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Geretteter im Fokus: Mit der beispiellosen interkontinentalen Bergrettungsaktion von Gert Judmaier (Szene auf der Leinwand) befasst sich „Still Alive – Drama am Mount Kenya“. Das Regiedebüt der Bergsteigerlegende Reinhold Messner wurde im Barocksaal mit dem Hauptpreis des 15. Internationalen Bergfilmfestivals ausgezeichet.

Stille Helden und leise Töne

Finale im Bergfilmfestival: Reinhold Messner gewinnt mit Regiedebüt

Mit einem stillen Beitrag ohne Pathos und Heldentum hat sich Bergsteiger-Legende Reinhold Messner den Hauptpreis des Tegernseer Bergfilmfestivals gesichert: „Still Alive – Drama am Mount Kenya“.

Tegernsee – Es war „der Film, der alle anderen Filme überragt hat“, betonte Festivalleiter Michael Pause am Samstagabend bei der Preisverleihung des 15. Bergfilmfestivals im Barocksaal: Kein Geringerer als der große Alpinist Reinhold Messner, der selbst nicht vor Ort war, wurde für seine eindrucksvolle Produktion „Still Alive – Drama am Mount Kenya“ ausgezeichnet. Er erzählt in einer Komposition aus Archivmaterial, Zeugenberichten zweier überlebender Alpinisten und nachgespielten Szenen von einer – damals unvorstellbaren – Rettungsaktion aus dem Jahr 1970, einem unbändigen Überlebenswillen und von Vaterliebe. Die Jury begründete die Entscheidung mit „einer schnörkellosen Dramaturgie und dem Verzicht auf hohes Pathos und Heldentum am Berg. Von Anfang bis Ende glaubwürdig und ergreifend“. Anekdote am Rande: Der bei der Preisverleihung anwesende Protagonist des Films, Gert Judmaier, erzählte, dass er damals mit Reinhold Messner, dem 1970 am Nanga Parbat sieben Zehen erfroren waren, im gleichen Krankenzimmer lag. Der Große Preis ist mit 3000 Euro dotiert.

Über 6000 Zuschauer aus aller Welt hatten in den vergangenen Tagen in den sechs stets gut besuchten Sälen eine Auswahl hochkarätiger Filme gesehen. Die Liebhaber der Berge und ihrer atemberaubenden Natur konnten sich der Schönheit der alpinen Welt mit all ihren Unabwägbarkeiten und Gefahren hingeben, ohne auch nur einen einzigen Höhenmeter zurückzulegen. Die Bergfilmer hatten das für sie übernommen. Pause leitete den Festabend mit ein paar Zahlen ein: 180 eingereichte Filme, 85 davon im Programm, 40 Vorstellungen, 120 Helfer hinter den Kulissen. Sie zeugen nur annähernd von der Komplexität und logistischen Größe der Veranstaltung. Pause stellte die besondere Aufgabe der Jury heraus, den gruppendynamischen Prozess, die Anstrengung, und es sei kein Wunder, dass es manchmal auch „knirsche“. Jedoch wurden ohne große Diskussionen einstimmige und klare Entscheidungen getroffen. Leichte Kritik kam durch, als die Jury bemerkte, dass die Filme manchmal von zu viel Musik „niedergemacht“ würden.

Gratulation: Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn (l.) und Festival-Direktor Michael Pause (r.) beglückwünschen das „Still Alive“-Team mit (v.l.) Produzent Ewerhart Engels, Walter Spitzenstätter, 1970 einer der Retter, Gerd Judmaier und Hans Peter Stauber, der mit Reinhold Messner Regie führte.

Die Jury belohnte lieber Filme, die aus sich selbst heraus eindrücklich sind. Ohne Pathos, mit schlichten Bildern und einer großen Botschaft, überzeugte etwa die südkoreanische Produktion „Becoming who I was“ in der Kategorie „Lebensraum“ (dotiert mit 1000 Euro). Chang-Yong Moon und Jin Jeon erzählen von einem kleinen Jungen, der mit seinem Onkel von Ladakh nach Tibet wandert, um seine Bestimmung zu finden. Sie zeigen in einer bewegenden Story und starken und ruhigen Bildern, wie Zuneigung und Vertrauen zwischen zwei Menschen wachsen können.

Den mit 1000 Euro verbundenen Bergzeit-Preis in der Kategorie „Naturraum Berg“ gewann die französische Produktion „Dessine-moi un chamois“ (deutsch: „Zeichne mir eine Gams“) von Véronique, Anne und Erik Lapied, die dem Zuschauer das Hochgebirge mit den Augen eines kleinen Jungen zeigen. Hierzu wurde die eindrucksvolle Gleichung „90 Minuten Film = 300 Tage drehen“ aufgestellt.

Der Preis des Deutschen Alpenvereins für den besten Alpinfilm der Kategorie „Erlebnisraum Berg“ ging an den ebenso kurzen wie eindringlichen Streifen „Last Exit“ (Deutschland). Hier zeigen Regisseur Puria Ravahi und Hauptdarsteller Maximilian Werndl den letzten Sprung eines Basejumpers, der wegen des Leidens und der Angst seiner Mutter und seiner Freundin und aus eigener Vernunft seine Sucht nach dem Risiko überwindet. Mit dem Otto-Guggenbichler-Nachwuchspreis (1000 Euro) wurde der erfrischend andere und witzige Streifen „A mords Sauhaufen in an z’kloan Zelt“ von Simon Platzer, Johannes Hoffmann und Jakob Schweighofer (Österreich) bedacht.

In der Gunst der Besucher stand „Symphony on Skis“ von Carla Braun-Elwert (Neuseeland) ganz oben, heimste den mit 1000 Euro dotierten Publikumspreis ein und bekam von der Jury eine der „lobenden Erwähnungen“ (undotiert). Letztere erhielten auch Dave O’Leskes „Dirtbag: The Legend of Fred Beckey“ (USA), Pavol Barabáš’ „Sloboda pod nákladom – Freedom under Load“ (Slowakei) sowie „Dhaulagiri“ von Cristián Harbaruk und Guillermo Glass (Argentinien). Den Kleinen Preis des Festivals (500 Euro), den Publikumspreis für den besten Kinder- und Jugendfilm, erhielt „Heimliche Helden – Keas in Neuseeland“ von Volker Arzt und Angelika Sigl (Deutschland).

Reinhold Schmid

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