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An der Schwaighofbucht ist Baden aktuell nicht zu empfehlen. Die Forderung, den Bereich zu entschlammen und badetauglich zu machen, hat ein langwieriges Verfahren in Gang gesetzt. 

Workshop-Termin in weiter Ferne 

Schwaighofbucht: Tun wird sich noch lange nichts

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Die Schwaighofbucht wieder zum Badestrand zu machen, ist schwieriger als gedacht. Noch vor den Sommerferien hätte Bürgermeister Hagn einen Behörden-Workshop ansetzen wollen. Doch daraus wird nichts.

TegernseeDie Unterschriftenliste ist fast drei Jahre alt. 1200 Bürger haben 2015 den Aufruf von Gertraud Eberwein und des Vereins Rettet den Tegernsee unterstützt, die verschlammte Schwaighofbucht zum Badeparadies zu machen. Der Wunsch schien nicht vermessen. Die Bucht gehöre ausgebaggert, das Ufer aufgehübscht, meinte Eberwein damals. In früheren Zeiten habe man dies regelmäßig gemacht.

Den 1200 Unterzeichnern der Aktion fühlt sich Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn durchaus verpflichtet. Wie berichtet, hat die Stadt mit Unterstützung des Vereins Rettet den Tegernsee und des Wasserwirtschaftsamtes ein erstes Gutachten erstellen lassen. Es soll die Basis für das weitere Vorgehen sein. Um eben dies zu besprechen, kündigte Hagn schon Anfang Februar im Stadtrat einen Workshop mit den beteiligten Behörden und Organisationen an. Er sollte vor den Sommerferien stattfinden. Der Zeitrahmen schien weit gesteckt und entpuppte sich dann doch als zu eng. „Wir haben noch nicht einmal alle Stellungnahmen zu dem Gutachten“, sagt Hagn.

Heißt: Die Vertreter der diversen Behörden müssen sich erst noch mit der Frage befassen, wie sie zu einer Entschlammung der Bucht stehen. Es ist eine Grundsatzfrage. „Das betrifft ja alle Seen“, meint Hagn. Schließlich verlanden nicht nur am Tegernsee Uferbereiche. Nachdem der Freistaat für seine Seen zuständig ist, muss eine bayernweite Regelung gefunden werden. „Wir betreten da Neuland“, erklärt Hagn. Wann der Workshop nun stattfinden kann, ist offen. Einen neuen Zeitrahmen setzt Bürgermeister Hagn nicht. Fallen lassen will er die Idee aber nicht. Er denke, dass sich die Behörden ernsthaft mit dem Vorhaben befassen, versichert Hagn. Aber das Gutachten zeigt: Die Bucht zu entschlammen, wäre ungeheuer aufwendig – und sehr teuer.

„Die Vorstellung, man baggert da einfach aus, ist naiv“, sagt Hagn. Möglich scheint es, den Schlamm abzusaugen. Einmal auf dem Trockenen, ist der Schlamm allerdings Abfall. Er muss abtropfen und teuer entsorgt werden. An der Bucht müsste ein Absetzbecken gebaut werden, das angesichts der Schlamm-Menge jahrelang stehen bleibt. „Die Schwaighofbucht müssten wir so lange sperren“, erklärt Hagn. Für den Abtransport müssten Schwerlaster bis zur Bucht fahren. Ob das Abtropfwasser wieder in den See laufen darf, ist fraglich. Zudem ist zu klären, was beim Absaugen des Wassers mit dem See passiert. Es gilt das Verschlechterungsverbot: Nichts darf sich zum Negativen verändern. „Im Moment existiert kein umfassendes limnologisches Gutachten für den Tegernsee“, erklärt Hagn. Über die Strömungsverhältnisse wisse man wenig. Der Fischereifachberater habe bereits seine Ablehnung bekundet. Auch der Landesbund für Vogelschutz und der Bund Naturschutz müssten einbezogen werden. Vermutlich ist ein Planfeststellungsverfahren nötig, und zwar sowohl für die Bauarbeiten an Land als auch für den Eingriff in den See.

Im Rathaus füllt das Thema inzwischen zwei Leitz-Ordner. Hagn ist es wichtig, das Thema „sauber abzuarbeiten“ und den Bürgern die gewonnenen Erkenntnisse zu präsentieren. Darum soll der Workshop in jedem Fall stattfinden. Wobei Hagn nur der Koordinator ist, wie er betont. Zuständig ist die Stadt für den See nicht. Sicher ist: Die Überlegungen werden noch viel Zeit in Anspruch nehmen, wie Hagn klar macht: „Das ist eine Sache von Jahren.“

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