Blauer Koloss mit vielen Vorteilen: Die Diesellok TAG 12, Baujahr 1960, gehörte einst der Tegernsee-Bahn. Jetzt steht sie in Augsburg und wird von der jetzigen Besitzerin, der Staudenbahn, zum Verkauf angeboten.
+
Blauer Koloss mit vielen Vorteilen: Die Diesellok TAG 12, Baujahr 1960, gehörte einst der Tegernsee-Bahn. Jetzt steht sie in Augsburg und wird von der jetzigen Besitzerin, der Staudenbahn, zum Verkauf angeboten.

Staudenbahn bietet sie zum Verkauf an

Diesellok TAG 12 – kehrt sie zurück nach Tegernsee?

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
    schließen

Es gibt fast nichts, was man nicht auf einfachem Weg gebraucht kaufen könnte. Handelt es sich aber um eine alte Diesellok, dann wird’s schon interessanter. Um so einen Fall geht‘s bei der Diesellokomotive TAG 12, die einst im Dienst der Tegernsee-Bahn stand und jetzt in Augsburg zum Verkauf steht.

Tegernsee – Heino Seeger, Geschäftsführer und Betriebsleiter der heutigen Tegernsee-Bahn Betriebsgesellschaft mbH, gerät gerne ins Schwärmen, wenn er von alten Loks erzählt. Er ist Eisenbahner durch und durch, den früheren Fuhrpark kennt er aus dem Effeff. Das trifft auch auf die alte Diesellok zu, die ab dem Februar 1960, ihrem Baujahr, im Einsatz bei der früheren Tegernsee-Bahn war. TAG 12 heißt der blaue Koloss, der gut 70 Tonnen wiegt und über 800 PS verfügt. Vier Radsätze sind für das Vorankommen auf den Gleisen zuständig.

„Die Lok hat noch eine alte Bauweise mit einem Mittelführerstand und ist sehr robust“, weiß Seeger, ehe er von ihrer Geschichte berichtet: Demnach gehörte die Lok einst zum Fuhrpark der früheren Tegernsee-Bahn. Als es Ende der 1990er-Jahre zur Bahnreform kam, der Zuschlag für den Betrieb des Schienenverkehrs im Oberland an die Deutsche Eisenbahngesellschaft (heute Transdev) ging und das Geschäft auf der Schiene damit weg war, verkaufte die Tegernsee-Bahn ihren gesamten Fuhrpark. Die TAG 12 fand ihren Weg zunächst nach Bietigheim-Bissingen in Baden-Württemberg, ehe vor gut zwölf Jahren die Augsburger Staudenbahn das gute Stück erwarb.

Diesellok TAG 12 zum Verkauf: Staudenbahnchef nennt sie „Wilde Hilde“

Weil deren Chef, Hubert Teichmann, ein ebenso großer Eisenbahn-Fan ist wie sein Tegernseer Kollege, ist die Lok dort in guten Händen. „Wir haben mit der Lok nicht nur den Güterverkehr bedient, sondern auch unsere eingleisige Nebenbahn“, sagt Teichmann, der seit 20 Jahren Geschäftsleiter der Bahnbetriebsgesellschaft Stauden mbH ist. Er steuerte die Lok natürlich auch schon selbst und gab ihr den Namen „Wilde Hilde“. „Die Fahrten mit ihr kamen bei der Bevölkerung gut an“, sagt Teichmann.

Die Staudenbahn investierte noch, etwa in Funk und weitere Sicherheitseinrichtungen, doch vor fünf Jahren kam das Aus: Ein Zylinderkopfschaden legte die Lok lahm. Seitdem steht die „Wilde Hilde“ unter Dach in einer Halle und wartet auf bessere Zeiten. „Der Schaden wäre leicht zu beheben“, ist Teichmann überzeugt. „Einen Ersatzmotor haben wir schon.“ Damit sie wieder loslegen könnte, wäre auch der TÜV fällig. Etwa 100 000 Euro müsste man aufbringen, schätzt der Staudenbahn-Chef. Dazu käme natürlich der Kaufpreis selbst. Weil es sich um ein Liebhaberstück handle, wolle er hierzu lieber keine Summe nennen.

„Um den Markt zu testen“, so Teichmann, habe er seine „Wilde Hilde“ schon mal in einem Museumsbahn-Forum angeboten. Und ja, es gebe Interessenten, meint er, etwa den Bayerischen Lokalbahnverein. Er hänge sehr an der Lok, gesteht Hubert Teichmann, und die Staudenbahn müsse sie nicht zwingend verkaufen. „Und wenn doch, dann soll sie unbedingt in Bayern bleiben.“

Diesellok TAG 12: Heino Seeger hat ein Auge drauf

Vielleicht wieder Tegernsee? Heino Seeger hat schon ein Auge drauf, hat die Lok bereits begutachtet. „Wir könnten durchaus ein bis zwei Dieselloks brauchen, für Bauzugzwecke, für den leichten Güterzugdienst in Oberbayern, aber mit Sicherheit für den Winterdienst“, sagt Seeger. Die TAG 12 sei stark genug für Fräsarbeiten, wie sie in starken Wintern nötig seien. Die Gesellschafter, also die Stadt Tegernsee, die Gemeinde Gmund und der Landkreis, müssten über die Anschaffung entscheiden.

Seeger weiß, dass derzeit andere Pflichtaufgaben anstehen: der Umbau des Bahnhofs Tegernsee vor allem sowie neue Stellwerke für die Bahnhöfe Tegernsee und Gmund. Ohne staatliche Förderung seien dafür wohl fünf Millionen Euro nötig.

Seegers Augsburger Kollege Hubert Teichmann könnte sich auch folgendes Modell vorstellen: kein Verkauf, sondern eine gemeinsame Nutzung mit der Tegernsee-Bahn – eine Teamlösung also. Ob es dazu kommt? Der zukünftige Weg für die TAG 12 ist noch offen.

Tegernsee-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Tegernsee-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Tegernsee – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Lesen Sie hier auch: Gequietsche der BRB nun erträglicher?

gr

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare