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Direkt vor den Verschlussplatten der Urnengräber erlaubt Tegernsee künftig nur noch elektrische Kerzen. Für Wachskerzen gibt’s eine eigene Abstellmöglichkeit. 

Ab jetzt nur noch elektrisch

Tegernsee verbietet Wachskerzen auf einem Teil des Friedhofs

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Es ist doch ein sehr persönlicher Eingriff in die Rechte der Trauernden: Nach langer Diskussion hat die Stadt nun Wachskerzen in einer Friedhofsecke gänzlich verboten.

Tegernsee – Wie weit darf die Stadt in die persönlichen Rechte eingreifen, wenn es um die Trauer geht? Darf sie sogar Wachskerzen verbieten? Dieses heikle Thema stand jetzt im Stadtrat zur Diskussion.

Nachdem der Verwaltungs- und Finanzausschuss sich zuvor bereits sehr ausführlich dem Thema gewidmet hatte, diskutiert auch der Stadtrat erneut intensiv. Auslöser war die nötige Änderung der Friedhofssatzung. Zum einen gab es bisher keine Regelung dafür, wie lange Fahrzeuge auf dem Parkplatz vor dem Friedhof parken dürfen. Immer wieder kommt es offenbar vor, dass Bräustüberl-Besucher hier ihre Autos abstellen, um sich die Parkgebühr im Schmetterlingsgarten und vor der Brauerei zu sparen. Eine Stunde sei angemessen, um Gräber zu besuchen und zu pflegen, formulierte zuvor schon der Ausschuss in einer entsprechenden Beschlussvorlage. Damit waren alle einverstanden.

Was der Stadt Sorgen und Arbeit macht, sind die Kerzenwachsreste vor den Verschlussplatten der Urnengräber. Vorgeschlagen wurde daher ein separater Abstellplatz für Wachskerzen neben der Urnenwand. Vor den jeweiligen Urnengräbern selbst sollten nurmehr elektrische Kerzen erlaubt sein. „Das wäre doch ein optimaler Mittelweg für die Trauernden“, fand Bürgermeister Johannes Hagn (CSU). Der Aufwand für die Reinigungsarbeiten sei nämlich sehr groß, so der Bürgermeister.

„Damit habe ich aber ein Problem“, gestand Rudolf Gritsch (CSU). Das Anzünden einer Wachskerze sei nämlich ein besonderer Ausdruck der Trauer. Auch Peter Friedrich Sieben (FWG), SPD-Sprecher Thomas Mandl (SPD) und Martina Niggl-Fisser (Bürgerliste) konnten sich mit elektrischen Kerzen nicht anfreunden. FWG-Sprecher Andreas Obermüller und Peter Schiffmann (SPD) waren auf der Seite derer, die eine elektrische Kerze für einen guten Kompromiss hielten. „Christbäume haben doch auch elektrische Kerzen“, meinte CSU-Sprecher Florian Widmann und forderte nach ausführlicher Debatte eine Abstimmung. Mit der Mehrheit von 11:6 Stimmen wurde dann beschlossen, dass künftig nurmehr elektrische Kerzen direkt vor der Grabplatte leuchten dürfen. Wachskerzen bekommen daneben einen eigenen Ständer.

Waren bisher nur Grabkreuze aus Naturstein oder Schmiedeeisen erlaubt, so sind künftig auch Holzkreuze am Friedhof zugelassen. Sie dürfen allerdings nicht höher als 1,80 Meter und maximal 1,20 Meter breit sein.

An der Gebührenschraube wird nicht gedreht. Allerdings verzichtet Tegernsee künftig auf die Gebühr von 80 Euro bei der Bestattung im Sternengrab. Bei Totgeburten und Kinderleichen bis sieben Jahren werden künftig keine Gebühren mehr erhoben, für Leichen von Kindern von acht bis 17 Jahren stehen 587 Euro in der Satzung. Die Kosten für Urnen- und Gemeinschaftsgräber betragen 261 Euro, für Urnennischen sind 176 Euro fällig. Die Satzung wurde einstimmig genehmigt.

gr

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