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Tegernsee: Klage gegen Westerhof-Pläne gescheitert

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Von: Christian Masengarb

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Unterschiede im Fokus: Das Gutachten der Klage hatte zu viele Autos angenommen, die künftig zwischen 22 und 23 Uhr den Stellplätzen (M.) vor dem Westerhof fahren.
Unterschiede im Fokus: Das Gutachten der Klage hatte zu viele Autos angenommen, die künftig zwischen 22 und 23 Uhr den Stellplätzen (M.) vor dem Westerhof fahren. © Thomas Plettenberg

Tegernsee: Die erste von mehreren Klagen gegen die Westerhof-Pläne von Mediziner und Unternehmer Andreas Greither ist gescheitert. Dem klagenden Anwohner drohe keine Lärmbelästigung, urteilte das Gericht.

Tegernsee – Die erste von mehreren Klagen gegen die Westerhof-Pläne von Mediziner und Unternehmer Andreas Greither ist gescheitert. Das Bayerische Verwaltungsgericht in München hat am Montag die am Freitag verhandelte Klage eines Nachbarn, der unmittelbar angrenzend an den Westerhof wohnt, gegen die Bewilligung der Pläne abgewiesen, erklärte ein Gerichtssprecher auf Nachfrage.

Mehr zum Thema: Nachbarn lassen nicht locker: Neue Klagen gegen Westerhof-Pläne

Tegernsee: Klage gegen Westerhof-Pläne gescheitert

Wie berichtet, plant Greither, den derzeit als Garni-Hotel mit 43 Zimmern geführten Westerhof in ein luxuriöses Gesundheitshotel mit 134 Zimmern, 270 Betten und 50 Personalzimmern sowie Wellnessbereich, Terrassen und Chalets umzubauen. Der Tegernseer Stadtrat hat im Mai 2020 nach elfjährigem Verfahren einen Bebauungsplan beschlossen, der dies ermöglicht. Anwohner und Unterstützer wie die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) fürchten seitdem Lärmbelästigung und Verkehrschaos auf der Olaf-Gulbransson-Straße.

Das jetzige Verfahren verknüpfte beide Themen: Der Kläger hatte ein Lärmschutzgutachten vorgelegt, demzufolge die Schallbelastung an seinem Haus infolge des Umbaus über die Grenzwerte steige. Damit widersprach er dem von Greither beigebrachten Gutachten, das Schallwerte deutlich unterhalb des Grenzbereichs errechnet hatte. „Woher kommt der Unterschied?“, fragte Richterin Cornelia Dürig-Friedel. In einer vierstündigen Sitzung fand sie Antworten.

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Auschlaggebende Frage: Wie viele Autos fahren um 22 Uhr zum Haupteingang?

Antwort eins: Im Gegensatz zu Andeutungen der Klageschrift ist das Gutachten Greithers einwandfrei. Das ausführende Büro hatte dieselbe Software verwendet wie das des Klägers und fehlerlos gearbeitet.

Antwort zwei: Die Lärmunterschiede entstanden vor allem durch andere Annahmen beim Verkehr zwischen 22 und 23 Uhr. Zu dieser Zeit greifen bereits strenge nächtliche Lärmschutzregeln. Gäste können aber noch ankommen und abreisen; die Innengastronomie des Hotels bleibt geöffnet, was An- und Abreiseverkehr verursachen kann. In dieser Stunde überschreiten die Schallwerte am ehesten den Grenzbereich.

Das taten sie auch im Gutachten der Kläger. Dieses war davon ausgegangen, dass in dieser Stunde 25 Autos zum Eingang fahren, das Gutachten der Verteidigung rechnete mit nur einem. Mehr Autos, mehr Lärm. Die Ursache der Abweichungen war gefunden.

Dürig-Friedl hielt das Gutachten, das Greither anführte, für realistischer: Die Zufahrt zum Haupteingang dürfe gemäß Bebauungsplan nach 22 Uhr nicht mehr genutzt werden. Das Hotel müsse dafür sorgen, dass diese Auflage eingehalten wird und Autos in die schallschutztechnisch für das Grundstück des Klägers irrelevante Tiefgarage geleitet werden, notfalls mit Schranke. Die Kläger hatten angenommen, dies werde scheitern, und deswegen mit mehr Verkehr zum Haupteingang gerechnet. Dürig-Friedl: „Wir müssen über das reden, was beschlossen ist, und nicht über Annahmen.“

Richterin stimmt Greither-Gutachten zu

Antwort drei: Auch bei dem laut Umbauplan dem Grundstück des Klägers am nächsten gelegenen Chalet hatten die Gutachten unterschiedliche Werte angesetzt. Das Gutachten Greithers war von vier Personen ausgegangen, die nachts in normaler Lautstärke auf der Terrasse sprechen, das Gutachten der Kläger von fünf Personen, die lauter sprechen – der zweite Grund für die Unterschiede.

Auch hier bevorzugte Dürig-Friedl das Gutachten Greithers. Da im Chalet höchstens vier Personen untergebracht werden, hatte dieses bereits das Maximum angenommen. Eine fünfte Person und damit eine erhöhte Lautstärke anzunehmen, erschien der Richterin übertrieben. Das Fazit: „Die Gutachten stimmen technisch überein. Die Spekulationen nehmen wir raus und richten uns nach der Baugenehmigung.“ Demnach müsste der Kläger keine Lärmbelästigung fürchten.

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