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Blechlawinen am Tegernsee: Am Sonntag waren wegen des Tags der Blasmusik auf Gut Kaltenbrunn sogar die Wiesen vollgeparkt. Sie sind sonst allerdings nicht für Autos freigegeben, was den Parkdruck weiter erhöht. 

Nach der Verkehrslawine am Wochenende

Lösungen zum Verkehr: „Der große Wurf wird nicht kommen“

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Nach dem Stau ist vor dem Stau: Was Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn zum Thema Verkehrsentwicklung sagt.

Tegernseer Tal – Eine schier endlose Blechlawine schwappte am Wochenende ins Tal und den ganzen Landkreis Miesbach – und am Sonntagabend wieder hinaus. Kann das so weitergehen? Welche Lösungen gibt es? Wie können Kommunen dem Verkehr Herr werden? Wir haben bei Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) nachgefragt, welche Ansätze es gibt.

Herr Hagn, hat der Verkehr tatsächlich zugenommen, oder ist das nur eine subjektive Empfindung?

Die Zahlen sprechen dafür, dass der Verkehr insgesamt auf extrem hohem Niveau stagniert. Messungen werden alle fünf Jahre gemacht und sind 2020 wieder fällig. Aus den verschiedensten Gründen kommen die meisten Leute trotz guter Anbindung nicht mit der BOB, sondern mit dem Auto. Unser Hauptproblem ist der massive Verkehr an schönen Ausflugstagen, hier nach meiner subjektiven Wahrnehmung vor allem die Tagesgäste aus dem Großraum München.

Besprechen Sie das Thema Verkehr regelmäßig mit Ihren Kollegen?

Natürlich sprechen wir darüber. Die Unterlagen zum Verkehr reichen bei uns im Rathaus bis 1920 zurück, alle meine Vorgänger waren mit dem Thema konfrontiert. Es gibt die verschiedensten Untersuchungen und Konzepte seit den 1990er-Jahren.

Die Folgen des Mega-Ansturms und das Problem für Rettungskräfte

Wird konkret etwas unternommen?

Der große Wurf wird nicht kommen, dazu ist das Problem zu komplex, denn den fließenden Verkehr können wir so gut wie nicht beeinflussen. Vorschläge wie Busspuren scheitern am Platz, vorrangige Ampelschaltungen bringen also auch nichts. In Tegernsee versuchen wir, den ruhenden Verkehr zu steuern.

Das heißt?

Wir setzen derzeit ein Parkkonzept um, zu dem als dickster Brocken eine Tiefgaragenerweiterung gehört. Wir intensivieren die Parküberwachung und die Bewirtschaftung öffentlicher Parkplätze, in bestimmten Bereichen werden noch Anwohnerparkzonen geschaffen. Der radikalste Schritt wäre sicherlich, im ganzen Tegernseer Tal keine öffentlichen Tages-Parkplätze für Tagestouristen mehr zur Verfügung zu stellen.

Müsste das Thema nicht von höherer politischer Stelle angepackt werden?

Man kann den Leuten nicht verbieten, eine Bundesstraße zu benutzen. Und eine Maut wird nichts bringen, denn die wird man sich leisten. Fest steht, wir brauchen eine ganz große Debatte. Es geht nämlich nicht nur um den Stau hier, sondern auch um den Stau anderswo. Man sehe sich nur die Situation am Walchensee an. Solange jeder für sich Mobilität an jeden Ort und zu jeder Uhrzeit beansprucht und das Auto die Heilige Kuh der Deutschen bleibt, wird sich, fürchte ich, nichts Grundlegendes ändern.

Bergwacht Rottach-Egern war im Dauereinsatz

Es werden sicherlich viele Vorschläge an Sie herangetragen, etwa für einen Tunnel.

Der scheitert nicht nur an der Bodenbeschaffenheit hier, sondern auch daran, dass die Kommunen die Kosten angesichts anderer Aufgaben nicht stemmen könnten. Außerdem kommen dann ja wieder mehr Autos, weil der Verkehr dann ja fließt. Bei jeder Maßnahme muss man sich fragen: Verschärfe ich letztlich nicht das Problem? Alleine die sinnvolle Elektrifizierung der Bahnstrecke bis Schaftlach wird den Gesellschaftern der Tegernsee Bahn erhebliche finanzielle Anstrengungen abverlangen.

Was gibt es für realistische Ansätze?

Das Wichtigste ist, dass jeder selbst zum Akteur wird und sich überlegt, wo er aufs Auto verzichten kann. Gerade versuchen wir Bürgermeister, die Schifffahrt in das ÖPNV-Gesetz zu bekommen, um hier Mittel zur Ausweitung des Angebots zu erhalten. Kernfrage ist für mich: Wie erreichen wir, dass der Tagestourist nicht mit dem Auto kommt. Wir müssten hierfür den ÖPNV stärken und für eine gute und verlässliche Anbindung sorgen. Die Zuverlässigkeit der BOB in der letzten Zeit stimmt mich hier leider nicht positiv. Insbesondere scheint mit den neuen Zügen das Problem der Mitnahme von Fahrrädern ungelöst. Hier müssen wir konsequent weiter ansetzen.

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gr

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