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Florian Appel

Anhebung ab 1. Januar 

Strompreise steigen: „Das E-Werk Tegernsee ist kein Inselbetrieb“

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Bundesweit heben im Jahr 2020 örtliche Versorger die Strompreise an. Das Tegernseer E-Werk bildet da keine Ausnahme. Wir haben Vertriebsleiter Florian Appel dazu befragt. 

Tegernsee– Die Verbraucher zahlen auch beim Tegernseer E-Werk 2020 für die Grundversorgung bei einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden 5,3 Prozent mehr. Über die Gründe haben wir mit Florian Appel, Vertriebsleiter beim E-Werk Tegernsee, gesprochen.

Herr Appel, in früheren Jahren hat das E-Werk selten Preise angehoben. Geht das nicht mehr?

Preisstabilität ist ein hehres Ziel. Bis vor zwei Jahren haben wir es auch geschafft, mehrere Jahre lang preislich gleich zu bleiben. Wir sind sogar gegen den Trend teilweise günstiger geworden. Aber zu 80 Prozent kann ich als örtlicher Energieversorger den Bruttostrompreis nicht selbst beeinflussen. Wir versuchen alles, was wir können, um den Verbrauchen gute Preise zu bieten. Im bundesweiten Vergleich sind wir bei der Grundversorgung weiterhin einer der günstigsten Anbieter.

Warum braucht’s jetzt eine Erhöhung?

Es sind drei Komponenten, die uns dazu zwingen. Erstens steigt zum 1. Januar die Umlage zum EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz). Daneben gehen die Netzentgelte nach oben, auch die börsliche Strombeschaffung ist teurer geworden. Wenn uns die Börse nicht hilft, indem dort die Preise sinken, kann ich keine Preisgleichheit zum Vorjahr herstellen. Was der Kunde zahlt, hängt natürlich auch von seinem Stromverbrauch ab. Der durchschnittliche Verbrauch für einen Vier-Personen-Haushalt liegt bei 3500 Kilowattstunden im Jahr. In diesem Fall zahlt der Verbraucher 57 Euro mehr.

Orientiert sich das E-Werk bei der Preisgestaltung auch an anderen?

Nein, wir rechnen unsere Preise für uns selbst aus, sobald im Oktober die Bekanntgaben zum EEG, der anderen Abgaben und der Netzentgelte erfolgen. Natürlich schaut man gespannt, was andere machen. Aber wir tun nur, was wir tun müssen, um wirtschaftlich zu sein. Das E-Werk ist kein Inselbetrieb, für den die Marktbedingungen nicht gelten. Jeder Versorger muss die gleichen Steuern, Abgaben und Umlagen einsammeln und die gleichen Netzentgelte bezahlen. Auch der Stromeinkauf läuft bei jedem börslich.

Aber es gibt auch billigere Anbieter.

Beim Vergleichsportal Verivox sind Anbieter unterwegs, die den Kunden im ersten Jahr Hunderte von Euro nachwerfen. Das Geld holen sie sich danach mit Preiserhöhungen wieder. Allgemein führt dieser Dumpingwettbewerb dazu, dass bei steigenden Preisen an der Börse reihenweise Unternehmen insolvent gehen. Es ist frappierend, wie viele in den vergangenen beiden Jahren pleite gegangen sind. Das ist nicht die Spielwiese, auf der wir uns tummeln.

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