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Vor halbleeren Regalen stehen Iris und Rolf Ziesing in ihrer Tegernseer Mensa. In der Tiefkühlung wurde während der Ferien die Stromzufuhr unterbrochen, fast alle Lebensmittel mussten entsorgt werden.

Riesenpanne bei Bauarbeiten am Gymnasium Tegernsee

Stromausfall in der Tiefkühlung: Sämtliche Mensa-Vorräte müssen auf den Müll

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Was für eine Bescherung für die Mensa des Gymnasiums Tegernsee! Mitten in den Ferien ist in der Tiefkühlung der Strom ausgefallen. Die Lebensmittel waren nicht zu retten: Hunderte Kilo landeten auf dem Müll.

Tegernsee – „Das hat wirklich weh getan“, sagt Iris Ziesing und seufzt. Seit knapp zehn Jahren betreibt die 55-Jährige gemeinsam mit ihrem Mann Rolf mit viel Herzblut die Mensa am Gymnasium Tegernsee. Kurz vor Schulstart mussten die beiden nun den gesamten Inhalt ihrer beiden Tiefkühlhäuser in die Tonne treten. Heißt im Klartext: Etwa 1200 Kilogramm Lebensmittel landeten auf dem Müll – darunter allein 100 Kilo Spareribs, 45 Kilo Roastbeef, etwa 60 bis 70 Liter vorgekochtes Chilli. Waren im Wert von etwa 6500 Euro, schätzt Ziesing.

Was war passiert? Wie Schulleiter Werner Oberholzner auf Nachfrage der Tegernseer Zeitung berichtet, wurde im Zuge von Bauarbeiten am Gymnasium die Stromzufuhr für die beiden Kühlhäuser unterbrochen. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als alle Verantwortlichen im Urlaub weilten – er selbst und auch die Mensa-Betreiber.

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„Es ist derzeit absolut unklar, wer für den Ausfall verantwortlich ist“, erklärt Oberholzner. Die beteiligten Handwerksbetriebe, die aktuell die Toiletten-Anlagen der Schule erneuern, würden jegliche Schuld von sich weisen. „Es tut mir wahnsinnig leid für die Familie Ziesing“, meint der Direktor. Er hoffe inständig, dass die Mensa-Betreiber am Ende nicht auf dem finanziellen Schaden sitzen bleiben. „Die sind ja schon gestraft genug.“

Strom weg: Mensa-Betreiber bemerken Schlamassel erst nach einer Woche

Tatsächlich hatte der Vorfall für Iris und Rolf Ziesing ein paar unschöne Folgen. Die Stromzufuhr – so viel lässt sich dank Temperaturprotokoll mit Sicherheit sagen – wurde am 9. August unterbrochen. Erst eine knappe Woche später bemerkte die Familie das Dilemma und konnte die Versorgung wieder herstellen lassen. Für die tiefgekühlten Lebensmittel kam das zu spät. „Wir haben extra den Fachmann von der Lebensmittelkontrolle gefragt, ob da noch etwas zu retten ist“, erzählt Iris Ziesing. Doch der winkte ab. An einer Entsorgung der Waren führte kein Weg vorbei.

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Aber auch damit mussten die Mensa-Betreiber eine ganze weitere Woche lang warten. „Wir wussten nicht, ob sich die Versicherung das anschauen möchte“, sagt Iris Ziesing. Daher habe man die Lebensmittel vorläufig in der Kühlung belassen. Erst als klar gewesen sei, dass die Versicherung auf einen Augenschein-Termin verzichte, habe man alles dokumentieren, fotografieren, entsorgen und säubern können.

Landratsamt Miesbach hat Panne bei Bauarbeiten der Versicherung gemeldet

Doch wie geht’s nun weiter? Während die Ziesings zunächst einmal in Vorleistung treten und die Vorräte in der Kühlung allmählich wieder auffüllen, ist das Landratsamt Miesbach als verantwortlicher Bauherr mit der Aufarbeitung des Vorfalls beschäftigt. Laut Behörden-Sprecher Birger Nemitz wird derzeit untersucht, ob jemand den so genannten FI-Schalter im Zuge der Bauarbeiten aktiv ausgeschaltet hat oder ob dieser automatisch ausgelöst wurde.

Bei der Vorrichtung handelt es sich nach Angaben des Sprechers um einen Schutzschalter, der bei Baumaßnahmen gefährlich hohe Fehlerströme verhindern soll. „Wir haben den Vorgang schon unserer kommunalen Haftpflichtversicherung gemeldet“, teilt Nemitz mit. Bei der Wiedergutmachung des entstandenen Schadens zähle das Verursacherprinzip. Die in Frage kommenden Firmen seien dem Versicherer – der Versicherungskammer Bayern – bekannt.

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Unterdessen ist man in der Mensa des Gymnasiums darum bemüht, den Schülern ab nächster Woche wieder einen gewohnt vielseitigen Speiseplan anbieten zu können. In den ersten Tagen des neuen Schuljahres sei das Angebot aufgrund des Vorfalls noch eingeschränkt gewesen, räumt die Betreiberin ein. Immerhin müsse der komplette Inhalt der Kühlhäuser erst wieder neu beschafft werden. „Oft merken wir erst beim Kochen, was alles fehlt“, erklärt die 55-Jährige.

Den Schülern, die ihre Mensa vor allem wegen der ideenreichen und immer frischen Kost zu schätzen wissen, hat man die Situation erklärt. „Wir haben dafür vollstes Verständnis“, sagt Direktor Oberholzner.

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