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Im Jahr 1905 wird das neue Geschäftshaus im Herzen Tegernsees errichtet. Der Traditionsbetrieb ist damals wie heute eng mit dem Namen Boemmel verbunden.

Ein Ausflug durch 150 Jahre Zeitung am Tegernsee

Die Geschichte des Seegeists und der Familie Boemmel

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Tegernsee – Die 150-jährige Geschichte der Tegernseer Zeitung ist nicht nur ein Spiegel der Zeit. Sie ist auch die Geschichte von Familie Boemmel und ihrem Haus in Tegernsee. Ein Rückblick.

Computer, Fax, Kopierer, eine moderne Telefonanlage: Die Geschäftsstelle der Tegernseer Zeitung im Erdgeschoss des Hauses in der Rosenstraße 2 in Tegernsee wirkt auf den ersten Blick wie ein ganz normales Büro. Und dennoch steckt in den Mauern eine über hundertjährige Geschichte, über die Hausherr Adalbert „Adi“ Boemmel (51) viel zu erzählen weiß. Seit vier Generationen sind die Boemmels hier daheim und sorgen für den Fortbestand eines traditionsreichen Familienbetriebs. Deren „Geschäft“, die Druckerei, gehört zwar der Vergangenheit an. Doch das Produkt, an dem sie jahrelang beteiligt waren, halten Sie, liebe Leser, mit der Heimatzeitung gerade in den Händen.

Februar 1866 in Tegernsee: Die Zeit ist reif für die Gründung einer eigenen Zeitung. Adalbert Maier, Funktionär bei der Königlichen Polizeidirektion München, stellt beim Bezirksamt einen Antrag und bringt immer sonntags das „Tegernseer Wochenblatt“ heraus. Anfangs kostenlos, dann zum Preis von drei Kreuzern je Ausgabe. Die erste Bleibe ist das Haus Nummer 74 in der Rosenstraße (Haus Kettl). Schon wenige Monate später hat das Blatt mit dem Kaufmann Gregor Schmidt einen neuen Besitzer und eine neue Bleibe: das Haus Nummer 18 an der Hauptstraße. 

Im Jahr 1905 wird das neue Geschäftshaus im Herzen Tegernsees errichtet. Der Traditionsbetrieb ist damals wie heute eng mit dem Namen Boemmel verbunden.

1868 erscheint das Blatt erstmals als „Seegeist“. 1880 kauft Buchdrucker Wilhelm Lutzenberger die Zeitung, vier Jahre später wird mit Adalbert Boemmel die erste Generation der Boemmel-Familie Eigentümer. Nun erscheint die Zeitung schon dreimal wöchentlich. Ab 1892 an firmieren Redaktion, Druck und Verlag unter dem Titel „Herzogl. bayer. Hofbuchdruckerei von Adalbert Boemmel in Tegernsee“. 1905 bekommt der Verlag ein neues Gesicht: In der Rosenstraße entsteht ein neues Geschäftshaus, das noch heute Sitz von Geschäftsstelle, Anzeigenabteilung und Redaktion ist und zu den prägenden Gebäuden im Zentrum von Tegernsee zählt.

In den Kriegsjahren 1945 bis 1949 wird der Druck ganz eingestellt. Es dauert Jahre, bis wieder eine Zeitung für das Tegernseer Tal erscheinen kann, die amerikanische Besatzungsmacht entscheidet, was gedruckt werden darf. Ab 1949 wird in Garmisch-Partenkirchen für das gesamte Oberland der Hochland-Bote gedruckt, und auch die Tegernseer Zeitung kann als Heimatblatt für das Tegernseer Tal wieder erscheinen. Adalbert Boemmel (zweite Generation) ist Mitherausgeber. Am 25. März 1950 wird die Verlagsgemeinschaft der Hofdruckerei A. Boemmel & Sohn Tegernsee mit dem Münchner Merkur besiegelt. Die Tegernseer Zeitung darf sich „unabhängige Heimatzeitung und Amtsblatt für das Tegernseer Tal und den Landkreis Miesbach“ nennen. Zu den Gratulanten zählt damals auch der Volksmusikant Kiem Pauli (1882-1960): „Lieber Alter“, schreibt er an den Seegeist, lasse noch recht lange Deinen Geist sprühen, würze ihn mit Humor, schütze die Kultur der Heimat, leihe Deinen Spalten wie bisher nur der Wahrheit, berichte uns viel Erfreuliches, dann bleiben wir in alter Verehrung Deine Freunde und ergebenen Abonnenten.“

Blicken gemeinsam in die Historie der Tegernseer Zeitung: Adalbert Boemmel senior und Dirk Ippen, Verleger des Münchner Merkur.

Wer heute die Geschäftsstelle der Tegernseer Zeitung betritt, trifft immer noch auf Familie Boemmel. Nach seinem Vater, einem Adalbert der dritten Generation, nimmt Sohn „Adi“ (51) in vierter Generation die Wünsche der Leser entgegen, sorgt mit seinen Mitarbeiterinnen für die pünktliche Zustellung und das gewünschte Erscheinen von Annoncen. 

Die Druckmaschinen rattern im Hause Boemmel allerdings schon lange nicht mehr. 1994 wurde die Druckerei aufgegeben und verpachtet. Fünf Jahre später verließen die letzten Maschinen und Setzkästen das Haus. Das Künstler-Atelier von Jürgen Welker ist heute hier ansässig.

Oben im ersten Stock des Hauses befinden sich Anzeigenabteilung und Redaktion. Hier, vor Ort am Tegernsee und zugleich eng verknüpft mit der Zentralredaktion in Miesbach, sind die Mitarbeiter ganz nahe dran am lokalen Geschehen, das sich in der Printausgabe und noch aktueller natürlich online hier bei uns täglich wiederspiegelt.

Immer noch ein Boemmel im Haus: Adalbert Boemmel IV, hier mit v.l.: Christine Fraunhofer, Renate Konstanzer, Alexandra Kirmayr und Veronika Feicht.

Dass der „Seegeist“, die Heimatausgabe des Münchner Merkur im Tegernseer Tal, auch künftig etwas ganz Besonderes bleibt, dafür hat die Familie Boemmel freilich mit entsprechenden Verträgen gesorgt. Das Familienmitglied „Boemmel Nummer fünf“ ist längst da. „Adis“ 17-jähriger Sohn heißt allerdings nicht Adalbert, sondern Simon. Die Zeiten stehen eben auf Wandel.

gr


Zu unserem 150. Geburtstag

schenken wir Ihnen eine Serie, in der wir auf unsere eigene Geschichte, die des Tals und der Menschen zurückblicken und dann gemeinsam mit Ihnen in die Zukunft blicken. Unsere Geschichte war der erste Teil. Am Montag lesen Sie hier den nächsten Beitrag. Wer unsere ganze Jubiläumsausgabe ganz altmodisch im Druck haben möchte: am Freitag, 22. Juli, liegt sie der Printausgabe der Tegernseer Zeitung bei.

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