+
In die Landkreis-Turnhalle in Tegernsee werden in Kürze 200 Asylbewerber einziehen.

Landkreis-Turnhalle wird umgerüstet

200 neue Asylbewerber in Tegernsee

Tegernsee - Die Stadt Tegernsee muss sich bereit machen für 200 weitere Asylbewerber. Sie sollen in die landkreiseigene Dreifachturnhalle des Gymnasiums einziehen.

Die Bombe ließ Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) am Montagabend nach der bereits knapp zweistündigen Sitzung des Bauausschusses platzen: Tegernsee muss sich bereit machen für 200 weitere Asylbewerber. Sie sollen in die landkreiseigene Dreifachturnhalle am Gymnasium einziehen. Darüber, so Hagn, sei er am Nachmittag von Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) informiert worden. Bereits am kommenden Freitag, dem letzten Schultag, soll die Halle entsprechend umgebaut werden.

Hagn machte deutlich, dass er diese Entscheidung des Landrats nicht nachvollziehen könne, zumal Tegernsee bereits alles getan habe, um Asylbewerber unterzubringen. Die städtische Turnhalle wurde zur Verfügung gestellt. Erst kürzlich wurden acht weitere Betten in der kleinen Halle aufgestellt, 40 Menschen, die eine teils gefährliche Flucht hinter sich haben, leben nun hier auf engstem Raum. Und nun sollen 200 weitere Asylbewerber in die Stadt kommen. "Das ist eine bodenlose Frechheit", reagierte Thomas Maban (SPD) auf die Hiobsbotschaft.

Noch am Montag reagierte Hagn und legte im Landratsamt Protest ein. Darüber informierte er ebenfalls das Gremium. Was ihm gewaltig stinkt: Weder für ihn, noch seinen Geschäftsleiter gebe es Ansprechpartner in Sachen Asyl im Landratsamt. Das müsse dringend geändert werden. "Wir im Rathaus sind auch erreichbar und opfern unsere Freizeit", so Hagn. Außerdem sei inzwischen in Tegernsee keiner mehr in der Lage, noch mehr zu leisten. "Der Landkreis ist jetzt in der Pflicht. Ich habe auch eine Fürsorgepflicht für meine Mitarbeiter, die ihren verdienten Urlaub nicht wieder streichen werden, um die Asylproblematik des Landkreises zu lösen."

SPD-Sprecher Thomas Mandl (SPD) sah gewaltige humanitäre Probleme auf die Stadt und die Flüchtlinge selbst zukommen. "Das haben die Asylbewerber doch nicht verdient", so Mandl. 200 Leute, das sei logistisch nicht für die Stadt zu stemmen. "Das sorgt für Unruhe in Tegernsee. Das ist kontraproduktiv."

Vize-Bürgermeister Heino von Hammerstein (Bürgerliste) wollte die Entscheidung nicht akzeptieren und appellierte an die Verwaltung, diese "Fehlentscheidung" abzuwenden. Auch wenn die Flüchtlinge nach den Sommerferien laut Landratsamt wieder ausgezogen sein sollen: So richtig glauben konnte das keiner. Für Rudolf Gritsch (CSU)  sei dann der Sportunterricht, der wegen der Belegung ausfallen wird, ein riesiges Problem. Hagn stellte die Unterstützung der Gemeinde Rottach-Egern in Aussicht. Er habe bereits mit seinem Amtskollegen Christian Köck (CSU) telefoniert. Die Turnhalle der Nachbargemeinde soll bald bezugsfertig sein, darin könnte auch Schulsport für Tegernseer Kinder stattfinden. Auszuschließen für die Belegung mit Schulsport sei die Realschul-Turnhalle in Gmund.

Was tun? Am Ratstisch waren alle fassungslos. Maban forderte einen offenen Brief ans Landratsamt. Mandl nahm Landrat Rzehak zwar in Schutz ("Er kann nicht anders") protestierte aber in Hinblick auf die ebenfalls starke Flüchtlingsbelegung in der Kreisstadt Miesbach: "Es kann nicht sein, dass der Landkreis nur aus Miesbach und Tegernsee besteht."

Reizthema Asyl: Wir haben den Faktencheck gemacht. Hier geht's zum Merkur.de-Datenprojekt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Rottach-Egern: Göttinger bezieht Prügel  - Zahn raus
In der Nacht zum Samstag kam es in Rottach-Egern zu einer Schlägerei gekommen. Die Polizei sucht Zeugen.
Rottach-Egern: Göttinger bezieht Prügel  - Zahn raus
Dreht die Gemeinde den Hahn zu? Piesenkamer Golfplatz braucht Brunnen
Damit die Greens auch grün sind, braucht der Piesenkamer Golfplatz viel Wasser. Das kommt aus der gemeindlichen Leitung, was viele Piesenkamer ärgert - aus einem …
Dreht die Gemeinde den Hahn zu? Piesenkamer Golfplatz braucht Brunnen
Reise verpasst, weil Taxi nicht kam: Weissacherin (85) fühlt sich geprellt
Was für jeden Reisenden ein Albtraum ist, passierte Edeltraud Bode aus Weissach. Sie versäumte die Abfahrt im Reisebus – weil das bestellte Taxi nicht kam. 
Reise verpasst, weil Taxi nicht kam: Weissacherin (85) fühlt sich geprellt
Fuchs beißt Jungen (8) im Schlaf - Tier wird erlegt
Schock-Begegnung in der Nacht: Ein Fuchs attackiert einen Achtjährigen im Schlaf. Nun ist das mutmaßlich verantwortliche Tier tot - und wirft neue Fragen auf.
Fuchs beißt Jungen (8) im Schlaf - Tier wird erlegt

Kommentare