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Ein Schild warnt in der Schwaighofbucht in Tegernsee-Süd Badegäste und Spaziergänger vor den Ablagerungen.

Stadt will Proben untersuchen lassen

Wie gefährlich ist der Schlamm in der Schwaighofbucht?

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Tegernsee - Die Schwaighofbucht droht zu verlanden. Während Bürgerinitiativen fordern, dass der Schlamm verschwinden soll, verfolgt die Stadt eine eigen Marschroute.

Im Sommer vergangenen Jahres haben sich engagierte Bürger zur Interessengemeinschaft „Rettet die Schwaighofbucht“ zusammengetan. Seither ist einiges passiert: Die Mitglieder um Sprecherin Gertraud Eberwein haben 1200 Unterschriften gesammelt und im Tegernseer Rathaus abgeliefert, ein Ramadama organisiert und die Initiative „Rettet den Tegernsee“ als Mitstreiterin gewonnen. Das gemeinsame Ziel: die Bucht nahe der Rottach-Einmündung von Schlamm und Gestank zu befreien.

Kürzlich traf sich das Aktionsbündnis „Rettet den Tegernsee“ zur Jahreshauptversammlung. Die Haltung des Vereins ist klar: Eine Verlandung der Bucht komme als Option nicht in Frage, sie würde „mit jahrelangem Gestank und einer möglichen Mückenplage einhergehen“, sagte Vorsitzender Andreas Scherzer. Der Schlamm müsse weg.

Für Andreas Scherzer gibt es zur Entfernung des Schlamms keine Alternative.

Mittlerweile hat die Initiative auf eigene Faust einen Fachmann konsultiert: Dietrich Bartelt, laut Scherzer ein ausgewiesener und international anerkannter Experte für Sedimente. „Er hat den Dreck und Schlamm in der Schwaighofbucht begutachtet“, berichtet Scherzer. Das Ergebnis stütze die Haltung des Vereins: Die Ablagerungen seien nichts Natürliches und müssten – auch aufgrund einer neuen europäischen Rechtsprechung – beseitigt werden.

Ein entsprechendes Verfahren hatte der Fachmann mit eigener Firma auch gleich parat: Er würde den Schlamm über Rohre unter Wasser absaugen und mit einem Elektroschiff weit draußen im See versenken. „So dass der Schlamm den natürlichen Ablauf wieder erreichen kann“, schildert Scherzer. Für den Vorsitzenden eine gute Alternative zum Ausbaggern der Bucht und der aufwendigen und kostspieligen Entsorgung an Land.

Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) hat zwar schon vom neuesten Vorstoß des Aktionsbündnisses gehört, verfolgt aber eine eigene Marschroute. Wichtig ist ihm vor allem eines: Die Stadt werde sich nicht auf eine einzige Lösung – nämlich die Beseitigung des Schlamms – festnageln lassen.

„Zunächst muss untersucht werden, um welche Art Schlamm es sich überhaupt handelt“, macht der Rathaus-Chef deutlich. Als ersten Schritt werde die Stadt auf eigene Kosten entsprechende Proben entnehmen und untersuchen lassen. „Wir müssen wissen, ob der Schlamm sauerstoffzehrend und schadstoffbelastet ist oder nicht.“

Sollten die Ablagerungen harmlos sein, ist für Hagn eine natürliche Verlandung der Schwaighofbucht durchaus eine Option. „Die Gretchenfrage ist doch: Wer soll das bezahlen?“, gibt Hagn mit Blick auf die geforderte Beseitigung des Schlamms zu bedenken.

Wie die Tegernseer Zeitung berichtete, fühlen sich bislang weder das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim noch die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung so richtig zuständig für die Situation an der Schwaighofbucht. Deshalb hatte sich die Stadt sogar schon mit einem Hilferuf an den zuständigen Minister Markus Söder gewandt.

Mittlerweile hat die Stadt mit allen Fachbehörden gesprochen, darunter auch der Fischerei. Die endgültige Entscheidung, was mit der Schwaighofbucht passiert, wird nach Vorliegen aller Fachmeinungen und Gutachten wohl beim Stadtrat liegen. „Möglicherweise“, so Hagn, „könnte hier ja auch ein wertvolles Biotop entstehen.“

gab

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