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Die Rottachmündung in den Tegernsee droht zu verlanden. Die Enten freut’s.

Es stinkt und fault

Der schwarze Schlamm am Tegernsee muss weg - aber wie?

Tegernsee - Stinkend, faulend, eklig: Am Tegernsee gibt es ein Problem mit schwarzem Schlamm. Eine Interessensgemeinschaft fordert: Der Schlamm muss weg. Aber wie?

Schon von Weitem weht dem Spaziergänger ein fauler, modriger Geruch um die Nase. Und wer näher tritt, wird gewarnt: „Vorsicht Gefahr. Tiefer Schlamm“, heißt es auf dem Schild am Ufer der Schwaighofbucht im Süden der Gemeinde Tegernsee (Kreis Miesbach). An der Mündung der Rottach hat sich ein regelrechter Schlammteppich aus Ästen und verrotteten Sedimenten gebildet. „Dort sammeln sich immer mehr Äste und Schlamm“, sagt Heiner Felder, Mitglied der Interessensgemeinschaft „Rettet die Schwaighofbucht“. Es muffelt und mieft.

   Die Initiative stört sich aber nicht allein am Geruch. Sie warnt vor ernst zunehmenden Gesundheitsgefahren. Die geringe Wassertiefe locke immer mehr Wasservögel an, weil sie dort leichter Nahrung finden. Ihre Ausscheidungen würden das Wasser verunreinigen. Das habe bereits zu Krankheitssymptomen bei Badegästen geführt.

Auch an diesem Morgen haben sich dort wieder Enten versammelt. Etwa 30 an der Zahl. Für die ist der Schlammteppich ein Paradies, genüsslich picken sie nach Futter. Und dafür müssen sie nicht einmal schwimmen. Könnten sie auch gar nicht. Sie waten durch den festen Schlamm.

„Wenn dagegen nichts unternommen wird, dann verlandet die Bucht und ist dann weg“, erklärt Felder. Seine Initiative hat 1200 Unterschriften gesammelt. Die Behörden müssten sich etwas einfallen lassen. „Das ist Faulschlamm, der da vor sich hin stinkt.“ Felder ist hauptsächlich deswegen in der Interessensgemeinschaft engagiert, weil er der Vorsitzende des örtlichen Rudervereins ist. Und der ist auch betroffen. Inmitten der schlammigen Bucht nämlich liegt das Bootshaus des Rudervereins am Tegernsee. „Durch den Schlamm wird das Wasser immer flacher. Bald können wir die Boote nicht mehr aufs Wasser setzen.“

Felder schlägt vor, den Schlamm aufzusaugen. Per Schiff müsse die faulige Masse zur Mitte des bis zu 72 Meter tiefen Sees transportiert und dort mit einem Rohr auf dem Grund geleitet werden. „Und zwar so, dass da keine Schlammwolke entsteht.“

Ulrich Wunner, Fischereifachberater des Bezirks Oberbayern, hält von solchen Lösungsversuchen nichts. Er sei vor Ort gewesen und habe sich selbst ein Bild von der Situation gemacht. Es handle sich hier um einen natürlichen Prozess. Darüber hinaus finde die Fischbrut in der Schwaighofbucht ideale Bedingungen und reichlich Nahrung vor. Hinzu kommt, dass eine Verklappung der Sedimente, also das Ausbringen des Schlamms mitten im See, ein Fischsterben auslösen könnte. Ein echtes Dilemma.

Die Ursache für die Schlammmassen ist die Rottach, ein Zufluss des Tegernsees. Während sie sich durch die Alpen schlängelt, nimmt diese die Sedimente auf und spült sie in den Tegernsee. Aber nicht erst seit heute, denn die Ablagerung von Sedimenten in der Schwaighofbucht ist kein neues Phänomen. „Schon vor etwa zehn oder 15 Jahren hat das Wasserwirtschaftsamt mal die Bachrinne ausgebaggert“, erinnert sich Felder. Allerdings ohne langfristigen Erfolg. „Man hat es auch mal mit großen Steinen an der Rottach-Mündung probiert. Die sollten die Strömung umleiten.“ Ebenfalls erfolglos.

Im Tegernseer Rathaus ist man sich der Problematik bewusst. „Wir sind derzeit dabei, die Wasserrechtsrichtlinie auszuwerten und zu prüfen“, sagt Bürgermeister Johannes Hagn (CSU).

Darüber hinaus wurde ein Gutachter beauftragt, der den Schlamm untersuchen soll. Ergebnisse, so Hagn, sind erst im Laufe des nächsten Jahres zu erwarten. Davon, die Schwaighofbucht auszubaggern, hält Hagn nichts. „Es gibt drei Optionen: Alles so lassen, wie es ist, absaugen und im See einbringen oder eine Renaturierung des Areals.“ Für Hagn hängt aber alles von der Beschaffenheit des Schlamms ab. Erst wenn diese geklärt ist, entscheidet sich, wie es in der Schwaighofbucht weitergeht.

Nicht jeden freilich stört der Schlamm. Die Seniorendes nahen Wohnheims zum Beispiel haben sich offenbar schon daran gewöhnt. Sie sitzen weiterhin gerne auf den Bänken an der Schwaighofbucht und nehmen es mit Humor. „Der Schlamm lockt wenigstens die Enten an. Und die sind ja niedlich“, sagt eine ältere Frau.

Von Bastian Huber

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