Auch diese Reihe an Linden im Kurgarten müssten für den Bau einer Tiefgarage entfernt werden.
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Auch diese Reihe an Linden im Kurgarten müssten für den Bau einer Tiefgarage entfernt werden.

Tiefgarage im Kurpark wieder Thema am Rande der Stadtratssitzung

Sorge um Erhalt der Linden

  • Gerti Reichl
    VonGerti Reichl
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Auch wenn die Erweiterung der Tiefgarage unter dem Kurgarten noch längst nicht nicht definitiv entschieden ist, so kämpfen die Grünen im Stadtrat schon jetzt dagegen. Vor allem sorgen sie sich um den Erhalt der Linden. Mit Unterstützung der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnis nun vorliegt.

Tegernsee – Grünen-Stadtrat Marcus Staudacher, inzwischen auch Stellvertreter von SGT-Chefin Angela Brogsitter-Finck, lässt keine Möglichkeit aus, um seine Kritik an einer Tiefgaragenerweiterung unter dem Kurgarten loszuwerden. In der jüngsten Stadtratssitzung zerfieselte er das Protokoll der Sitzung vom 5. Oktober, wo Grüne und SPD einen umfassenden Antrag zum Stand der Dinge in Sachen Tiefgaragen-Erweiterung gestellt hatten.

Grünen-Rat Marcus Staudacher will „Berichtigung und Klarstellung“ des Protokolls

Staudacher verlangte eine „Berichtigung und Klarstellung“ einiger Punkte. Etwa zur möglichen Zahl der Stellplätze, die nur 158 statt 178 betragen könnte, da sich der Stadtrat bei seinen ersten Überlegungen für breitere Parkplätze entschieden habe. Auch hielt er die Kostenschätzung von 6,3 Millionen Euro nicht für realistisch. Sie stamme von 2018, und selbst eine Steigerung von zehn Prozent jährlich sei nicht mehr ausreichend. Skeptisch stand Staudacher auch der vorliegenden Baugrund-Untersuchung gegenüber. „Es ist da von bedingt günstigen Verhältnissen die Rede“, sagte Staudacher, was Bauamtsleiterin Bettina Koch zurechtrückte: „Zusammenfassend heißt es, dass eine Tiefgarage dort gebaut werden könnte. Es gibt keine Bedenken.“

Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) fand das Vorgehen Staudachers, das Protokoll auf diese Art korrigieren zu wollen, „eigenartig“. „Geht’s jetzt um ein Statement gegen die Tiefgarage oder ums Protokoll?“, fragte Hagn um Sachlichkeit bemüht. Das Protokoll sei im Ratsinformationssystem eingestellt. Ein Hinweis an die Verwaltung hätte genügt. Hagn verwies auf eine demnächst geplante Klausur des Stadtrats, bei der es um den großen Themenkomplex Verkehr gehen werde. Geschäftsleiter Hans Staudacher trug zur Aufklärung bei: Es sei nicht möglich, das Protokoll einer Sitzung zu ändern. „Gesagt ist gesagt, und das haben wir aufgeschrieben.“ Man könne die Punkte lediglich ergänzen. Grünen-Rat Staudacher, der aufgefordert wurde, seine Punkte schriftlich bei der Verwaltung einzureichen, war damit noch nicht am Ende seiner Ausführungen. Er bezog auch Stellung zu den Linden.

19 Bäume müssten im Falle eines Tiefgaragenbaus wohl gefällt werden – ein Umstand, den auch die SGT verhindern will und der auch im aktuellen Newsletter thematisiert wird. Rückenwind für ihre ablehnende Haltung liefert nun eine Stellungnahme des Bundes Naturschutz, durchgeführt von Angela Burkhardt-Keller, einer zertifizierten Baumkontrolleurin.

Sie geht grundsätzlich von einer hohen Aufenthaltsqualität für die Menschen im Park aus und davon, dass die Linden in der östlichen der beiden Reihen etwas schwächer und damit jünger seien. Auf der Westseite befänden sind fünf der insgesamt acht mächtigen und damit prägenden Exemplare mit einem Stammumfang von rund zwei Metern. Zwar bescheinigt sie den Linden auf den ersten Blick eine „starke Vitalität“, „die unsachgemäßen Schnitte der letzten Jahre bei den Jungbäumen und der letzten Jahrzehnte bei den Altbäumen bedürfen jedoch einer behutsamen, nachhaltigen und besonders fachkundigen Pflege, um die Bäume langfristig zu erhalten“. Dass der Zustand nicht der beste sei, davon hatte die Bauamtsleiterin schon im Stadtrat berichtet.

Nach Ansicht der Expertin würde das Opfern der Bäume für eine Tiefgarage aber einen „optischen wie ökologischen Schaden“ bedeuten. Bezweifelt wird, ob die Bäume dieser Größe an dieser Stelle wieder heranwachsen können. „Beim Bau einer Tiefgarage würde eine so starke unterirdische Versiegelung stattfinden, dass dort kein Großbaum Chance auf eine langfristigen Standort hätte. Standorte auf Tiefgaragendecken seien für Großbäume ungeeignet. Das Urteil: Der Bau einer Tiefgarage würde den dauerhaften Verlust von Großbäumen bedeuten. „Unter den dann herrschenden Bedingungen und Platzverhältnissen könnten sich in frühestens 50 Jahren die Nachpflanzungen zu ähnlich großen Bäumen entwickeln wie sie heute im Kurpark stehen.“

Die Stellungnahme bestärkt Marcus Staudacher in seiner Meinung: „Ich halte es nicht für vertretbar, in Zeiten des Klimawandels und zunehmender Starkregen-Ereignisse eine derart große Fläche zu versiegeln und dafür auch noch 19, zum Teil uralte vitale Großbäume zu opfern.“

Lesen Sie hier: Sanierung der Alpbachbrücke ab Mai 2022.

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