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Missionarin auf Zeit in Tegernsee: Maria Florencia Grismeyer (22) aus Argentinien.

Besuch in Tegernsee

Missionarin vom anderen Ende der Welt

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Walter Waldschütz hat schon viele junge Menschen als Missionare auf Zeit nach Argentinien gesandt. Jetzt ist eine junge Argentinierin hier, um in der Pfarrei zu helfen. 

12 000 Kilometer hat eine 22-jährige Jurastudentin zurückgelegt, um ihren Missionarsdienst in der Tegernseer Pfarrei anzutreten. Das liegt nicht nur an der Anziehungskraft des Tegernsees, sondern vor allem an der Entwicklungsarbeit, die der Tegernseer Pfarrer Monsignore Walter Waldschütz seit 25 Jahren in Argentinien betreibt. Da kommt Maria Florencia Grismeyer her, genauer: aus dem Kinderdorf der Walter-Waldschütz-Stiftung in Puerto Rico, einer Kleinstadt an der Grenze zu Paraguay in der nordöstlichsten Provinz des Landes namens Misiones.

Am Tegernsee will die 22-Jährige ihr Deutsch aufbessern und Land, Leute und Kultur kennenlernen. Zeit hat sie dafür genug. Grismeyer bleibt insgesamt zweieinhalb Monate. Es erwartet sie allerdings auch ein volles Programm. „Es ist viel. Manchmal vielleicht etwas zu viel“, gesteht der Monsignore ein. Nach ihrer Ankunft ging’s sofort zur Rorate – dem katholischen Morgengebet während der Adventszeit. Drei Christmetten feierte die Argentinierin mit. Seitdem hetzt Grismeyer zu Vorbereitungskursen für die Erstkommunion, kleidet Sternsinger ein und jetzt im Januar gibt’s noch ein Kindergartenpraktikum. 

Eigentlich will Grismeyer auch noch ein bisschen etwas vom Europa außerhalb des Tegernseer Tals erleben. Aber das hat noch Zeit, sagt Waldschütz. Erstmal tief in die Kultur vor Ort eintauchen, dann die große Welt. Im Moment sind die Menschen und das Leben im Tal spannend genug für die Argentinierin. „Alles ist so sauber hier“, wundert sich Grismeyer. Eigentlich ein Klischee, möchte man meinen. Aber gerade beim ersten Eindruck stimmen die Klischees. „Die Menschen hier haben einen starken Bezug zu ihrem Land.“ Auch das ist Maria aufgefallen. Die Trachten, das Essen, vor allem aber die Sprache. Dass man hier nicht „tschüss“ sagt, sondern „pfiadi“, hat die Argentinierin schnell gelernt. Und genau das soll sie – lernen, so viel aufsaugen wie möglich und mit nach Hause nehmen. Dort, so Waldschütz’ Hoffnung, sollen die Berichte der Studentin anderen jungen Argentiniern Lust auf die Reise machen. Bisher zieren sie sich. Grismeyer ist die zweite Missionarin auf Zeit in Tegernsee überhaupt. Der erste war ihr Bruder. Von deutscher Seite waren auf Waldschütz’ Vermittlung hin inzwischen 174 junge Missionare in Argentinien. Nicht nur als Unterstützer der Kinderdorfmütter, auch als Helfer bei Kolpingprojekten. Waldschütz: „Ich will, dass daraus ein gegenseitiger Austausch wird.“ Bis dahin wird es wohl noch ein längerer Weg sein. 

Für Grismeyer war die Entscheidung vorgezeichnet. Ihre Eltern arbeiten im Kinderdorf und haben jeweils einen deutschen Großvater, was übrigens ihren Familiennamen erklärt. Vielleicht fällt ihr das Deutschlernen deshalb so leicht. Grismeyer spricht einiges und versteht viel. Vielleicht liegt das aber auch an dem strengen Lehrer Waldschütz, der mit ihr jeden Morgen die Tegernseer Zeitung durcharbeitet. Und wenn sie die harte Tegernseer Schule einmal gemeistert hat, will Maria Grismeyer auf jeden Fall noch das Schloss Neuschwanstein sehen. Und dann München – und Paris. Heimweh hat Maria Florencia Grismeyer nach den ersten Wochen noch keins, gesteht sie. „Hier kümmern sich ja auch alle um einen. Und das ist eine einzigartige Chance.“ Vielmehr ist sie gespannt. Sie freut sich auf jeden Tag dieser zwei Monate Abenteuer, die noch vor ihr liegen.

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