Zahlreiche Schilfmatten haben Arbeiter diese Woche in der Schwaighofbucht ausgebracht. Andreas Holderer (l.) vom Wasserwirtschaftsamt und Stefan Neubert von der Flussmeisterstelle Miesbach begleiteten die Maßnahmen vor Ort.
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Zahlreiche Schilfmatten haben Arbeiter diese Woche in der Schwaighofbucht ausgebracht. Andreas Holderer (l.) vom Wasserwirtschaftsamt und Stefan Neubert von der Flussmeisterstelle Miesbach begleiteten die Maßnahme vor Ort.

Renaturierung hat begonnen

Streit um Schwaighofbucht: Jetzt soll Schilf über die Sache wachsen

  • Gabi Werner
    VonGabi Werner
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Jahrelang hat der Schlamm in der Schwaighofbucht Politik und Behörden beschäftigt. Nun hat das Wasserwirtschaftsamt mit der Renaturierung begonnen. Ist damit der Streit beendet?

Tegernsee – Anfang dieses Jahres hatte der Verein „Rettet den Tegernsee“ seinen Kampf um die Beseitigung des Schlamms und die Wiederherstellung der Schwaighofbucht als Badeplatz endgültig verloren geben müssen. Im Januar erklärte der Tegernseer Stadtrat ein dazu angestrengtes Bürgerbegehren für unzulässig, im März stimmte er den Vorschlägen des Wasserwirtschaftsamts Rosenheim (WWA) zu, den Uferbereich stattdessen naturnah zu gestalten.

Auf den schlammigen Flächen wurden Schilfmatten ausgebracht

Jetzt haben die Maßnahmen begonnen: Auf rund 400 Quadratmetern zwischen dem Ruderclub-Steg und der Rottach-Mündung – im Prinzip überall dort, wo der Schlamm sichtbar war, – haben Arbeiter so genannte Schilfmatten ausgebracht. „Man kann sich das vorstellen wie eine Art Rollrasen“, erläutert Andreas Holderer, der für den Landkreis Miesbach zuständige Abteilungsleiter am Wasserwirtschaftsamt. Die Matten sollen in den nächsten Wochen und Monaten Wurzeln schlagen, das Schilf üppig nach oben wachsen. Holderer ist überzeugt: „Wir geben hier der Natur ein kleines Stück zurück.“ Badeplätze gebe es relativ viele rund um den See, die Schwaighofbucht solle künftig Lebensraum für Vögel und Fischbrut sein.

Auch eine Aussichtsplattform für Besucher könnte kommen

Bis das Schilf richtig angewachsen ist, wird ein Wildzaun vor einem zu frühen Betreten der Zone schützen – später sind Naturbeobachter aber durchaus willkommen. Neben der Bepflanzung der Uferbereiche mit standorttypischen Gehölzen im Herbst ist laut Holderer in Zusammenarbeit mit Stadt und Seenverwaltung auch die Schaffung einer Aussichtsplattform angedacht. Allerdings nur dann, wenn sich die bereits geäußerte Sorge der Anlieger zerstreuten lässt, dass ihnen die Besucher künftig ins Schlafzimmer schauen werden. „Wir wollen nicht mit Gewalt Ärger produzieren“, betont der Abteilungsleiter.

Den gab es in der Vergangenheit rund um die Schwaighofbucht zur Genüge. Andreas Scherzer, Vorsitzender des Vereins „Rettet den Tegernsee“, sieht auch jetzt, da die Zukunft der Schwaighofbucht besiegelt ist, das Konfliktpotenzial noch nicht ausgeräumt.

Andreas Scherzer fürchtet Verschlechterung der Wasserqualität

„Wir wissen nicht, ob dieser künstliche Eingriff gut geht“, sagt Scherzer mit Blick auf die Maßnahmen des Wasserwirtschaftsamts. Diese seien von Menschenhand gemacht und von der Natur so nicht gewollt. Scherzer prophezeit: Die Wasserqualität werde sich durch die Schaffung der Schilfzone und die damit verbundene Ansiedlung von allen möglichen Vögeln an dieser Stelle und auch im benachbarten Warmbad verschlechtern. Stichwort: Zerkarien. „Wir werden die Wasserwerte in absehbarer Zeit prüfen lassen“, kündigte Scherzer an, der sein Engagement mit dem Verein „Rettet den Tegernsee“ mitnichten an den Nagel hängen möchte. Man werde sich künftig auch wieder verstärkt um die Thematik Hochwasserschutz kümmern, sagt der Vorsitzende. Hier sei bisher von den zuständigen Kommunen und Behörden „null erreicht“ worden.

Wasserwirtschaftsamt: Wollen Natur am See fördern

Holderer widerspricht den Aussagen Scherzers zur Verschlechterung der Wasserqualität vehement. Das Gegenteil sei der Fall. „Das Schilf trägt eher dazu bei, dass die Qualität noch besser wird.“ Hier stehe eine naturnahe Gestaltung („Wasservögel und Fische gehören nun einmal zum See dazu“) dem Wunsch nach einem intensiv genutzten Badestrand gegenüber. Zudem, so betont Holderer, verfüge der Tegernsee von Haus aus über eine gute Wasserqualität, die vom Gesundheitsamt auch regelmäßig überprüft werde. „Unsere Aufgabe ist es“, betont Holderer, „die Natur am See zu fördern“. Man habe den Prozess der Renaturierung zuletzt bewusst beschleunigt, um zu zeigen: „Jetzt muss es endlich mal gut sein.“

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