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Unverfälscht sind die seltenen Grau-in-Grau-Malereien, die Roland Götz zeigt. Sie befinden sich in der unteren gotischen Sakristei. Darüber befindet sich eine zweite gotische Sakristei. Nur eine Wand trennt sie vom Psallierchor.

Brandschutz und Sakristeien

St. Quirinus: Ein Kunstschatz und die Angst vorm Feuer

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Auf der Prioritätenliste des Ordinariats steht die Tegernseer Pfarrkirche ganz oben. Zum einen sind Mittel für die Restaurierung der gotischen Sakristeien bewilligt. Zum anderen will die Kirche für Brandschutz sorgen. 

Tegernsee – Rund 400 Bauprojekte standen im ganzen Erzbistum auf der Wunschliste. Die ehemalige Klosterkirche St. Quirinus hat es gleich mit zwei Anliegen ganz nach oben geschafft. Zur Freude des Kirchenhistorikers Roland Götz sind endlich erste Mittel für die Restaurierung der beiden gotischen Sakristeien bewilligt. Wie berichtet, kämpft die Pfarrei schon lange darum, dass die historische Kostbarkeit aufpoliert und Besuchern zugänglich gemacht wird.

Und dann ist da noch der Brandschutz für St. Quirinus. „Der ist in einer Kirche eigentlich kein Thema“, sagt Verbundspfleger Fidel Niggl. Gefährlich ist vor allem Rauch, und der steigt nach oben. Wer auf der Kirchenbank sitzt, hat also noch reichlich Luft. Anders sieht es bei den Chorsängern auf der Empore aus. Ihnen bleibt als Fluchtweg nur ein schmale Holztreppe. Bei Kirchenkonzerten, die als Versammlungen gelten, ist das nicht zulässig. Der Empfehlung, ein Stahlgerüst in den Kirchenraum zu platzieren, um den Sängern einen Fluchtweg zu ermöglichen, folgte die Pfarrei nicht: zu hässlich. „Da lassen wir lieber den Heiligen Geist für uns arbeiten“, sagt Niggl. Zur Sicherheit ist bei größeren Konzerten die Feuerwehr vor Ort. Keine Dauerlösung. Im Herbst, so Niggl, soll zumindest die Voruntersuchung für den Brandschutz erledigt sein.

Bislang ist kein Konzept in Sicht. Was es so schwierig macht, ist die Lage und die Vielzahl der Beteiligten. St. Quirinus befindet sich unter einem Dach mit dem Bräustüberl, der Schlossbrennerei, dem Gymnasium, der Brauerei. Wenn’s brennt, brennt alles. „Wir bilden eine Schicksalsgemeinschaft mit zwei Gaststätten, der Gymnasiumsküche und dem Sudhaus“, meint Götz. Einig werden müssen sich die Zuständigen für den Brandschutz, die Denkmalpfleger und mehrere Eigentümer: Kirche, Staat, herzogliche Familie und wohl auch die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee. Ihr gehört das immerwährende Nutzungsrecht für den Psallierchor, der einst Teil der Kirche war. Sehr lange schon will die Bank das von Herzog Max in Bayern für 1,5 Millionen Euro erworbene Recht an die Kirche verkaufen. Doch die Verhandlungen haben sich festgefahren. „Wir sind in Gesprächen“, lässt die Kreissparkasse lapidar verlauten.

Bekannt ist, dass die Kirche nur dann Interesse hat. wenn sie mit dem Psallierchor den ganzen Gebäudeteil kaufen kann. Auch hier ist eine Einigung mit der herzoglichen Familie gefragt. Und ein zweiter Fluchtweg. Ohne den lässt sich der Psallierchor nicht nutzen – mangelnder Brandschutz. „Bis zum Herbst brauchen wir endlich eine Entscheidung“, sagt Pfarrer Walter Waldschütz. Er fürchtet, dass ansonsten die gerade bereitgestellten Mittel anderweitig aufgebraucht werden. Derzeit sind lediglich Gelder für die Voruntersuchungen bewilligt, wie Christoph Kappes als Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats erklärt. Es wird ermittelt, wie groß der Aufwand für die Umsetzung der Maßnahmen ist. Das gilt sowohl für den Brandschutz als auch für die Restaurierung der gotischen Sakristeien.

Letztere dienten viele Jahre lang als Rumpelkammern. Für den Kirchenalltag gibt es eine barocke Sakristei. Ihre gotischen Schwestern haben ihre Funktion schon vor 300 Jahren verloren. Die feinen Gewölbe mit der seltenen Grau-in-Grau-Malerei blieben unberührt. „Ein kunsthistorischer Glücksfall“, meint Götz. Nicht minder wertvoll ist das, was in den Sakristeien gelagert wurde. Kostbarkeiten aus Klosterzeiten, die inzwischen ins Kunstdepot der Erzdiözese in Neumarkt ausgelagert wurden. Neben Leuchtern, Figuren und allerlei Skurrilitäten gehören dazu Reliquien wie die Rippe des Heiligen Korbinian. Mit letzterer befasst sich bereits eine Restauratorin.

Bis die Sakristeien saniert und das Inventar dort wieder eingeräumt ist, dürfte viel Zeit vergehen. Historiker Götz denkt unterdessen darüber nach, wie die Sakristeien und ihr wertvolles Inventar den Gläubigen präsentiert werden kann. Dabei könnte er an uralte Traditionen anknüpfen: Reliquien wurden einst im Zuge einer „Heiltumsweisung“ gezeigt.

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