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Fahnen wie hier am Brauhaus sorgen in Tegernsee für Diskussionen am Ratstisch.

„Sind kein amerikanisches Straßendorf“

Stadtrat will wilder Werbe-Beflaggung Riegel vorschieben

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Flaggen und sogenannte Beachflags sind angesagte Modelle, wenn es um auffällige Werbung geht. Der Bauausschuss diskutierte darüber und schob bei einem neuen Fall den Riegel vor.

Tegernsee – Sie wehen inzwischen vor vielen Geschäften und an immer mehr Häusern: Bunte Fahnen an hohen Masten, aber auch kleinere Beachflags, die täglich zu den Laden-Öffnungszeiten einfach auf den Gehsteig gestellt werden. Immer wieder muss die Stadt über Anträge diskutieren und von Fall zu Fall entscheiden. Dabei hat sie eine Werbegestaltungssatzung (aus dem Jahr 1994), in der klar geregelt ist, dass „für jedes Geschäft oder jeden Betrieb nur zwei Werbeanlagen am Ort der Leistung angebracht werden dürfen.“

Der Bauausschuss musste sich jetzt mit einem Antrag für die Errichtung von zwei Werbeanlagen an Fahnenmasten vor den Tegernsee Arkaden befassen. Genauer gesagt: Um die nachträgliche Genehmigung, denn vor dem Gebäude an der Bundesstraße sind schon seit Längerem zwei Fahnenmasten aufgestellt, bisher ohne behördlichen Segen. Bei genauerem Hinsehen stellt man sogar fest, dass der Stoff bereits wieder eine Erneuerung bräuchte.

Bauamtsleiterin Bettina Koch fasste den Fall zusammen: Es handle sich um zwei sechs Meter hohe Masten, an denen jeweils 1,20 mal 3,50 Meter große Werbeflächen wehen. Koch verwies auf die geltende Satzung und gab das Argument der Antragsteller weiter: Die Fahnen an den Masten sollen für bessere Aufmerksamkeit der Passanten sorgen, so die Herzogliche Hauptverwaltung, Besitzer der Tegernsee Arkaden.

„Ein schwieriges Thema“, fand Rudolf Gritsch (CSU) und verwies auf die Fahnen, die gleich daneben vom neuen Brauerei-Gebäude wehen: Weißblau rahmen sie zudem den Werbe-Schriftzug an der Hauswand ein. Kein Wort verlor der Bauausschuss allerdings darüber, dass diese Fahnen offenbar ebenfalls noch nicht genehmigt sind. „Das müssen wir noch prüfen“, sagt Rathauschef Johannes Hagn (CSU) auf Nachfrage. „Die Brauhaus-Fahnen stören mich dort nicht, sie bilden eine Einheit“, fand Gritsch. Er stellte die noch immer geltende Satzung der Stadt in Frage und bezweifelte, ob sie den aktuellen Bedarf an Werbung überhaupt noch widerspiegle. Sein Vorschlag: Die Entscheidung über den aktuellen Antrag zurückstellen und die Satzung überarbeiten. Peter Hollerauer (FWG) pflichtete ihm bei: „Die Brauerei-Beflaggung schaut gut aus und ist anders zu bewerten als etwa rote Flaggen, die wir am Medius erlauben“, sagte Hollerauer.

Martina Niggl-Fisser (Bürgerliste) war anderer Meinung: Sie sei für einen restriktiven Umgang mit Werbeanlagen, „sonst wird das ganze Straßenbild zerfleddert. Wir sind doch kein amerikanisches Straßendorf“, sagte sie. Ihr Vorschlag: Die Satzung beibehalten und von Fall zu Fall entscheiden.

Hagn gab seine Meinung kund: „Wir müssen schon aufpassen, dass wir uns den Ort nicht vollklatschen mit Werbung.“ Wenn jeder einen Masten aufstelle, dann würde man bald kein Haus mehr sehen. Er sei für eine enge Auslegung der Satzung. Im konkreten Fall hätte er jedoch die Möglichkeit gesehen, die Fahnenmasten zu genehmigen: Der Antragsteller müsste zusichern, dass keine weiteren Fahnen dazu kommen. Es half nichts: Am Ende wurde der Antrag mit der Mehrheit und nur gegen die Stimmen von Rudolf Gritsch und Peter Hollerauer abgelehnt.

Weitere Werbung wurde dann zugelassen: Yachtclub und Fischerei dürfen ein knapp anderthalb Meter hohes und ebenso breites Holzschild an der Straße aufbauen, auf dem sie gemeinsam werben. Dafür war der Bauausschuss einstimmig. Wegen einer weiteren, 1,17 mal zwei Meter großen Werbeanlage an der südlichen Fassade des Restaurants „See la vie“ muss sich der Yachtclub als Antragsteller eine Alternative überlegen und diese mit der Verwaltung besprechen. Die Aufschrift am Haus erschien dem Ausschuss zu wuchtig.

gr

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