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Geschlossen auf unbestimmte Zeit: Berggasthof Neureuth über dem Tegernsee.

Leere Terrasse bei Traumwetter

Beliebtester Ausflugsgasthof am Tegernsee wegen Gefahrenlage dicht - Bürgermeister: „Katastrophe“

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Da am Winterweg ein Hangrutsch droht, hat eines der beliebtesten Ausflugsziele am Tegernsee auf unbestimmte Zeit geschlossen. Wie lange noch, hängt von den Geologen ab.

  • Im Tegernseer Rathaus gab es am Freitag eine Krisensitzung.
  • Grund war die Sperrung eines Versorgungsweges.
  • Für den Wirt des dortigen Berggasthofs ist das existenzgefährdend.

Update vom 21. Januar: Vor Ort fand nun eine erneute Krisenbesprechung wegen der Schließung des Berggasthofs Neureuth statt. Kurz darauf fiel eine Entscheidung über die Zukunft des beliebten Ausflugsgasthofs am Tegernsee.

Berggasthof Neureuth wegen drohender Gefahr geschlossen - Krisensitzung im Tegernseer Rathaus

Tegernsee – Im Tegernseer Rathaus war am Freitagvormittag Krisensitzung angesagt. Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) und Neureuth-Wirt Thomas Gigl (53) beratschlagten gemeinsam, wie es nach der Sperrung des Versorgungsweges auf die Neureuth für den dortigen Berggasthof weitergehen kann.

Bekanntlich droht im Verlauf des sogenannten Winterwegs ein massiver Hangrutsch, die Abrisskante in dem Gelände ist deutlich zu erkennen. Die Stadt hat den Forstweg daraufhin gesperrt und leitete umgehend Sofortmaßnahmen zur Hangsicherung ein. 

Gleichzeitig traf Neureuth-Wirt Thomas Gigl eine bittere Entscheidung: Weil ihm das Risiko zu groß war, den Versorgungsweg mit Personal und Material weiterhin zu befahren, sperrte er sein Gasthaus zu – auf unbestimmte Zeit.

Neureuth-Schließung: Bürgermeister: „Das ist Katastrophe“

„Das ist natürlich eine Katastrophe“, sagt Bürgermeister Hagn. Die Stadt ist Eigentümerin des Gasthofs und hat ihn an Gigl verpachtet. Wenn der Betrieb dort oben für mehrere Wochen oder gar Monate ruhen müsse, sei dies existenzgefährdend für den Wirt, gibt Hagn zu bedenken. „Und es ist sicher nicht im Interesse der Stadt, dass ihr Pächter Konkurs geht.“ Der Rathaus-Chef sicherte Gigl deshalb seine vollste Unterstützung zu.

Die Risse im Hang sind deutlich zu erkennen. Die Stadt ließ das labile Gelände vorläufig mit schweren Steinen absichern.

Einschätzung des Geologen zum labilen Hang steht noch aus

Das Problem: Der labile Hang wurde zwar umgehend von seinen Bäumen befreit und am Fuß mit großen Flussbausteinen abgestützt, eine endgültige Einschätzung des Geologen, ob damit die Gefahr eines Abgangs gebannt ist, steht aber noch aus. 

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Eine Aussage dazu könne allerfrühestens nach diesem Wochenende getroffen werden, teilt der Bürgermeister mit. Dass der Fachmann den Winterweg schnell wieder freigibt, hält Gigl allerdings für „äußerst unwahrscheinlich“. Wenn doch, so würde er eine Kerze in der Kapelle neben seinem Berggasthof anzünden, kündigte Gigl an.

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Auf Beistand von oben wollen sich aber weder er noch Hagn verlassen. Vielmehr sucht man nun kurzfristig nach alternativen Möglichkeiten, wie Material und Mitarbeiter zu dem auf 1264 Metern gelegenen Gasthof gelangen könnten. Vorausgesetzt, alle Grundeigentümer, der Forst und die Nachbargemeinde spielen mit, wären laut Hagn der alte Westerhofweg sowie der Weg von Gasse (Gemeinde Gmund) aus weitere – wenn auch weitaus weniger komfortable – Möglichkeiten, um die Neureuth anzufahren. Allerdings, so schränkt Wirt Gigl ein, sei der Westerhofweg nur in Einzelfällen mit den geländegängigen Unimogs der Feuerwehr befahrbar.

Gleich Anfang der Woche will Hagn das Thema mit seinem Gmunder Amtskollegen Alfons Besel besprechen. Zudem kündigte er an, die Problematik im Finanzausschuss auf den Tisch zu bringen. „Wir müssen darüber beraten, inwieweit wir Mittel zur Verfügung stellen“, sagt Hagn. Sein Ziel sei es, dass die Neureuth nächstes Wochenende wieder öffnen kann – „spätestens“.

Berggasthof hat geschlossen - Besucher füllen trotzdem die Terrasse

Das wäre ganz im Sinne des Wirts. Er musste am Freitag bei strahlendem Sonnenschein tatenlos dabei zusehen, wie sich die Terrasse seines geschlossenen Gasthauses mit Besuchern füllte. Auf seiner Homepage und über die sozialen Netzwerke hat Gigl seine Gäste über die plötzliche Schließung informiert – und ist auf viel Verständnis gestoßen. Viele Stammgäste hätten ihm Mut zugesprochen und ihre Unterstützung zugesagt.

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Auch das Krisengespräch mit Hagn stimmt den Wirt zuversichtlich. Der Bürgermeister sei für „jede kreative Lösung“ offen, meint der 53-Jährige, und kann der Wegsperrung sogar schon wieder Positives abgewinnen: Allein am Freitag sei er zweimal zu Fuß zur Neureuth gelaufen. „So werde ich wieder fit.“

gab

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