In einer Klausur will Bürgermeister Johannes Hagn das Thema Bauen in seiner Gemeinde genauer besprechen. Das soll aber wohl erst 2022 der Fall sein.
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In einer Klausur will Bürgermeister Johannes Hagn das Thema Bauen in seiner Gemeinde genauer besprechen. Das soll aber wohl erst 2022 der Fall sein.

Nach Kritik zu „Quartier Tegernsee“

„Tegernsee ist nicht das Sylt des Südens“: Bürgermeister erklärt Visionen für die Stadt

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Die Bebauung auf dem ehemaligen Krankenhausareal hat gezeigt, wie weit die Meinungen zur Zukunft Tegernsees auseinandergehen. Welche Visionen der Bürgermeister hat, erklärt er im Interview.

Tegernsee – „Erster Platz in den Charts der Scheußlichkeiten“, diese Kritik von Grünen-Stadtrat Marcus Staudacher am Baugebiet auf dem ehemaligen Krankenhausareal mit dem Namen „Quartier Tegernsee“ (wir berichteten) hat eine Welle unterschiedlicher Reaktionen ausgelöst. Wie ist es zu der Genehmigung gekommen? Auf welche Bauprojekte muss sich Tegernsee künftig einstellen? Im Interview klärt Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) auf und deutet an, welche Visionen er für die Stadt hat.

Herr Hagn, das Quartier Tegernsee schlägt hohe Wellen. Können Sie zusammenfassen, wie es zu dem jetzigen Bebauungsplan gekommen ist?

Johannes Hagn: Ich muss da bis zum Jahr 2012 zurückgehen. Die Fläche ist damals vom Landkreis an eine Firma aus Karlsruhe verkauft worden. Damals gab es einen Bebauungsplan „Seminarhotel“, der eine Geschoßfläche, also eine nutzbare Fläche von 19 800 Quadratmetern vorsah. Die Ausgangslage war ein sechsstöckiger Bau, der wie ein massiver Fremdkörper in der Stadt gewirkt hätte.

Und das wollte der Stadtrat nicht.

Johannes Hagn: Es ging ewig hin und her, aber man hat dann gesagt: Wir wollen keine einhundertprozentige Nutzung als Hotel, sondern eine Bebauung mit nur 50 Prozent Hotel, 25 Prozent Senioren-Residenz und 25 Prozent Wohnungen. Es kam daraufhin zum Entwurf eines Bebauungsplans, der 140 Hotelzimmer, 30 Wohnungen mit Dienstleistung und 50 Eigentumswohnungen mit Wellness- und Pflegestützpunkt vorsah. Die Geschoßfläche wurde auf 17 500 Quadratmeter reduziert.

Das war aber noch nicht das Ende der Planung.

Johannes Hagn: Als ich 2013 bei der CSU hier eingestiegen bin, hab’ ich mich bemüht, eine Allianz hinzukriegen, damit die Stadt das Grundstück kauft. Inzwischen war nämlich das ursprüngliche Geschäft rückabgewickelt worden. Wenige Wochen vor der Kommunalwahl 2014, am 11. März, wurde das Grundstück dann vom Landkreis an die Residenz-Gruppe Bremen verkauft und nicht an die Stadt.

...die damals argumentiert hat, dass sie sich den Kauf nicht leisten könne...

Johannes Hagn: Das ist richtig. Man muss die Umstände sehen. Damals gab es keine gut gehende Seesauna, kein sehr gutes E-Werk, und, und und. Heute würde man sagen: Das hätte man kaufen müssen.

Dann wurde ein neuer Bebauungsplan angestoßen.

Johannes Hagn: Der Stadtrat hat dabei einstimmig folgende Planungsziele definiert: Wir wollen die Innenentwicklung stärken und die Außenbereiche schützen. Wir wollen den Standort dauerhaft für den Fremdenverkehr sichern, Hotelbetten schaffen und deren Qualität steigern. Und wir wollen Arbeitsplätze schaffen. Drittens wollten wir weg vom Seniorenmodell und hin zum bezahlbaren Wohnraum für Familien mit Kindern.

All das wird jetzt verwirklicht?

