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Liest heuer zum zehnten Mal im Bräustüberl die Leviten: Nico Schifferer als Bruder Barnabas.

Fastenprediger Nico Schifferer liest beim zehnten Starkbierfest im Tegernseer Bräustüberl wieder die Leviten

Fastenprediger im Interview: „Die schwierigste Linie ist die Gürtellinie“

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Am 21. und 22. März steigt im Tegernseer Bräustüberl zum zehnten Mal das Starkbierfest und Derblecken mit Fastenprediger Nico Schifferer. Ein Interview im Vorfeld.

Tegernsee Was den Münchnern ihr Nockherberg, ist den Tegernseern ihr Starkbierfest im Bräustüberl. Seit zehn Jahren liest Nico Schifferer (65), der jahrzehntelang im Tal gelebt hat, als Bruder Barnabas Politikern und Promis, Einheimischen und „Zuagroasten“ die Leviten. Mal ist er richtig grantig, mal lustig und spontan. Im Interview beschreibt der Fastenprediger, warum er sich immer wieder aufs Neue auf seine Aufgabe freut.

-Herr Schifferer, geht Ihnen nach so vielen Jahren eigentlich nie die Inspiration aus?

Nein, denn die Inspiration liefern ja diejenigen, die am Festabend vor mir sitzen. Es ist schon eine gewaltige Aufgabe. Du sollst einerseits die Dinge klar ansprechen und die Leute derblecken, den Finger in die Wunde legen, andererseits aber keinen beleidigen, was bei den vielen selbstherrlichen Leuten manchmal schwer ist. Das ist ähnlich der Quadratur des Kreises. Nehmen wir mal die Bauerei im Tal. Mir will sich nicht erschließen, warum jede Baumaßnahme so brutal ‘gaach’ sein muss und jedes Projekt ein Konfliktherd. Das wird immer Thema für mich sein. Und das ist natürlich nicht immer zwingend lustig.

-Welche Geschichte hat Sie in zehn Jahren am meisten genervt?

Vielleicht sollten Sie besser fragen, was mich richtig traurig macht. Es ist die Tatsache, dass es nach unfassbaren zehn Jahren immer noch die gleichen Themen sind. Nehmen wir das Jodschwefelbad. Ein Wahnsinn, wann das gekauft wurde und wie ‘zaach’ das weitergeht. Nehmen wir Kaltenbrunn mit seinem 134. Geschäftsführer und den Millionen, die da verbaut wurden, der Näheverlust zum Bürger. Es sind leider häufig die gleichen Themen.

-Über was haben Sie sich besonders gefreut?

Es fällt mir richtig schwer, eine positive Story zu finden, abgesehen von ein paar echt mutigen und erfolgreichen Geschäftsleuten. Wenn ich mir zum Beispiel vorstelle, was für ein Kaliber an Landrat wir hatten, und welchen „Verwalter“ wir mit dem Wolfgang Rzehak jetzt haben. Das ist nicht so einfach. Dass der Maximilian in Gmund jetzt saniert und auch noch in einheimischem Besitz ist, freut mich, als ehemaliges Gmunder Schulkind, allerdings sehr. Mir müsste nur mal jemand erklären, warum das 35 Jahre gedauert hat.

-Sind Sie nach einer Fastenpredigt jemals von jemandem persönlich angegangen worden? War da mal eine Halbe Bier zur Besänftigung nötig?

Nein, da war nie ein Bier nötig. Im Gegenteil: In all den Jahren ist nie einer gekommen, der sich echt beschwert hat. Manche sind sicherlich nicht ’amused’, aber dann dürfen sie eben nicht in die Politik gehen. Mir würde es jedoch gut gefallen, wenn mal einer käme und mir direkt ins Gesicht sagt, ’Du Nico, das hättest aber nicht sagen sollen’. Die Leute schreiben lieber anonym. Jede bissige Kritik ist mir lieber als das hintenrum Anonyme.

-Wie würden Sie mit der Kritik umgehen?

Ich könnte gut damit umgehen. Kritik gehört in einem Geschäft dazu, da man selbst Kritik übt. Es ist ja so, dass das alles wahr ist, was ich vorbringe. Zudem ist nicht jeder Vortrag von gleicher Qualität. Die Themen, die Fastenprediger ansprechen, liefern ausschließlich die Protagonisten. Wir erfinden ja keine Bauvorhaben, Gemeinderatsbeschlüsse oder Zitate. Da müssen die Herrschaften schon vorher achtgeben. Und so mancher sitzt während der Predigt drin und schwitzt und ist dankbar, wenn der Kelch an ihm vorübergeht. Es juckt mich unheimlich in den Fingern, deutlicher zu werden, weil es bei uns eine irrwitzige Konzentration an Fehlleistungen und Fehlentwicklungen gibt. So deutlich wie heuer hat’s übrigens noch nie gejuckt. Aber, es gilt wie immer: Die schwierigste Linie ist die Gürtellinie.

