+
Feuerwehr-Kommandant Wolfgang Winkler bezieht jetzt ebenfalls Stellung.

Jetzt bezieht auch Feuerwehr-Kommandant Wolfgang Winkler Stellung

Feuerwehr-Kommandant: „Argumente der Initiative sind haltlos“

  • schließen

In der Debatte um das alte Feuerwehrhaus meldet sich jetzt auch die Feuerwehr selbst zu Wort. Kommandant Wolfgang Winkler wirft der Initiative Pro Feuerwehrhaus Tegernsee „schlechten Stil“ vor.

Tegernsee – Die fünf Initiatoren von Pro Feuerwehrhaus Tegernsee haben mächtig gezündelt und damit geschafft, dass die Debatte um die Zukunft des Feuerwehrhauses inzwischen vollends neu entflammt ist. Nach dem Start der Unterschriftenaktion Ende Juli, einem Online-Voting im Netz sowie mehreren Zeitungsinseraten – auch von Seiten des Bürgermeisters Johannes Hagn und seiner CSU-Fraktion im Stadtrat – meldet sich nun auch derjenige zu Wort, der unter der Misere des Feuerwehrhauses am meisten leidet: Kommandant Wolfgang Winkler. „Ich wollte mich eigentlich zurückhalten, doch jetzt muss ich einfach darlegen, wie’s wirklich ausschaut“, sagt Winkler. Er ist nach Rathauschef Hagn verantwortlich für die 60 bis 70 Aktiven. „Bei den jetzigen Zuständen ist das Eintreten eines Worst-Case-Szenarios, bei dem ein Feuerwehrler schwer oder gar tödlich verletzt werden könnte, leider nur eine Frage der Zeit“, warnt Winkler.

Lesen Sie hier, wie die Initative das Feuerwehrhaus retten will.


Die Zeit drängt, denn das Haus, so Winkler, berge ein erhebliches Sicherheits- und Gesundheitsrisiko für die Einsatzkräfte. Zudem bestehe ein Sicherheitsrisiko für die Bewohner im Schutzbereich der Feuerwehr. Hinzu kommen betriebliche Mängel und ein bedenklicher baulicher Zustand des Hauses.

Die Feuerwehr steht hinter dem vom Stadtrat grundsätzlich beschlossenen Weg: Abriss des alten Feuerwehrhauses und Neubau auf Basis einer bereits favorisierten Variante mit neun Stellplätzen plus Waschhalle. Kostenvolumen: rund 6,25 Millionen Euro (plus Kosten für ein Übergangsdomizil). Die EU-weite Ausschreibung des Projekts ist bereits erfolgt, im Oktober wird sich der Stadtrat damit befassen (wir berichteten).

Lesen Sie hier auch, wie der Stadtrat entschieden hatte.

Die mit großen Kostenaufwand von der Initiative um den Tegernseer Marcus Staudacher unters Volk gebrachten Argumente zum Erhalt des Altbaus, widerlegt der Feuerwehrkommandant in jedem Punkt. Etwa zur Behauptung, dass laut Machbarkeitsstudie ein Erhalt des 1926 erbautet Hauses möglich sei. „Die Studie ist ein reines Arbeitsdokument, mit dem in die weitere Planung und Koordinierung mit Regierungsvertretern und Kommunaler Unfallversicherung gegangen wurde“, erklärt Winkler. Ein Um- und Anbau sei sinnlos. Damit könne das aktuelle, enorme Sicherheitsrisiko nicht gelöst werden. Weil ein Umbau für die Zukunft nicht nachhaltig sei, hätten auch Regierungsvertreter diese Variante abgelehnt. „Auch die staatlichen Zuschüssen wurden für diesen Fall verweigert“, argumentiert Winkler. Die Funktionalität, wie sie den heutigen Anforderungen entsprechen müsste, könne nicht erreicht werden, da Teile der bestehenden Fahrzeughalle in Funktionsräume inklusive der Verkehrswege umgebaut werden müssten.

Auch das Argument der Initiative, es ließen sich durch Um- und Anbau 1,8 Millionen Euro sparen, mit der auch eine Tiefgarage zu finanzieren sei, widerlegt Winkler. „Es ist bedenklich, bei einer Übergangslösung, die ein Umbau darstellt, von einer Kosteneinsparung zu reden.“ Schließlich sei ein Totalabriss und Neubau ohnehin in den nächsten Jahrzehnten die Folge, da Lagerräume bei einem Umbau nicht realisiert werden könnten.

