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Seit Dienstag kein Ehrenbürger mehr in Tegernsee: Adolf Hitler.

Nach 83 Jahren

Erst jetzt: Tegernsee entzieht Hitler die Ehrenbürgerwürde

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  • Christina Jachert-Maier
    Christina Jachert-Maier
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Tegernsee - Adolf Hitler war bis Dienstag Ehrenbürger in Tegernsee. Nach über 80 Jahren hat die Stadt reagiert. Die Adolf-Hitler-Straße gibt es dafür schon länger nicht mehr.

Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende stand bei der Dienstagssitzung des Tegernseer Stadtrats die förmliche Aberkennung der Ehrenbürgerwürde von Paul von Hindenburg und Adolf Hitler auf dem Programm. „Wir wollen keinen Raum für Spekulationen lassen“, sagte Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) im Vorfeld. Anlass des förmlichen Akts ist ein Schreiben des Journalisten Franz-Josef Rigo.

Dabei ist keineswegs klar, ob Hindenburg und Hitler noch Ehrenbürger der Stadt Tegernsee sind. „Ich bin immer davon ausgegangen, dass das nicht der Fall ist“, meint Hagn. Er habe in den Tegernseer Archiven geforscht. Demnach hat der Tegernseer Gemeinderat bei seiner ersten Sitzung nach dem Krieg im Jahr 1947 die Hauptstraße entlang des Seeufers wieder umbenannt. Bis dahin war der südliche Bereich der Ortsdurchfahrt nämlich Hindenburg und der nördliche Adolf Hitler gewidmet. Per Beschluss wurde sie wieder zur Hauptstraße. 

Eine förmliche Aberkennung der Ehrenbürgerwürde fehle nach seinen Recherchen aber. 1946 erließen dann die Alliierten eine Direktive, derzufolge alle verurteilten Kriegsverbrecher automatisch die Ehrenbürgerwürde verlieren. „Hitler wurde aber nicht verurteilt, und Hindenburg war kein Kriegsverbrecher“, führt Hagn an. Zwar existiere auch eine Einlassung des Gemeindetags, derzufolge die Ehrenbürgerwürde mit dem Tod des Geehrten erlischt. 

Aber auch dies überzeugt den Tegernseer Bürgermeister nicht ganz. Denn: Die Stadt Berlin habe Rosa Luxemburg posthum die Ehrenbürgerwürde verliehen. „Also muss man sie auch posthum aberkennen können“, findet Hagn. Um ganz sicherzugehen, vollziehe der Tegernseer Stadtrat nun also den von Rigo geforderten Schritt. „Das ist dann der letzte Schlusspunkt unter ein unrühmliches Kapitel."

Am Dienstag hat der Stadtrat nun dem ehemaligen Führer und Reichskanzler postum die Ehrenbürgerwürde aberkannt. Öffentlich und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. „Ich finde gut, dass wir dieses Kapitel damit abschließen“, fand Martina Niggl-Fisser (Bürgerliste), auch Peter Schiffmann (SPD) hielt es für richtig, „ein deutliches Zeichen“ zu setzen, „auch in Hinblick auf geistige Brandstifter in diesen Zeiten“. Peter Friedrich Sieben (FWG) wollte das Thema nur noch zügig abschließen: „Ich hätte mir nämlich nie träumen lassen, dass ich jemals über Hitler abstimmen würde.“ 

Hitler ist übrigens nicht nur in Tegernsee Thema. Auf der anderen Seeseite in Bad Wiessee hatte die Gemeinde ein ähnliches Problem und reagierte nicht ganz so gelassen.

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