Johannes Hagn: Im jetzt gültigen Bebauungsplan „Königin-Caroline-Weg“ wurde die Geschossflächenzahl noch einmal auf 15 350 Quadratmeter reduziert und die überbaute Grundfläche von 5000 auf 3440 Quadratmeter vermindert. Die Tiefgarage wurde von 260 auf 305 Stellplätze erweitert – alle übrigens E-Mobil-tauglich. Das Hotel wurde als Sondergebiet festgeschrieben. Die Abstandsflächen nach innen wurden verkürzt, die Geschossigkeit nach innen durch eine Geländeabsenkung erhöht. Zudem wurde die Firsthöhe um drei Meter reduziert. Die Enge ist also gewollt. Sie verhindert aber, dass da ein riesiger Würfel steht. Die Dachaufbauten, wo für die Öffentlichkeit eine Lounge entsteht, wurde nachträglich beschlossen. Bei einem Projekt, das einen hohen zweistelligen Millionenbetrag kostet, geht es um die Planungsziele. Da müssen wir nicht um die Holzfarbe an Balkonen diskutierten.

Aber gerade darüber wird aktuell diskutiert. Muss die Salzburger Firma Planquadrat, die das Areal 2016 gekauft hat, da nachbessern?

Johannes Hagn: Mir wurde gerade wieder auf Nachfrage versichert, dass es sich um lasiertes Fichtenholz handelt. Warten wir mal ab, bis alles fertig ist. Festgehalten ist im Bebauungsplan, dass die Farbe bei den Wohnhäusern der Gestaltungssatzung entsprechen muss. Und das tut sie. Beim Hotel ist festgelegt, dass das Holz naturbelassen oder naturfarben gestrichen sein muss. Letztlich ist das Landratsamt für die Kontrolle zuständig. Für uns besteht jetzt kein Grund einzugreifen.

Wird ganz Tegernsee künftig so aussehen?

Johannes Hagn: Wir werden uns sicherlich bei einer Klausur mit dem Thema Bauen befassen. Das wird aber erst nach der Coronazeit und wohl 2022 der Fall sein. Alles ist eine Frage des Geschmacks, und auch die Baukultur unterliegt einem gewissen Wandel. Über Farben zu diskutieren, ist schwer. Beim Feuerwehrhaus hat sich gezeigt, dass wir das intensivst getan haben.

Großprojekte wie das Westerhof-Hotel oder die Klinik an der Perronstraße sind genehmigt. Sind sie für die Stadt akzeptabel?

Johannes Hagn: Was die Perronstraße betrifft, so ist das Projekt für die Stadt und auch für die Nachbarn akzeptabel. Das wird sicherlich kein kleines Projekt, es ist aber mit dem früheren Projekt A-ja-Hotel, das ein riesiger Klotz gewesen wäre, nicht vergleichbar. Ich kann die Polemik vieler Kritiker daher hier nicht verstehen. Der Ansatz war auch hier: Was ist wirtschaftlich machbar, und inwieweit kann der Bauherr der Stadt entgegenkommen.

Wie kommt der Bauherr der Stadt hier entgegen?

Johannes Hagn: Die Tiefgarage wurde vergrößert, es gibt große Grünanlagen.

Wie soll Tegernsee künftig aussehen? Haben Sie schon eine Vision?

Johannes Hagn: Natürlich hab’ ich die! Ganz wichtig ist der Schutz des Außenbereichs. Seit ich Bürgermeister bin, also seit 2014, haben wir im reinen Außenbereich keine Gebäude zugelassen. Lediglich im Abschlag vom Golfplatz in Tegernsee-Süd haben wir nach strenger Prüfung ein Einfamilienhaus zugelassen. Mehr ist nicht passiert, und so soll’s bleiben. Wir müssen abwägen: Ist es sinnvoller, mehr Geld in die Hand zu nehmen, um Bestandsgebäude zu erwerben und energetisch herzurichten, oder wollen wir die Amerikanerwiese, die uns gehört, bebauen. Wir haben bereits vereinbart: Außenbereiche sind tabu. Alle Projekte, die jetzt in der Pipeline sind, wurden in der Vergangenheit angestoßen.

Mit seinen vielen Großprojekten ist Tegernsee in den überregionalen Medien gerade stark vertreten. Das ist doch eine schöne Werbung, oder nicht?

Johannes Hagn: Oh, die Medien! Da fängt einer mit einem Thema an, und die anderen machen weiter. Das hat das Thema Manuel Neuer gezeigt. Die Aufmerksamkeit, die wir genießen, ist Wohl und Wehe zugleich. Wenn nicht ein gewisses Gewinnversprechen da wäre, würden Leute wie Hirmer, Ehrmann oder Kohler aber gewiss nicht so viel Geld investieren. Ganz ehrlich: Tegernsee ist Tegernsee und nicht das Sylt des Südens, wie es auch schon heißt. Tegernsee steht für sich, ist Lebensraum und eine Marke für sich, die wir ja auch haben schützen lassen. Allerdings müssen wir an der Marke weiter arbeiten.

gr

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