Die Tiefgarage, die laut Initiative „problemlos“ realisiert werden und den „idyllischen“ Spielplatz retten könnte, hält Winkler nicht für sinnvoll. Sie verhindere die dringend nötigen Kellerräume, wäre kostspielig und erfordere eine Rampe, „die in ihrer Dimension in etwa so groß wäre wie der benötigte Parkplatz im Freien“. Die Rampe könne nur auf dem Spielplatzgelände realisiert werden. Überhaupt sei von Anfang an klar gewesen, dass der Spielplatz lediglich verlegt werde. Er soll in den Kurgarten kommen. Bei der von der Initiative geschmähten „Autofläche“ anstelle des Spielplatzes handle es sich um einen für den sicheren Dienstbetrieb unverzichtbaren Parkplatz. „Es stimmt bedenklich“, findet Winkler, wenn eine Verlegung des Spielplatzes eine höhere Priorität besitzt als die Sicherheit ehrenamtlicher Einsatzkräfte.“

Die Feuerwehr kreidet der Initiative an, dass „bis zum heutigen Tag“ kein Vertreter das Gespräch mit ihr gesucht habe. Keiner sei je bei einer Stadtratssitzung anwesend gewesen, auch sei die Info-Veranstaltung am Gerätehaus nur von fünf Tegernseern besucht worden. Winkler wirft der Initiative „schlechten Stil“ vor. „Deren Argumente sind haltlos“, lautet das Resümee des Kommandanten.

Sind sie das auch in den Augen der übrigen Tegernseer? Bis 20. September läuft das Online-Voting der Initiative zum Erhalt des Feuerwehrhauses. Bis dato ist das Ziel, dort 1000 Unterstützer zu finden, mit 206 Unterschriften zu 21 Prozent erreicht. Auch liegen in verschiedenen Geschäften Unterschriftenlisten aus.

Das sagt die Initiative:

Marcus Staudacher von der Initiative Pro Feuerwehrhaus Tegernsee, lässt nicht locker: „Auch Variante J (Anm.d.Red.: Erhalt und Anbau) ist machbar“, sagt er und bezieht sich auf ein Stadtratsprotokoll vom 14. November 2016, in dem es heißt, dass „alle drei Varianten vorab mit der Regierung von Oberbayern auf ihre rechtliche Realisierbarkeit und Förderfähigkeit abgestimmt wurden.“ Die Feuerwehr, so Staudacher, habe bisher alle ihre Herausforderungen allein aus dem heutigen Haus heraus bewältigt. „Es ist kaum vorstellbar, wenn dies nun nicht mehr gelingen sollte, wenn fünf Großgaragen plus eine Waschhalle im Anbau dazukommen würden sowie die bisherigen sechs Wohnungen im ersten Stock des Bestandshauses zu zusätzlichen Feuerwehrräumlichkeiten umfunktioniert werden könnten. Die Inititative verweist auch darauf, dass die Variante J, die auch von Architektin Claudia Schreiber als machbar bezeichnet wurde, als einzige die Abstandsflächen zu den Nachbarn in Nord und Ost einhalten würde. Ebenso verweist sie darauf, dass laut Sitzungsprotokoll „die personelle und technische Entwicklung der Feuerwehr erwarten ließe, dass zukünftig eher weniger als mehr Fahrzeuge gebraucht würden.“ Der Erhalt des ortsprägenden Feuerwehrhauses sei also möglich, die Einsatzfähigkeit wäre auch so wieder hergestellt, so Staudacher.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Skigebiet Spitzingsee-Tegernsee im Pisten-Porträt: Alle Infos mit Geheimtipps
Das Skigebiet Tegernsee-Spitzingsee hat unlängst einen Preis gewonnen und wird doch gerne unterschätzt. Alle Infos von Anreise über Hüttentipps bis Abfahrten in unserem …
Skigebiet Spitzingsee-Tegernsee im Pisten-Porträt: Alle Infos mit Geheimtipps
Die ganze Waakirchner Dorfmitte ins Visier nehmen
Beim Thema Waakirchner Dorfmitte ging’s bislang nur um Wohnungen und einen Dorfplatz. Hugo Eder will ein Gesamtkonzept. Im Januar soll der Ortsplanungsausschuss darüber …
Die ganze Waakirchner Dorfmitte ins Visier nehmen
Mehr Hochwasserschutz: Deshalb wird der Zeiselbach verbreitert und vertieft
Um den Hochwasserschutz zu verbessern, werden der Zeiselbach ausgebaut und die Zeiselbachbrücke im Ortskern saniert. Das ist geplant.
Mehr Hochwasserschutz: Deshalb wird der Zeiselbach verbreitert und vertieft
Rückwärts-Salto beim Gewerbegebiet?
Alles zurück auf Anfang: Das ist Ziel eines Bürgerantrags zum Gewerbegebiet Brunnenweg. Rund 120 Waakirchner haben unterschrieben. Der Gemeinderat ließ den Antrag zu. …
Rückwärts-Salto beim Gewerbegebiet?

Kommentare