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Ein Paradies für Klein und Groß: Im Katholischen Kindergarten St. Quirinus in Tegernsee erleben die Kinder die Natur und ihre Bewohner. Leiterin Ria Schulte (oben l.) bezieht sie in alle Gartenarbeiten ein.

Pflichttermin für Naturliebhaber

Tag der offenen Gartentür: Hier schmeckt die Natur

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Es brummt, duftet und leuchtet in allen Farben: Beim Tag der offenen Gartentür kommen Naturliebhaber auf ihre Kosten. Zwei Gärten gewähren schon jetzt einen Blick hinter die Kulissen. 

Landkreis – Karl Konrad (60) beugt sich über eines der Hochbeete. Salat, Mangold, Kohlrabi und andere Gemüsesorten hat er dort angepflanzt. Im Beet nebenan wachsen Erdbeeren. „Davon kriegen wir meist nicht viel ab“, sagt er. Die sechs Enkelkinder sind oft schneller. „Die haben ein richtiges Funkeln in den Augen, wenn sie die Beeren pflücken.“ Nicht nur die gibt’s bei Oma und Opa. Im Garten der Konrads wächst so ziemlich alles, das es auch im Gemüse- und Obstladen zu kaufen gibt.

Beim Tag der offenen Gartentür können sich davon die Besucher überzeugen. Neun Gärten im Landkreis öffnen am Sonntag, 25. Juni, ihre Pforten. Im vergangenen Jahr spazierten rund 300 Besucher in die Gärten. Seit 1999 findet der Tag in ganz Oberbayern statt, die Familie Konrad aus Holzkirchen und auch der Katholische Kindergarten St. Quirinus in Tegernsee sind heuer zum ersten Mal dabei.

Konrad deutet auf zwei Birkenstämme. Ins Holz hat er einige Kerben geritzt. „Da habe ich Schwammerl angesetzt“, sagt er. Der Stolz ist kaum zu überhören. Seine Frau Christine (59) sagt: „Im Sommer können wir ziemlich autark leben.“ Denn neben all dem Gemüse wachsen in dem rund 700 Quadratmeter großen Garten auch allerlei Beeren, Aprikosen, Zitronen, Äpfel und Nektarinen.

Im Sommer beginnen die Konrads den Tag oft schon um 6 Uhr morgens mit einer kleinen Schwimmeinheit im Pool. Danach spaziert Christine Konrad durch den Garten und pflückt Kräuter. „Ich trinke gerne grüne Smoothies“, verrät sie.

Insekten fühlen sich bei den Konrads wohl

In ihrem Traumgarten werkeln Christine und Karl Konrad oft den ganzen Tag herum – ihr gemeinsames Hobby.

Auf Obst und Gemüse haben die Konrads nicht das Hauptaugenmerk gelegt. „Wir machen hier viel für Insekten“, sagen sie. Karl Konrad hat eigene Bienenvölker in einem Haus im Garten, das ihm ein Imkerkollege gebaut hat. Seine Bienen haben das Paradies quasi vor dem Rüssel.

Eines ist der Garten aber sicher nicht: Geschniegelt und bis ins Detail durchgeplant. „Das wären nicht wir“, sagt Christine Konrad. Die beiden Weiher lassen die Konrads beispielsweise ganz natürlich bewachsen, im bewucherten Steinberg daneben fühlen sich die Hummeln wohl. Ein Traumgarten – für Zweibeiner ebenso wie für Bewohner mit sechs oder acht Beinen.

Krabbel- und Kriechtiere fühlen sich auch im St. Quirinus Kindergarten in Tegernsee wohl. Keine Scheu vor Spinnen, Schnecken und Co. sollen die Kinder in dem Naturgarten erfahren. Das ist Leiterin Ria Schulte (62) ganz wichtig. „Und sie sollen ihren Bewegungsdrang stillen können.“ Deswegen klettern, kriechen, balancieren und purzeln die Kinder hier tagsüber die Wiese.

Vor neun Jahren hat Schulte mit Eltern, Erziehern und Kindern die feuchte Wiese mit ihren maroden Spielgeräten in ein Grünparadies verwandelt. „Alles, was nicht Natur war, kam raus.“ Jetzt wächst und gedeiht hier alles fast von allein – dank Magererde. Die Kinder lernen auch, dass die Frühlingsblumen vergehen, während an anderer Stelle sommerliche Blüten die Köpfe empor recken.

Rosen gepflanzt zur Begrenzung

Die Voraussetzung: ein gartenbegeistertes Kindergartenteam. „Wir hängen alle mit Herz und Seele daran“, sagt Schulte über sich und ihre Kollegen. Sie spaziert über den Weg aus Steinplatten, an einem kleinen Bach vorbei, der in einem Matschplatz endet. Von dort geht am Abend jeder als Dreckspatz nach Hause. Ein paar wenige Eltern seien darüber nicht erfreut. „Gerade, wenn sie die Kinder mit dem Auto abholen.“ Schulte lacht. Im Dreck wühlen gehört eben zum Kind sein dazu.

Eine Rennbahn für Bobby-Cars, ein Probierbeet und eines zum Riechen zieren den Naturgarten. Wo die Kinder nicht hin sollen, sind Rosen gepflanzt. „Das funktioniert wunderbar“, sagt Schulte. „Verletzt hat sich noch niemand.“ Sie setzt sich auf eine Bank auf der Terrasse. Ein Glas selbst gemachter Honig steht auf dem Tisch – aus Löwenzahn von der Kindergartenwiese. In der Woche zuvor gab’s Brennnesselkuchen.

Nur eine Regel gibt’s im Naturgarten: keine Blumen abreißen. Das klappt auch meistens – nur nicht bei jedem. Schulte sagt mit einem Schmunzeln: „Die schönen Blumen sind halt auch viel zu verführerisch.“

Offene Gartentüren

Die Gärten sind am Sonntag, 25. Juni, von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Mit dem Grußwort der Stellvertretenden Landrätin Ingrid Pongratz beginnt die Aktion des Bezirksverbands Oberbayern um 10 Uhr im Kath. Kindergarten St. Quirinus, Prinz-Karl-Allee 11, 83684 Tegernsee. Folgende weitere Gärten im Landkreis nehmen teil: Familie Freundl, Riedinger Weg 4, 83737 Irschenberg; Kleingartenanlage, Alte Au, 83607 Holzkirchen; Obst- u. Gartenbauverein Holzkirchen, Ortsteil Marschall, 83607 Holzkirchen; Familie Ringk, Spitzweg 7A, 83626 Valley/Kreuzstraße; Familie Konrad, Roggersdorfer Str. 65, 83607 Holzkirchen; Familie Vogl, Norbert-Kerkelstr. 2, 83666 Waakirchen; Christina Strobel u. Matthias Schweinberger, Buchkogelstr. 11, 83666 Waakirchen; Familie Sontheim, Buchbichl 1A, 83737 Irschenberg. Alle Infos zum Tag der offenen Gartentür gibt’s unter www.gartenbauvereine-oberbayern.de/veranstaltungen/tag-der-offenen-gartentuer-2017.html.

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