„Die Schließung von Gastronomie und Hotellerie ist auch für uns schmerzhaft“: Herzogin Anna in Bayern, Inhaberin des Herzoglichen Brauhauses Tegernsee, und Geschäftsführer Christian Wagner.
+
„Die Schließung von Gastronomie und Hotellerie ist auch für uns schmerzhaft“: Herzogin Anna in Bayern, Inhaberin des Herzoglichen Brauhauses Tegernsee, und Geschäftsführer Christian Wagner.

Herzogin Anna und Geschäftsführer Wagner berichten

So kommt das Brauhaus Tegernsee durch die Corona-Pandemie

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
    schließen

Zweimal Lockdown – das trifft die Gastronomie hart. Aber auch das Herzogliche Brauhaus Tegernsee, zugleich Verpächter und Pächter etlicher großer Gasthäuser, muss durch die Krise kommen.

  • Auch das Brauhaus ist durch die Schließung der Gastronomie von der Corona-Krise betroffen
  • Durch den steigenden Absatz in den Getränkemärkten können die Verluste aber kompensiert werden
  • Brauhaus sagt: Wir greifen unseren Pächtern unter die Arme

Tegernsee – Brauhaus-Geschäftsführer Christian Wagner spricht nicht gerne über Zahlen und formuliert es so: „Die Schließung der Hotellerie und Gastronomie ist auch für uns sehr schmerzhaft. Dieser Bereich macht für die Brauerei immerhin ein Drittel ihres Umsatzes aus.“ Man habe zu Beginn des ersten Lockdowns schon diskutiert, die Produktion zu drosseln, „weil auch für uns die Situation völlig neu war“, betont Herzogin Anna, Inhaberin der Brauerei. Dann aber sei schnell erkennbar gewesen, dass sich das Trinkverhalten verlagert. „Der Absatz in den Getränkemärkten hat angezogen, die Haushalte haben die Verluste von Fassbier in der Gastronomie weitestgehend kompensiert“, berichtet Wagner. Statt auf Fässer, wird das Bier in Flaschen abgefüllt – und die Abfüllerei am Standort Kreuzstraße ist damit mehr als ausgelastet.

Wir haben aufgeräumt, vom Keller bis zum Dach, und haben wirklich jede Spinnwebe entfernt.

Herzogin Anna in Bayern

Weil keine Gastronomie beliefert werden muss, keine Feste und Veranstaltungen stattfanden, habe dies zu einer Veränderung der Vertriebsstruktur geführt. Und dazu, dass für etwa zehn Mitarbeiter unter den aktuell 90 Beschäftigten (40 in Tegernsee, 50 an der Kreuzstraße) vorübergehend neue Aufgaben gesucht werden mussten. „Wir haben aufgeräumt, vom Keller bis zum Dach, und haben wirklich jede Spinnwebe entfernt“, berichtet Herzogin Anna, die für das „extrem flexible“ Verhalten und die Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter dankbar ist und dieses ausdrücklich lobt.

Den flexiblen Mitarbeitern einen Corona-Bonus gewährt

Fassaden wurden gereinigt, Verputz- und Malerarbeiten ausgeführt und auch Arbeiten im Gasthof Schandl und im Guggemos ausgeführt. Intern habe man die Zeit genutzt, um Betriebsabläufe zu modernisieren und zu digitalisieren. „Wir sind in absehbarer Zeit nahezu papierlos“, bemerkt Wagner. Er fügt hinzu: „Aufgrund der hohen Belastung durch Corona, aber auch wegen des vorbildlichen Miteinanders und der Flexibilität haben wir jedem Vollzeit-Mitarbeiter der Brauerei einen Corona-Bonus über 1500 Euro netto zusätzlich gewährt.“ Dass es zu Kurzarbeit kommt, sagt er, habe man immer vermeiden wollen.

Lesen Sie hier: Corona-Lockdown: Star-Koch vom Tegernsee schreibt Brief an Merkel und Söder - Gastro-Schließung „führt zu nichts“

Das Brauhaus produziert nicht nur Bier, es besitzt etliche namhafte Gaststätten: allen voran das von Peter Hubert geleitete Bräustüberl, das Maximilian in Gmund, die Schlossbrennerei in Tegernsee, das Batznhäusl in Kreuth und das Gasthaus Glashütte. Außerhalb des Landkreises gehören der Gasthof Post in Benediktbeuern dazu. Gepachtet hat das Brauhaus den Postillon sowie das Monte Lago in Rottach-Egern, zudem unter anderem die Schlosswirtschaft Wildenwart, dem Wohnsitz von Herzogin Annas Eltern, Herzogin Elizabeth und Herzog Max in Bayern.

Brauhaus weist Kritik von Pächtern in Benediktbeuern zurück

Kritik, die etwa von den Wirtsleuten in Benediktbeuern geäußert wurde, wonach das Brauhaus seinen Wirtsleuten in der Pandemie nicht unter den Armen greifen würde, stellt Wagner richtig. „Wir haben bisher ausnahmslos geholfen, in allen Fällen. Wir sind proaktiv auf die Betreiber der eigenen und angepachteten Gaststätten zugegangen und haben individuelle Unterstützungen angeboten und umgesetzt“, so Wagner, der auch auf staatliche Hilfen und KfW-Darlehen im ersten Lockdown verweist. Als dann im Sommer wieder geöffnet wurde, habe man zur Erweiterung der Freischankflächen Gartenmobiliar gratis und leihweise zur Verfügung gestellt. Dass die Gemeinden und Behörden dies zuließen, findet Wagner im Nachhinein lobenswert. „Nur so konnten viele Betreiber die starken Einschränkungen kompensieren und zum Teil sehr gute Umsätze machen und das Jahr einigermaßen gut überstehen.“

Wagner bedauert, dass staatliche Hilfen erst kürzlich erfolgten

Wagner bedauert jedoch, dass im noch immer andauernden zweiten Lockdown die Auszahlungen der staatlichen November- und Dezemberhilfen in Höhe von bis zu 75 Prozent des Vorjahresumsatzes erst in den letzten Wochen erfolgt sei. „In Einzelfällen, die bis heute nur einen Abschlag erhalten haben, haben wir auch hier teilweise mit Übergangs-Liquidität geholfen“, berichtet Wagner. Für Januar und Februar sehe die Situation etwas anders aus. Da würden bis zu einer gewissen Betriebsgröße Fixkosten von bis zu 90 Prozent vom Staat erstattet. Der Antrag könne erst seit vergangener Woche gestellt werden. „Auch hier helfen wir bereits mit Liquidität“, betont Wagner. Es seien ganz individuelle Lösungen gefunden worden mit den Wirtsleuten, fügt die Brauerei-Inhaberin hinzu.

Brauhaus sind keine Wirtsleute am Tegernsee bekannt, die vor dem Aus stehen

Ob sie von Wirtsleuten wüssten am Tegernsee, die tatsächlich vor dem „Aus“ stehen? Wagner: „Derzeit ist uns Gott sei Dank kein Wirtepaar bekannt. Über ihr Engagement, gutes Kostenmanagement, To-Go-Angebote und aufgrund der staatlichen Hilfen können sie ihre Betriebe über Wasser halten. „Alle“, so der Geschäftsführer, „hoffen auf eine baldige Öffnung.“

gr

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare