück. Zudem, so Herrmann, habe das Tegernseer Seniorenheim einen sehr guten Ruf und zeichne sich durch eine hoch qualifizierte Pflege aus: „Das Team kümmert sich in einer Weise um die individuellen Bedürfnisse, wie ich es andernorts kaum erlebt habe.“

Personalknappheit auch am Schwaighof: nur knapp 100 von 129 Betten belegt

Der Schwaighof, vor 36 Jahren erbaut, bietet in 90 Zimmern 129 Plätze, von denen aber nur knapp 100 belegt sind. Das liegt nicht an der Nachfrage – es gibt eine Warteliste –, sondern an der Personalknappheit. „Wir pflegen und betreuen so viele Bewohner, wie wir es qualitativ verantworten und leisten können“, sagt Herrmann. Aktuell hat der Schwaighof 100 Mitarbeiter in allen Bereichen, neue Leute werden ständig gesucht. „Mindestens zehn könnten wir ad hoc einstellen“, erklärt der Heimleiter. Personal zu gewinnen und zu halten, gehöre zu den wichtigsten Aufgaben.

Nicht minder wichtig ist der Blick in die Zukunft. Aktuell ist der Schwaighof ein vollstationäres Heim ohne weitere Angebote. Herrmann ist daran gelegen, neue Geschäftsfelder zu entwickeln. Der erste Schritt ist eine Bedarfsanalyse: Was brauchen und wünschen sich die Menschen im Tegernseer Tal?

Andere Modelle als vollstationäre Pflege sind denkbar

Denkbar wäre vieles: Tagespflege, Betreutes Wohnen, ambulanter Dienst, Spezifizierungen des stationären Hauses. „Da gibt es keine Gedankensperren“, meint Herrmann. Die meisten Senioren wollten so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben, der Umzug ins Heim sei meist eine schwere Entscheidung.

Aber am Ende wird es nicht nur um Konzepte gehen, sondern auch um eventuelle Umbauten, die für ihre Umsetzung nötig sind. Sanierungsbedarf besteht vom Grundsatz her nicht, der bauliche Zustand des Hauses ist Herrmann zufolge „absolut solide“. Punkten kann der Schwaighof mit seiner Lage, von der Herrmann schwärmt: „Wir haben einen wunderbaren Grund, und die Infrastruktur ist einfach perfekt.“

Auch interessant

Kommentare