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Der Horn-Parkplatz in Tegernsee, hier ein Archivbild.

Es wird wohl eine Tiefgarage

Das große Parkkonzept in Tegernsee - so sieht es aus

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Wohin mit den parkenden Autos? Der Stadtrat hat nach jahrelangem Gezerre auf ein Konzept beschlossen. Die Pläne sind ambitioniert - und alles andere als unstrittig.

Tegernsee - Das Thema Parken ist für die Stadt ein so wichtiges Thema, dass sie es wieder einmal einem Experten anvertraute: Die Münchner transver GmbH machte also eine Erhebung – im Mai sowie im August 2016. Bei einer Klausur im Januar beackerte der Stadtrat die Ergebnisse und erarbeitete in zwei Workshops einen Maßnahmenkatalog. 

Am Dienstagabend wurden die Ergebnisse im Stadtrat öffentlich präsentiert. Viele Infos packte Klaus Bogenberger, Professor für Verkehrstechnik an der Münchner Bundeswehr-Uni, in seinen Vortrag: Da war die Rede von kritischem Parkdruck um 11 Uhr und 15 Uhr rund um die „Hot Spots“ Zentralparkplatz, Rathaus und Bräustüberl, von einem sehr hohen Parkdruck an den Wochenenden, von freien Kapazitäten auf der Point, von nicht ausgelasteten Bus-Parkplätzen am Sommerkeller, von einer bereits wirksamen und sinnvollen Parkraum-Bewirtschaftung, aber auch von uneinheitlichen Regelungen, was Tarife und Parkdauer betrifft, von unübersichtlichen Hinweisschildern und Straßen, die man in die Bewirtschaftung aufnehmen sollte. 

„Verkehr wird um 10 bis 15 Prozent zunehmen“

Zur Bestandsaufnahme kam die Prognose: Unter Berücksichtigung der Bevölkerungszunahme werde der fließende Verkehr bis zum Jahr 2030 um zehn bis 15 Prozent zunehmen. Bogenberger empfahl der Stadt ein Konzept, das die Parksituation an Werktagen zur Grundlage hat, eine Erhöhung der Parkplatzzahl im Zentrum um zehn bis 20 Prozent – also rund 100 Plätze – vorsieht sowie weitere neue öffentliche Stellplätze und die Stärkung alternativer Angebote wie den 30-Minuten-Takt der BOB, Park-and-ride-Plätze zusammen mit Gmund und die Verknüpfung von Park-Abos und ÖPNV-Angeboten beinhaltet. Der Stadtrat hatte daraufhin eine Prioritätenliste erarbeitet: Ganz oben seht demnach der Ausbau der Tiefgarage unter der Sparkasse. Erst dann folgt der Bau eines Parkhauses am Horn-Parkplatz.

Bei der Sitzung wurde diese Reihenfolge erneut ausführlich diskutiert. „Das historische Zentrum liegt im Norden und nicht im Süden“, argumentierte Heino von Hammerstein (Bürgerliste), „daher sollten wir den Horn-Parkplatz genauso entwickeln wie die Tiefgarage.“ Seit 2012 lägen Zahlen auf dem Tisch für ein Parkhaus mit 113 Plätzen, das damals auf rund 2,8 Millionen Euro geschätzt worden sei. Inzwischen wurde der Platz immerhin verschönert.  

„Das wird den Geschäftsleuten nicht gefallen“

Martina Niggl-Fisser (Bürgerliste) stand hinter dem Vize-Bürgermeister: „Das wird den Geschäftsleuten nicht gefallen, wenn der nördliche Bereich nur Priorität 1b hat.“ Fraktionskollege Florian Kohler hielt es für kontraproduktiv, die beiden Bereiche gegeneinander auszuspielen, vielmehr müsse man ein gesamtheitliches Bild entwickeln. Erneut über das Für und Wider Hornparkplatz zu diskutieren, erschien Peter Schiffmann (SPD) ebenso sinnlos, zumal er ja in der Prioritätenliste vorgesehen sei. 

Andreas Obermüller (FWG), der die Tiefgaragen-Erweiterung schon immer favorisiert hatte, war zufrieden: „Wenn der Zentralparkplatz mal wegfällt, haben wir neue Plätze in der Nähe.“ Und falls Handlungsbedarf bestehe, könne es sich die Stadt leisten, kurzfristig zu handeln. 

Thomas Mandl (SPD), der wie seine Tochter Laura die Themen Pendlerparkplätze und ÖPNV für zukunftsweisend hielt, forderte eine talweite Lösung des Verkehrsproblems: „Tegernsee alleine ist überfordert“, fand Mandl. Die Neuordnung des ruhenden Verkehrs könne allenfalls ein Mosaikstein in einem Konzept sein, das auf eine Reduzierung des Verkehrs abzielen sollte. 

Abwarten, was mit dem Guggemos passiert

Folgendes wurde dann der Reihe nach beschlossen: Die Verwaltung soll eine städtebauliche Machbarkeitsstudie für die Erweiterung der Tiefgarage einleiten. Gegen drei Stimmen wurde beschlossen, dass der Hornparkplatz so lange in seiner jetzigen Form bestehen bleiben soll, bis sich eine Neuentwicklung am Guggemos-Gelände abzeichnet. 

Allerdings will man sich Gedanken zur Hangkante machen, um dort weitere Plätze zu schaffen. Zwei bis drei Bus-Parkplätze am Sommerkeller sollen zu Pkw-Plätzen werden. Tarife und Parkdauer sollen vereinheitlicht werden (gegen 1 Stimme), die Stadt soll prüfen, ob weitere Straßen in die Bewirtschaftung mit einbezogen werden sollen. Die Situation der Anwohner-Parkplätze soll erneut beleuchtet werden. Ein neues Parkleitsystem, die Einführung neuer Standards bei den Automaten (Bezahlung per Handy) und die Schaffung von Park-and-ride-Plätzen soll geprüft werden. 

Der Stadtrat soll regelmäßig über Zwischenschritte informiert werden. „Das ist wirklich ein Vielzahl an Schritten“, fasste Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) zusammen. „Ich bitte um viel Geduld.“

Weitere Fakten zum Parkkonzept: 

Insgesamt hat Tegernsee 1092 Parkplätze (ohne Busparkplätze, für Mobilität Eingeschränkte oder Eltern-Kind-Plätze). Sie teilen sich auf auf Seesauna (112), Wanderparkplätze (159), Umfeld Bahnhof (73), Zentrum Nord (65), Zentrum Süd (418), Point (106) und Tegernsee Süd (159). Die Tarife sollen angeglichen werden nach der Regelung „1-1-5“. Das heißt: eine Stunde frei, jede weitere Stunde ein Euro, Tagestarif fünf Euro. Die Bewirtschaftungsdauer sollte von 8 aus 19 Uhr gelegt werden, die Höchstdauer beträgt drei Stunden, sonntags ist Parken unbegrenzt möglich. An der Seesauna, am Schlossplatz, bei Lidl und Edeka sollen ausnahmen möglich sein, ebenso, was die Parkdauer an der Wanderparkplätzen und an der Point betrifft. Die Klosterwachtstraße, Max-Josef-Straße, Riedersteinstraße und Lärchenwaldstraße sollen ebenfalls bewirtschaftet werden. Die Hochfeldstraße und Karl-Theodor-Straße soll geprüft werden.

gr

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