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Die Betrachter gehen nah ran an Paul Floras Bilder – und sind damit gut beraten in der dritten Sonderausstellung mit Arbeiten des Zeichners im Gulbransson Museum.

Sonderausstellung: Paul Flora

Subtiler Humor, den es immer wieder zu entdecken lohnt

Bereits zum dritten Mal widmet das Tegernseer Olaf Gulbransson Muesum  Paul Flora eine Ausstellung. Ungeachtet dessen gibt es tatsächlich Neues zu entdecken. 

Tegernsee - Paul Floras zarte Striche sind von einer Kraft und Unendlichkeit, dass sie geradezu auffordern, sein Werk immer wieder neu zu entdecken. Bei der nunmehr dritten Ausstellung, die das Tegernseer Olaf Gulbransson Museum dem (Süd-)Tiroler Zeichner, Karikaturist, Grafiker und Illustrator widmet, gibt es obendrein noch tatsächlich Neues zu entdecken.

Noch nie gezeigt in einer der vielen internationalen Flora-Ausstellungen wurde „Das üble Alphabet“, eine Werkreihe von 1967/68. Sie besteht aus 26 Buchstaben, denen der Künstler auf minimalem Platz – nie größer als neun mal 13 Zentimeter – eine Persönlichkeit und ein Eigenleben gibt, obgleich eines mit negativer, schicksalhafter Konnotation. Man begegnet einem amputierten A, bei dem man sich unwillkürlich fragt, wo es denn sein Bein verloren haben mag. Die eindeutig zweideutig freiend an der Wand posierenden Brüste – die Bs – wissen darauf vermutlich keine Antwort. Vielleicht das magere, elende E, das von zwei fetten Es ein Almosen empfängt? Bestimmt aber die drei invaliden Is, die sich mit Krücken fortbewegen. Oder das Tränen vergießende J im Jammertal. Geschichten und Schicksale werden erzählt, und man ist gut beraten, ganz nah ranzugehen, um jede kleine Andeutung, jeden Strich zu erfassen. Denn er erzählt Bände. 

Auch darüber, wie verloren und klein sich mancher Dichter im frostig-kalten und tief verschneiten Buchstabenwald („Frustrierter Poet“) fühlen kann oder wie sich „schüchterne Talente“ kaum aus dem Buchstabenwald der unendlichen Möglichkeiten hervortrauen. Die beiden Werke lässt Sandra Spiegler, die die Ausstellung kuratierte, das „Üble Alphabet“ schützend umrahmen: ein kleine Geste, die zeigt, dass Flora bei Gulbransson gut aufgehoben ist. 

Wenngleich Flora bei Gulbransson an der Akademie als Student eingeschrieben war, lernten sie sich dort nie kennen: „Weil weder Schüler noch Lehrer in der Institution anwesend waren“, wie Flora selbst gern erzählte. Und weil beide den akademische Strukturen wenig zugeneigt waren. „Persönlich kennengelernt und angefreundet haben sich Flora und Gulbransson erst 1957“, erzählt in der Laudatio Thomas Seywald, Galerist und Floras Schwiegersohn aus Salzburg. Flora habe die Welt durchschaut und gleichzeitig Verständnis für die Fehler der Menschen und die Schwäche der Dinge gehabt. „Seine Striche umgeben seine Figuren wie ein schützendes Gewebe.“ Oder – so möchte man hinzufügen – er legt sie so dicht aneinander, dass Flächen und scheinbar organisch gewachsene Substanz entstehen. 

Wie in den Werken, die verwurzelte Tiroler Handwerker oder den Freiheitskämpfer Andreas Hofer zeigen: Während die napoleonischen Soldaten und die Bayern leer wirken, ist Hofer von komplexer, geradezu gewichtiger Präsenz. Dennoch, das betonte Ulrike Leutheusser von der Gulbransson Gesellschaft bei der Begrüßung der rund 100 Vernissage-Gäste: „Flora hat sich nie als Karikaturist gesehen, sondern als Zeichner.“ 

Warum, das zeigen die Blätter, die sich Venedig widmen. Wie sich seine Schemen im dichten Regen enthüllen („Piazetta“) oder aus dem Dunkel der Nacht herausschälen („Santa Maria della Salute“), ist sagenhaft atmosphärisch dicht. Reduziert durch Farbstift-Schraffuren, lässt Flora die Idee des bunten Karneval-Treibens aufkommen, durch winzige Deckweiß-Sprenkel lässt er es schneien. Freilich fehlen auch nicht seine berühmten Raben, mit denen Flora nur zu gern die Tauben der Lagunenstadt ersetzt gesehen hätte. Eine Idee, die seinem subtilen Humor entsprang, den es immer wieder Spaß macht zu entdecken.

Alexandra Korimorth

Die Ausstellung

ist bis 11. Februar im Gulbransson Museum zu sehen: außer montags täglich von 10 bis 17 Uhr.

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