-Gibt’s etwas in Ihren Fastenpredigen, das Sie echt bereuen?

Nein, da gibt es nichts. Ich hab’ ja so viel Zeit in der Vorbereitung. Das würde dann höchstens meine spontanen Stegreif-Geschichten betreffen.

-...die die Leute richtig gut finden.

Der Barnabas hat mich da richtig im Würgegriff, weil Nico Schifferer eigentlich ein Stand-Up-Comedian ist. Er ist ein Stegreif-Künstler. Im Manuskript des Barnabas ist alles drin, bis aufs Komma. Und das gibt es bei Nico Schifferer normalerweise nicht mal im Ansatz. Stegreif mach’ ich dann, wenn etwas aus dem Auditorium kommt. Da alles aber live übertragen wird, ist es gefährlich, zu viel Stegreif zu machen. Das ist eine Gratwanderung.

-Also wird der Barnabas heuer wieder ernst?

Nun, diejenigen, die gerne lachen dürfen ruhig kommen, denn auch die werden auf ihre Kosten kommen. Aber früher gab es mehr zu lachen. Das liegt natürlich auch an den Personen. Was mich am meisten ärgert, ist die Feigheit mancher Abgeordneter oder Verwaltungen, manchmal klare Kante zu zeigen, auch wenn es unpopulär ist. Das Lieblings-Hideaway ist das Deutsche Baurecht und die bayerische Bauordnung, hinter der man sich nur zu gerne versteckt.

-Müssen Sie Ihre Rede der Herzogin Anna oder Bräustüberl-Wirt Peter Hubert vorlegen?

Nein! Es hat mich noch nie jemand aufgefordert, den Text vorzulegen. Da hab’ ich völlige Freiheit. Andererseits wäre das sofort ein Grund für mich aufzuhören. Jetzt ist es neun Jahre lang gut gegangen, zudem ich hab’ nicht vor, jemanden platt zu machen.

-Steht das Manuskript schon?

Die Vorbereitungen laufen das ganze Jahr über. Die Dinge werden an mich herangetragen, ich bekomme Mails, Anrufe, anonyme Tipps. Grundsätzlich ist es nicht so, dass sich der Barnabas die Themen aussucht. Die Themen suchen sich den Barnabas aus. Und ja, das Manuskript steht im Grundgerüst. Eine derartig umfassende Rede können Sie nicht am Vortag beginnen.

-Aber gefeilt wird bis zum Schluss.

Bis zur letzten Stunde. Im vergangenen Jahr war beispielsweise kurz vor der Aufführung noch die Gerichtsverhandlung in Sachen Spielbankabgabe. Da hab’ ich bis zuletzt versucht, Infos zu bekommen. Der Barnabas ist wach bis zur letzten Minute vor dem Auftritt.

-Müssen sich die Besucher auf viel Groko einstellen oder konzentrieren Sie sich doch mehr aufs Tal?

In der heutigen Zeit kann, darf und sollte man die aktuellen großpolitischen Dinge nicht weglassen. Geht ja auch gar nicht, denn auch hier im Tal gehören wir in einen größeren Kontext. Zumindest, sollten sie in einem Nebensatz vorkommen. Barnabas hat die Aufgabe, Dinge satirisch anzusprechen. Ob ein Trump oder ein Schulz drankommen, weiß ich noch nicht, denn beide sind so fürchterlich unwichtig. Ich hab’ immer meine Reise begonnen am Tegernsee und hab’ dann einen Blick hinaus geworfen über den Tellerrand. Das wird auch diesmal wieder so sein.

-Mögen Sie eigentlich Starkbier?

Ich sehe dem Termin mit ’entsetzter Vorfreude’ entgegen, weil ich aufgrund einer Erkrankung seit drei Monaten keinen Alkohol getrunken und eine OP hinter mir habe. Mein Ur-Ur-Großvater war Braumeister beim Herzog. Ich hab’ also eine große Affinität zu Bier, wie man leider auch sieht. Ich liebe das Starkbier wirklich sehr und hoffe auf eine gewaltige Wirkung.

Das Starkbierfest

Das Starkbierfest im Tegernseer Bräustüberl steigt für geladene Gäste am Mittwoch, 21. März, ab 18 Uhr. Für die Öffentlichkeit dann am Donnerstag, 22. März, ab 18 Uhr. Redebeginn ist jeweils um 20 Uhr. Karten gibt’s für zwölf Euro im Bräustüberl.

gr

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