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Auf den Spuren des Seelaubs können Spaziergänger in Tegernsee unter anderem flanieren. 

Enttäuschung für ATS

Stadtwanderweg findet in Tegernsee keine Mehrheit

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Einen zertifizierten Stadtwanderweg für Tegernsee empfiehlt der Tourismusverband Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS). Doch der Stadtrat winkte ab.

Tegernsee– Über etliche Spazierwege verfügt die Stadt Tegernsee bereits – allesamt sind sie gut beschildert. Auch dem grünen Seelaub können Flaneure folgen. Jetzt hat der Tourismusverband Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) die Idee vorgelegt, einen zertifizierten Stadtwanderweg auszuarbeiten. Doch wie sich jetzt im Stadtrat gezeigt hat, führt da kein Weg hin.

Schon im Ortsplanungsausschuss konnte der Vorschlag nicht begeistern. Weil man das Thema aber nicht so ganz vom Tisch wischen wollte, musste sich jetzt das komplette Ratsgremium damit befassen. Grundidee war, vor allem Übernachtungsgästen auch in Talnähe eine attraktive Route auf bestehenden Wegen anzubieten und dabei die lokale Gastronomie und am Weg liegende Geschäfte im Ort daran teilhaben zu lassen. Der Weg, so die ATS, sollte die Schönheiten der Stadtarchitektur mit den Schönheiten der Natur im Stadtumfeld verknüpfen und ein Lenkungs- und Leuchtturmprojekt vor allem für die Übernachtungsgäste sein. Mit einem Piktogramm, ähnlich dem des Fernwanderwegs „die Alpenüberquerung“, wäre der Weg auf die bestehenden gelben Wanderschilder aufgebracht worden. Das typische Tegernseer Seelaub, so der Vorschlag der ATS, hätte als Logo integriert werden können.

Stadtwanderweg Tegernsee mit Start am Bahnhof

Die ATS hätte diesen Weg mit Start am Bahnhof für die Stadt konzipiert, im Vorfeld begangen, die Schilder und Aufkleber bestellt, nutzerfreundlich nach den Kriterien ausmarkiert, ein Printprodukt erstellt, sich um die digitale Verbreitung des Produkts gekümmert und die Zertifizierung durch das Deutsche Wanderinstitut beauftragt und begleitet. Gekostet hätte das insgesamt rund 6300 Euro.

„Wir haben schon etliche Wanderwege“, meinte Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) und führte den Seelaub-Rundweg, die Idee der Geschäftsleute, an. Dieser müsse ohnehin weiter ausgebaut werden. Dann gebe es auch den Literatur-Tourenwanderweg, der vom Bundes-Wirtschaftsministerium mit 100 000 Euro bezuschusst werde. Er hielt daher wenig davon, den „Schilderwald“ weiter zu vergrößern.

ATS enttäuscht über Ablehnung des Stadtwanderwegs Tegernsee 

Auch Peter Hollerauer (FWG) war kritisch – schon allein wegen der mindestens 500 Höhenmeter, die auf dem Rundweg zu bewältigen wären. „Das ist nichts für unsportliche Gäste“, fand Hollerauer. Anton Lengmüller (FWG) war ebenso skeptisch. Es seien schon etliche Wege ausgewiesen worden.

Thomas Mandl (SPD) war hingegen dafür, das Angebot weiterzuverfolgen. Das wäre ein Projekt, mit dem man werben könnte, fand Mandl. Man sollte nicht immer in Schablonen denken, sprich: sich durchaus auf mehrere Modelle einlassen. Zweiter Bürgermeister Heino von Hammerstein (Bürgerliste) war dafür, die Kulturführer der Stadt in die Beratungsphase einzubeziehen und dieses Thema weiter zu verfolgen.

Hagn schlug vor, das Thema Wege in eine Hand zu geben – Stadtrat Rudolf Gritsch (CSU) habe sich dafür bereit erklärt. Mehrheitlich wurde bei drei Gegenstimmen beschlossen, auf das Angebot der ATS nicht einzugehen und auf einen zertifizierten Stadtwanderweg zu verzichten.

Holger Wernet, der unter den Zuhörern saß und das Angebot für die ATS ausgearbeitet hatte, reagierte enttäuscht auf die Ablehnung: In Fischbachau sei ein ähnliche Idee mit dem zertifizierten Premiumweg Leitzachtaler Bergblicke von der ATS umgesetzt worden. „Dieser Talweg“, so erklärt Wernet auf Nachfrage unserer Zeitung, „ist bei Downloads und Klickraten auf der Webseite einer der erfolgreichsten des Landkreises.“

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