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Die Schifffahrt am Tegernsee gehört bisher nicht zum ÖPNV. Das soll sich nach Ansicht der Talgemeinden ändern, um den Verkehr auf den Straßen zu entlasten.

Öffentlicher Personennahverkehr am Tegernsee

Kampf gegen Verkehrskollaps: Kann die Schifffahrt den ÖPNV noch retten?

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Rings um den Tegernsee herrscht viel Verkehr - oft zu viel. Die Bürgermeister bringen jetzt eine ungewöhnliche Idee ins Spiel: Rettet die Seenschiffahrt das Tal vorm Verkehrskollaps?

Tegernsee– Auf den Straßen rings um den See herrscht meist dichter Verkehr. Oft zu dichter. Auf dem See hingegen geht es im Schiff nach Zeitplan. Warum also nicht die Seenschifffahrt in den Öffentlichen Personennahverkehr einbinden? Die Idee haben die Tal-Bürgermeister jetzt aufs Tableau gebracht.

Die Idee ist nicht neu. Wie Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) im Stadtrat berichtete, haben die Bürgermeister des Tegernseer Tals bei einem ihrer jüngsten regelmäßigen Treffen ein Gespräch mit Vertretern des Bayerischen Verkehrsministeriums, des Finanzministeriums und der Staatlichen Seenschifffahrt geführt, um abzuklären, ob die Schifffahrt in den ÖPNV im Tegernseer Tal eingebunden werden könnte. Dabei hätten die Vertreter der Ministerien klar gemacht, dass der ÖPNV nicht Aufgabe der Kommunen, sondern eine Aufgabe des Landkreises sei. Und dieser müsse daher auch einen entsprechenden Antrag stellen. Des Weiteren seien die Bürgermeister bei dem Treffen darauf hingewiesen worden, dass der Landkreis gerade den Nahverkehrsplan fortschreibe und es daher sinnvoll wäre, die Idee mit der Einbindung der Schifffahrt in den ÖPNV auch dort zu verankern.

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Gesagt, getan: „Wir haben dann einen Antrag gestellt, damit die Schifffahrt bei der Fortschreibung berücksichtigt wird“, berichtete Hagn und versicherte, den Stadtrat über die Entwicklung in dieser Angelegenheit weiter zu unterrichten. SPD-Stadtrat Peter Schiffmann, zugleich Verkehrs-Fachbereichsleiter im Landratsamt Miesbach, konnte bereits mit einer ersten Reaktion aufwarten: Das Landratsamt wolle den Antrag in der Fortschreibung berücksichtigen, sagte Schiffmann. Allerdings müsse wohl das Bayerische ÖPNV-Gesetz dafür geändert werden. Denn: Im Gesetz über den ÖPNV in Bayern heißt es unter anderem, dass zur Beförderung „...insbesondere Straßenbahnen, Hoch- und Untergrundbahnen, Bahnen mit besonderer Bauart sowie Omnibusse und Kraftfahrzeuge im Linienverkehr zählen...“ sowie „...die Beförderung in Zügen der Eisenbahnen...“, bei einer Reichweite von 50 Kilometern oder einer Reisezeit von einer Stunde. Die Schifffahrt ist nicht genannt.

„Der Moment ist sehr günstig“, fand SPD-Sprecher Thomas Mandl, da Signale von Ministerpräsident Markus Söder kämen, in diese Richtung zu arbeiten.

Kann die Seenschifffahrt dem ÖPNV im Tegernseer Tal auf die Sprünge helfen?

Tatsächlich gehöre nach Ansicht des Landratsamtes zur Aufgabenstellung des Nahverkehrsplans durchaus eine Berücksichtigung der Schifffahrt auf dem Tegernsee, nicht nur als Teil der Touristik, sondern auch als Teil des ÖPNV. „Die Schiffe könnten besonders morgens und nachmittags von Schülerinnen und Schülern und von Berufstätigen genutzt werden“, lässt Birger Nemitz als Sprecher auf Nachfrage wissen. Auf diesem Wege ließe sich eine Verringerung des starken Autoverkehrs im Tal erreichen. Daher sollen nun zunächst die Schnittstellen Bus und Schiff untersucht und verbessert werden, so dass die Anlegestellen der Schifffahrt in drei bis sieben Minuten von den Bushaltestellen aus erreichbar seien. Dass der Landkreis aber nur indirekt Einfluss auf ein hundertprozentiges Beteiligungsunternehmen des Freistaats nehmen könne, sei ein Problem. Man müsse vielmehr auf den Landtag als Gesetzgeber Einfluss nehmen.

Was den Nahverkehrsplan betrifft, so soll er laut Nemitz im Dezember 2019 vorgelegt werden. Er solle auch umgesetzt werden, für den ganzen Landkreis eine Entlastung bringen und laut Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) „auf keinen Fall in der Schublade verschwinden.“

Bürgermeister Johannes Hagn meinte im Stadtrat, dass es am Tegernsee seit jeher um den Verkehr gehe und darum, dass zu viel und auch zu schnell gefahren werde. Man könne jedoch keine andere Lösung anbieten, „außer, man behindert den Verkehr, indem man Parkplätze verteuert oder verknappt“, so Hagn. „Aber man kann die Leute nicht daran hindern, mit dem Auto zu fahren.“ Das einzig wahre Verkehrsmittel bei Stau für die hiesige Bevölkerung sei das Schiff, so Hagn. Er selbst habe diese Möglichkeit schon ein paarmal genutzt. Schiffe für den ÖPNV – für Hagn ist das „ein Ansatz“. 

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