Lediglich erste Betonwände sind hochgezogen, dabei wurde schon 2019 mit dem Bau an der Perronstraße begonnen. Drei Gebäude mit Tiefgarage sollen auf dem Areal entstehen.
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Lediglich erste Betonwände sind hochgezogen, dabei wurde schon 2019 mit dem Bau an der Perronstraße begonnen. Drei Gebäude mit Tiefgarage sollen auf dem Areal entstehen.

Bau kommt nur langsam voran

Spekulationen um Klinikprojekt an der Tegernseer Perronstraße

  • Gerti Reichl
    VonGerti Reichl
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Der Bau eines Sanatoriums und einer Privatklinik an der Perronstraße in Tegernsee-Süd gehört zu den Großprojekten im Tal. Dass der 2019 begonnene Bau so langsam voranschreitet, lässt Raum für Spekulationen.

Tegernsee – „Auf 11.000 Quadratmetern entsteht ein Zentrum für ganzheitliche Therapie sowie eine Privatklinik“. So steht’s in drei Sprachen auf dem inzwischen zerfledderten Banner, das Unternehmer und Bauherr Klaus Dieter Burkhart an der Schwaighofstraße postiert hat. Nicht nur deutschsprachige, sondern auch englischsprachige und chinesische Interessenten sollen sich angesprochen fühlen.

Burkhart ist Chef des Deutschen Zentrums für Frischzellentherapie mit Sitz in Bad Tölz. Als solcher und für sein Projekt in Tegernsee hat er die Burkhart Immobilien Bau- und Verwaltungs GmbH gegründet. Mit offenen Armen wurde er in der Stadt empfangen, als er im August 2016 erstmals seine Pläne öffentlich präsentierte. Nachdem heftiger Protest den zuvor geplanten 300-Betten-Bunker der A-ja-Hotelkette zu Fall gebracht hatte, erschien das Burkhart-Projekt als willkommene Lösung.

Sanatorium und zwei Klinikgebäude gehören zur genehmigten Planung

Auf dem 12.900 Quadratmeter großen Areal, das Burkhart von der Unicredit erworben hat – zu überaus günstigen Konditionen, wie es heißt – sollen nun drei Gebäude eher ortsuntypisch platziert werden. Im hinteren Bereich wird ein Sanatorium mit 19 Zimmern und 35 Betten gebaut, südlich und westlich davon zwei Klinikgebäude mit 99 Zimmern und 109 Betten sowie sieben Wohnungen. Auch eine Tiefgarage mit 89 Stellplätzen, 26 oberirdische Stellplätze sowie ein Pavillon sind Bestandteil des genehmigten Bauvorhabens.

Projekt wird weiter von Gegenwind begleitet

Das Projekt wird nach wie vor von Kritik begleitet. Die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) gab mehrfach Stellungnahmen ab und findet, dass mit den drei gekrümmten Baukörpern, die keine Tradition im Tal hätten, lediglich versucht werde, die Baumasse kleiner aussehen zu lassen. „Unfassbar, was alles an Natur zerstört wird, und dann passiert nichts“, kommentiert sie die augenblickliche Situation.

Auch Nachbarn lassen bei ihrem Protest nicht locker. Zwei Verfahren gegen die Baugenehmigung sind vor dem Verwaltungsgericht München seit Januar anhängig, wie Susanne Beer, Richterin und zugleich Sprecherin am Verwaltungsgericht bestätigt. „In den Klagen werden im Wesentlichen Verstöße gegen das Immissionsschutzrecht als Teil des baulichen Gebots der Rücksichtnahme, eine Hangrutschgefahr und eine Verletzung der Abstandsflächen geltend gemacht“, so Beer. Die Kläger sprechen von „rücksichtsloser Bebauung“ durch die vier- und fünfstöckigen Häuser. Wann die neunte Kammer des Verwaltungsgerichts ein Urteil sprechen wird, steht noch nicht fest und könne auch nicht prognostiziert werden, so die Sprecherin.

Verwunderung über langsamen Baufortschritt an der Perronstraße

Unter die Wut der Nachbarn mischt sich Verwunderung, warum die Baustelle kaum Fortschritte macht. Dabei dürfte Burkhart längst Gas geben, zumal die Eilanträge der Nachbarn, mit denen ein Baustopp erreicht werden sollte, laut der Gerichtssprecherin inzwischen rechtskräftig abgelehnt wurden. Eine Handvoll Arbeiter wird hin und wieder auf der Baustelle gesichtet, erste Betonwände sind errichtet.

Neue Frischzellenverordnung nährt Zweifel an Konzept

Warum kommt das Vorhaben nicht schneller voran? All dies nährt Spekulationen um Burkharts Konzept. Es basiert bisher auf Frischzellen und die „kontinuierliche Erweiterung unserer Therapieangebote“, wie auf der Homepage zu lesen ist. Dabei hat die Bundesregierung im Mai ein Verbot über die Verwendung von Frischzellen tierischen Ursprungs bei der Herstellung von Arzneimitteln („Frischzellenverordnung“) herausgegeben. Burkharts Therapieansatz, für den er zuletzt auch im September 2019 bei einer Beauty-Messe in China warb, dürfte damit hinfällig sein.

Bürgermeister Hagn: „Es gibt eine Bauverpflichtung“

Was, wenn das Projekt platzt? „Es gibt eine Bauverpflichtung“, sagt Bürgermeister Johannes Hagn und erinnert daran, dass die Stadt alle Sicherungen eingebaut habe. „Es gibt einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan und einen Durchführungsvertrag, aber keine Vereinbarung darüber, dass es als Frischzellenklinik betrieben werden muss.“ Es gebe neben der Bauverpflichtung auch einen Zeitrahmen, der augenblicklich noch unproblematisch sei und den man wegen Corona durchaus verlängern könne, so Hagn. „Sollte Herr Burkhart die Pläne nicht verwirklichen können, müsste er vom Vertrag zurücktreten, für eine alternative Bebauung müsste sich der Stadtrat mit einem neuen Bebauungsplanverfahren befassen. Doch das ist alles spekulativ.“ Dass es zu einer Wohnbebauung kommt, schließt Hagn jedoch aus.

Klaus Dieter Burkhart will zu all dem keine Stellung nehmen, er befinde sich im Urlaub, lässt er kurz wissen. Ende September sei er bereit, sich zu seinem Projekt an der Perronstraße zu äußern.

gr

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