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„Hier muss was passieren“, fordern die Vorstandsmitglieder. 

„15 Jahre sind genug gewartet“

Sumpfige Schwaighofbucht: Der Kampf um den Schlamm-Strand am Tegernsee

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60.000 Kubikmeter Schlamm haben sich über die Jahre in der Schwaighofbucht angesammelt. Seit über 15 Jahren kämpfen Nachbarn darum, dass etwas unternommen wird. 

Tegernsee – Wo öffentlich, ermöglichen meist gut zugängliche Kiesstrände das Baden im See. Nicht so in der Schwaighofbucht. Braunes Wasser, Schwemmgut und vor allem viel Schlamm sind alles andere als einladend. Am Ufer sind sogar Warnschilder angebracht.

60.000 Kubikmeter Schlamm haben sich über die Jahre hier angesammelt. Nachbarn kämpfen seit über 15 Jahren darum, dass etwas unternommen wird – allen voran Gertraud Eberwein, die bereits 2015 eine Interessensgemeinschaft gegründet und über 1200 Unterschriften zur Rettung der Schwaighofbucht gesammelt hat. 

Regelmäßig macht sie auf den schlimmen Zustand der Bucht aufmerksam, und irgendwie hat sie das Gefühl, „dass wir in Tegernsee-Süd vernachlässigt werden von der Stadt“.

Unterstützt wird sie vom Verein „Rettet den Tegernsee“, der immer wieder Dampf macht – bis hinauf zu Umweltminister Marcel Huber (CSU). „Wir möchten jegliche Möglichkeit nutzen, den Freistaat in seine Pflicht zu nehmen“, sagt Vereinsvorsitzender Andreas Scherzer. Er hat Briefe vorliegen, in denen Verständnis für das Problem kundgetan wird. Etwa von der früheren Umweltministerin Ulrike Scharf, die sich im September 2017 bei strömendem Regen ein Bild von der Lage vor Ort gemacht und dann formuliert hat: „Der Freistaat Bayern kann sich dem Problem Schwaighofbucht nicht entziehen.“

Für den Verein gibt’s nur eine Lösung: Schlamm ausbaggern. „Eigentlich geht’s nur um die Frage, wann damit begonnen wird und wer’s macht“, sagt der Vorsitzende.

Das Vorhaben ist aber nicht so leicht umzusetzen, wie Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) erneut deutlich macht: „Das ist keine Maßnahme, die man so schnell übers Knie bricht.“ Wie berichtet, liegen derzeit noch nicht ausreichend Gutachten vor, die das Vorhaben bewerten. Daher sei auch ein eigentlich schon vor den Sommerferien geplanter Workshop mit beteiligten Behörden und Organisationen noch nicht zustande gekommen.

„Das Problem liegt seit 2003 auf dem Rathaus-Tisch in Tegernsee.“

Dem Verein „Rettet den Tegernsee“ dauert das alles viel zu lange. „Das ständige Hin- und Herschieben der Verantwortlichkeit – vom Freistaat übers Umweltministerium, die Schlösser- und Seenverwaltung bis zum Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, der Stadt Tegernsee und der Wir-bilden-einen-runden-Tisch-Aussage – wird aus unserer Sicht verantwortungslos in die Länge gezogen“, klagt Scherzer. Und es sei auch unnötig. „Das Problem liegt seit 2003 auf dem Rathaus-Tisch in Tegernsee. 15 Jahre sind genug gewartet!“

Daher ergreift der Verein jetzt erneut die Initiative: Am Freitag, 14. September, veranstaltet er um 18.30 Uhr im Seeforum in Rottach-Egern zwar primär seine Jahresversammlung. Hauptthema wird aber die Schwaighofbucht sein. 

Fachleute sind eingeladen: Der promovierte Ingenieur Wolfgang Kron, ehemaliger Forschungsleiter zu hydrologischen Gefahren bei der Münchner Rückversicherungs-Gesellschaft, spricht über „Hochwasser immer schneller und regional mit größeren Schäden“. Joachim Schöchle von der Firma Söll Tec. erklärt, wie Entschlammung mit wenig Ausbaggern und neuer Technik möglich sein könnte. Auf die Zusage des Münchner Professors Peter Rutschmann, der über Flussmorphologie und Sedimenttransport referieren soll, wartet der Verein noch.

Auch die Tal-Bürgermeister sind eingeladen, Hagn hat bereits zugesagt. „Natürlich schaden solche Fachleute auf keinen Fall“, betont er. Ob sie die richtigen sind, könne er nicht beurteilen.

In der Schwaighofbucht wird sich wohl dennoch so schnell nichts tun. Trotzdem, so findet Gertraud Eberwein, könnte die Stadt an der ein oder anderen Stelle anpacken und „etwa den riesigen Hügel am Ufer entfernen, der immer mehr zur Müllhalde verkommt“. Hagn erklärt, warum der Hügel entstanden ist: „Es handelt sich um Material, das aus dem Wiesenbach stammt und im Rahmen des Gewässerunterhalts entnommen wurden. Die Maßnahme dauerte – mit Unterbrechungen – einige Zeit. Das Material musste liegen bleiben, bis es abgetrocknet war.“ Es könne erst entfernt werden, wenn es beprobt sei, „um die Art der Entsorgung bestimmen zu können“. Die Beprobung sei bereits in Auftrag gegeben.

Der Hügel, so Hagn, sei ein kleines Beispiel dafür, wie man selbst bei kleinen Maßnahmen des Gewässerunterhalts mit Aushub in Verbindung mit natürlichen, geogenen und auch sonstigen möglichen Umweltbelastungen, umgehen müsse.

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