Blumen Rauh Tegernsee
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Bedanken sich bei den treuen Kunden: (v.l.) die langjährige Mitarbeiterin Barbara Di Gaetano, Therese und Peter Rauh sowie Sohn Peter.

Familie Rauh schließt den Laden in Tegernsee

Ein Leben für schöne Blumen

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Mit ihren Blumen erfreut Familie Rauh seit 1890 die Menschen. Jetzt schließt Blumen Rauh den Laden in Tegernsee. Nur noch die Gärtnerei bleibt erhalten.

Tegernsee – Es duftet nach Rosen und Lilien, die in großen Kübeln stecken. Dazwischen bunte Sträuße und Blumenstöcke, die bereits auf die Kunden warten. Vasen in vielen Größen, Farben und Formen füllen die Regale, allerlei Seidenblumenkränze ergänzen das Angebot. Therese Rauh kommt aus dem Nebenraum, wo die Sträuße gebunden und die Aufträge ausgeführt werden. Ihr stolzes Alter von 84 Jahren sieht man ihr nicht an, obwohl sie jeden Tag ab 8 Uhr im Laden steht. Da kommt auch ihr Mann Peter, 86. Die beiden müssen den Abverkauf organisieren, der nun vormittags stattfindet. „Wir haben gehofft, dass sich jemand findet, der den Laden übernimmt“, sagt Therese Rauh, „doch das ist nicht der Fall.“ Schweren Herzens hat sich das Ehepaar also entschlossen, den Laden zu schließen – aus Altersgründen, denn irgendwann muss Schluss sein. In wenigen Tagen ist der Blumenladen an der Schwaighofstraße Geschichte und ein Kapitel Familiengeschichte beendet.

Das „Kellerheiß-Anwesen“ an der Schwaighofstraße. Hier begann die Geschichte von Blumen Rauh. 

Die begann schon 1890, als Karl Rauh das frühere Kellerheiß-Anwesen an der Schwaighofstraße erwarb und eine Gärtnerei gründete. Er heiratete Katharina Schußmann, hatte mit ihr vier Söhne und eine Tochter. Der älteste Sohn, ebenfalls namens Karl, übernahm nach seiner Ausbildung und dem Militärdienst die Gärtnerei. Er heiratete Zita Merl und hatte drei Söhne.

Peter Rauh ist der Zweitgeborene dieser Familie, die einen schillernden Namen hat am Tegernsee. Sein 2015 verstorbener Bruder Karl Rauh führte das Rottacher Hotel Bachmair. Peter war der Ruhigere, stieg in die Fußstapfen seines Vaters und übernahm 1970 die Gärtnerei und auch den Laden der Blumen-Rauh OHG. 1972 entstand das stattliche Wohn- und Geschäftshaus.

Therese, eine geborene Mack, hat viele Jahrzehnte des Wandels am Tegernsee miterlebt. Ringsum hat Blumen Rauh für blühende Deko gesorgt – im Bachmair-Nightclub ebenso wie bei großen Veranstaltungen. Für unzählige Beerdigungen wurden hier die Bouquets und Kränze angefertigt, egal, ob es sich um einfache Talbürger oder Promis handelte. Wenn Wirtschaftswunder-Kanzler Ludwig Erhard am Tegernsee weilte, besorgte er hier seine Sträuße. Als er 1977 in Gmund zu Grabe getragen wurde, schmückten Blumen und Regierungskränze von Familie Rauh sein Grab. Auch bei Hochzeiten war Blumen Rauh gefragt: „Als Multimilliardär Friedrich Karl Flick in Kreuth heiratete, bestellte er bei uns die Floristik“, erinnert sich die Chefin. Blumen für die Showmaster Rudi Carrell, Joachim Fuchsberger, Robert Lembke – Peter Rauh könnte noch etliche prominente Kunden nennen. „Die guten Kunden sind weggestorben“, sagt Therese und erinnert sich daran, wenn manche Herren sogar sonntags kamen, um ihrer Liebsten einen Strauß mitzubringen. „Jetzt kaufen sich die Frauen ihre Blumen selbst.“ Abgesehen davon, dass heute die Supermärkte den Fachgeschäften die Kunden wegnehmen. Diese Mentalität, dass alles nur billig sein dürfe, mache sie traurig.

Viele Floristinnen lernten hier ihr Handwerk, das heute kaum mehr einer machen möchte. „Der Markt ist leer gefegt“, weiß Barbara di Gaetano. Sie kam als Praktikantin zur Familie Rauh und blieb 30 Jahre lang. Auch sie hat den Wandel miterlebt, hat beim Binden dornigen Trocken- und Gewürzblumensträußen, die früher in Mode waren, oft die Zähne zusammen gebissen. Aus gesundheitlichen Gründen hat sie inzwischen einen anderen Job angenommen. Jetzt, zum Abschied, schaut sie natürlich vorbei und packt auch gleich mit an, wenn nötig.

Ganz beendet ist die Geschichte an der Schwaighofstraße aber nicht: Sohn Peter (51), einer von drei Sprösslingen, der bereits 2013 nach seiner Meisterprüfung die Gärtnerei übernahm, will diese weiterführen und auch die Grabpflege für die Kunden weiter übernehmen. Geranien, Balkonpflanzen, Löwenmäulchen, Zinien oder Tulpen wird er weiterhin aufziehen und nach Bedarf und telefonischer Absprache verkaufen.

Auch wenn sie bald nicht mehr täglich im Laden stehen müssen und in aller Ruhe auf den Tegernsee schauen können: Ein wenig wehmütig sind Therese und Peter Rauh dann doch. Nicht vergessen wollen sie den Dank an die vielen treuen Kunden.

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gr

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