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So sollen Sanatorium und Klinik aussehen.

Bauvorhaben an der Perronstraße 

„Reine Formalie“: Stadt wägt Einwände zu Klinikprojekt ab

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Es war eine Formalie, und dennoch hat sich der Stadtrat ausführlich mit den Stellungnahmen zum Projekt Klinik und Sanatorium an der Perronstraße befasst. 

Tegernsee – Für den Stadtrat war es wie ein vorerst letzter Akt: Gegen die Stimmen von Laura und Thomas Mandl (SPD) wurde der vorhabenbezogene Bebauungsplan „Sanatorium und Klinik, Perronstraße 7 und 9“ am Dienstagabend zur Satzung erhoben. Es war eine Formalie, wie Bauamtsleiterin Bettina Koch anmerkte. Denn das Landratsamt hatte schon im Dezember die Baugenehmigung erteilt, weil es davon ausging, dass der Bebauungsplan weit fortgeschritten sei und deshalb eine „Planreife“ vorliege. Die Interessengemeinschaft betroffener Nachbarn hatte dieses Vorgehen zuletzt nicht nur heftig kritisiert. Sie hat auch Klage beim Verwaltungsgericht München erhoben. Ob die zu einer Einstellung bereits laufender Bauarbeiten führt, ist offen. Dazu Landratsamts-Sprecher Birger Nemitz: „Eine Nachbarklage hat keine aufschiebende Wirkung.“

Nun wurden alle Stellungnahmen ausführlich bearbeitet, die Abwägungen dazu hatte die Verwaltung gründlich vorbereitet. 

Von den Behörden kamen dabei keine so gravierenden Einwände, die das Vorhaben noch ins Wanken hätten bringen können. Allerdings wurde vom Landratsamt ein städtebauliches Konzept zur Einbindung künftiger Großprojekte empfohlen, was die Stadt nicht für nötig hält. Sie ist zudem der Auffassung dass die Kubatur der Gebäude ein „Kompromiss“ zwischen den verschiedenen Belangen sei. Die mit Gauben und Giebeln gestalteten Gebäude sitzen nämlich nicht wie übliche Riegel im 12 900 Quadratmeter großen Grundstück. Vielmehr sind die drei Häuser locker und eher ortsuntypisch platziert. Ein Sanatorium mit 19 Zimmern und 35 Betten sowie zwei Klinikbauten mit 99 Zimmern und 108 Betten sowie sieben Wohnungen sollen entstehen. Dazu auch eine Tiefgarage mit 89 Stellplätzen. Neben 26 oberirdischen Parkplätzen ist auch ein Pavillon auf dem Grundstück geplant. 

Während die Behörden den Schallschutz als ausreichend bezeichnen, so wird von der Unteren Naturschutzbehörde der Verlust von Bäumen kritisiert. Die Stadt betont nun, dass man versucht habe, möglichst viele Bäume zu erhalten. Es sei ein Kompromiss gefunden worden. Auch werde dem Artenschutz Rechnung getragen.

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Klinikbau in Tegernsee: Wo ist der Betreiber?

Aufgrund der Fülle an Einwänden musste die Bauamtsleiterin die Stellungnahmen der Privatleute thematisch bündeln. Nahezu alle Bedenken und Kritikpunkte, die im Zuge der seit 2016 laufenden Planung bereits geäußert worden waren, wurden wieder in den Ring geworfen. Dazu zählten unter anderem der noch immer fehlende Betreiber der Klinik, die Angst vor einem Leerstand und die Umwandlung in Wohnungen, der Vorwurf der Verschandelung des Orts und die Zerstörung der Villen-Landschaft, die Furcht vor Hangrutschungen sowie vor einem Verkehrskollaps. Auch wurde Kritik an etlichen Gutachten geübt. Um ihre Abwägungen auf rechtssichere Beine zu stellen, hatte die Stadt erneut Gutachten eingeholt. Sie betont zudem, dass die Art der Nutzung ausreichend vertraglich gesichert sei.

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Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) verteidigte das Vorhaben und zeigte sich überzeugt, dass es Tegernsee als Gesundheits-Standort weiter voranbringen werde. Zu den Bedenken an Investor Klaus Dieter Burkhart, dem Chef des Deutschen Zentrums für Zelltherapie, meinte er: „Ich gehe davon aus, dass er es betreibt.“ Das Betriebskonzept sei Gegenstand des Bebauungsplans und damit festgeschrieben. Auch Norbert Schußmann (CSU) war bereit, nach umfassender Abwägung ruhigen Gewissens zuzustimmen. „Bleiben wir auf unserer Linie, sonst werden wir unglaubwürdig“, verteidigte auch Andreas Obermüller (FWG) das Projekt. 

Peter Schiffmann (FWG) war anzumerken, dass er nicht vollends begeistert ist. Dennoch fand er: „Jetzt sind wir an einem Punkt, wo wir tränenden Auges zustimmen können.“ Er könne die Einwände teilweise nachvollziehen, die Stadt habe bei ihren Abwägungen aber einiges rausgeholt, um Rechtssicherheit zu bekommen. „Und was früher da stand, war auch kein Gartenhäuschen“, meinte Schiffmann.

Dass der Stadt ursprünglich ein Sanatorium für Frischzellentherapie angepriesen wurde, Frischzellen aber nicht mehr zum Einsatz kämen, verwunderte Martina Niggl-Fisser (Bürgerliste). Hagn wies darauf hin, dass er Burkhart er kürzlich darauf hingewiesen habe, das entsprechende Bauschild zu ändern.

Für Thomas Mandl (SPD) habe das Projekt zu viele Unwägbarkeiten. „Es überzeugt mich immer weniger.“ Seine Frage, ob der Stadtrat das Vorhaben noch ablehnen könne, beantwortete die Bauamtsleiterin mit einem klaren Nein.

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gr

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